Entsorgung Recycling mit Komfort

Die Wertstoffhöfe in Dachau werden von den Bürgern gut angenommen. Eine neue Anlage in Augustenfeld soll Entlastung und mehr Service bieten.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Im Dachauer Stadtteil Augustenfeld soll ein moderner Wertstoffhof mit einem Kaufhaus für Gebrauchtwaren entstehen

Von Petra Schafflik, Dachau

Wer einen kaputten Toaster entsorgen will oder Grünschnitt aus dem Garten wegbringen möchte, muss auf den Recyclinghöfen oft Geduld mitbringen. Vor allem zu den Einrichtungen in Karlsfeld, Dachau Süd und Ost kommen viele Bürger, gelegentlich gibt es dort vor dem Tor Warteschlangen. Um künftig einen besseren Service anzubieten, plant der Landkreis nun einen weiteren Recyclinghof in Dachau-Augustenfeld. Auf einem bisher als Acker genutzten Gelände südlich des Entsorgungsunternehmens Fink soll eine moderne Anlage entstehen, mit großzügigen überdachten Abgabestellen und einem Hallenkomplex mit Werkstätten wie auch Sozialräumen. Als Neuheit im Landkreis könnte dort auch ein Gebrauchtwaren-Kaufhaus mit angeschlossenem Repair-Café einziehen, wie es in anderen Kommunen schon erfolgreich läuft. Dieses Konzept wurde im Umwelt- und Kreisausschuss einstimmig gebilligt.

Am Bedarf für eine weitere Entsorgungsanlage in Dachau gibt es keine Zweifel. Denn von den insgesamt 21 Einrichtungen im Landkreis sind vor allem die Abgabestellen in den Stadtteilen Süd und Ost, aber auch der Hof in der Karlsfelder Münchner Straße stark frequentiert, erklärte Peter Kistler, Leiter der Kommunalen Abfallwirtschaft. Wenn in den kommenden Jahren wie geplant in Augustenfeld noch ein ganz neuer Stadtteil entsteht, wird der Andrang weiter steigen. Andererseits zählen Recyclinghöfe nicht gerade zu den Anlagen, die jeder gerne in seiner Nachbarschaft haben möchte. Deshalb wäre das im vorigen Jahr vom Landkreis angekaufte Areal an der südlichen Stadtgrenze von Dachau ideal für diese Nutzung. Denn die Fläche liegt gut erreichbar zwischen Dachau und Karlsfeld, aber doch weit weg von jeder Wohnbebauung. Konflikte mit der Nachbarschaft sind daher nicht zu befürchten.

Wie der neue Recyclinghof dort einmal ausschauen könnte, hat Peter Kistler in einer Machbarkeitsstudie erarbeitet und sich dabei eine Anlage in Kitzingen zum Vorbild genommen. Sie ist nicht nur funktional, sondern bietet den Bürgern auch mehr Komfort. Im neuen Recyclinghof würden Nutzer künftig auf überdachten Rampen anfahren und ihre Wertstoffe in darunter installierte Container werfen. Momentan müssen Bürger mit alten Fahrrädern oder Möbeln erst steile Metallstufen bis zum Containerrand hochsteigen, was oft kritisiert wird, wie Kistler berichtete. Installiert werden soll im neuen Hof auch eine dauerhaft geöffnete Annahmestelle für Problemmüll. Bisher können gefährliche Stoffe nur im Giftmobil abgegeben werden, das durch den Kreis tourt und auf jedem Hof nur zweimal jährlich Station macht.

Die größte Neuerung im künftigen Recyclinghof Augustenfeld wäre ein Second-Hand-Kaufhaus, das gut erhaltene, gebrauchte Waren, die an den Recyclinghöfen abgegeben werden, zu günstigen Preisen anbieten würde. Ein angeschlossenes Repair-Café, wo defekte Elektrogeräte von fachkundigen Ehrenamtlichen wieder in Schuss gebracht werden, könnte helfen, Müll zu vermeiden. Betreiben soll so eine Einrichtung ein sozialer Träger, um gleichzeitig Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen für Menschen, die sich auf dem normalen Arbeitsmarkt schwer tun. In Dachau arbeitet nach diesem Muster bereits die Caritas, die im Gewerbegebiet Ost ihren Gebrauchtwarenmarkt "Die Halle" betreibt. Dabei verwertet die Caritas Spenden, die Bürger vorbeibringen. Bei ersten Sondierungsgesprächen habe sich die Caritas "hellauf begeistert" gezeigt von der Idee des Gebrauchtwaren-Kaufhauses, so Kistler. Jedoch würde bei einer Umsetzung der Idee die Trägerschaft nicht automatisch an die Caritas gehen, sondern regulär ausgeschrieben. Bevor konkrete Planungen beginnen, muss der Landkreis für das Grundstück auf Dachauer Flur bei der Stadt einen Bauantrag stellen. Das Areal tangiere den Grünzug und liege im Außenbereich, teilte Bürgermeister Kai Kühnel mit.