Energiewende im Landkreis Kraft, die Kraft schafft

Die Haniels aus Haimhausen sind ein regionaler Energieproduzent, der auch in die Region investiert.

Von Rudi Kanamüller

"Es war einmal." So beginnen in der Regel Märchen - mitunter aber auch wahre Geschichten, so wie die eines Schlossbesitzers im Landkreis Dachau, der es schlicht satt hatte, Licht und Helligkeit in seinem hübschen Schloss nur durch Kerzen und Fackeln zu erzeugen. Also ließ er im Jahr 1902 den Kanal, der sich durch den Park seines Schlosses schlängelt, verlegen. Gleichzeitig baute er sich ein kleines Wasserkraftwerk.

Andrea von Haniel vor ihrem Wasserkraftwerk in Haimhausen. 

(Foto: Toni Heigl)

Und fortan konnte er - dank des Gefälles - den aus Wasserkraft erzeugten Strom für die Beleuchtung seines Schlosses nutzen. Und weil der Schlossherr, James Eduard Haniel von Haimhausen auch ein vorausschauender Mensch mit Geschäftssinn war und er mehr Strom produzierte, als er selbst verbrauchen konnte, wurden nach und nach immer mehr Häuser im Ort mit Strom aus dem Elektrizitätswerk 1 versorgt - mit Ökostrom und das nun seit mehr als 100 Jahren. Es war die Geburtsstunde der E-Werke Haniel in Haimhausen.

Aus dem ursprünglich rein für den Privatverbrauch gebauten Wasserkraft-Elektrizitätswerk sind mittlerweile drei geworden: Sohn Günther von Haniel errichtete im Jahr 1959 das E-Werk 2. Es steht bei der Marienmühle und war früher eine Mahlmühle. Und in der Zeit zwischen 1986 und 1988 errichtete Günther von Haniel am Hirschgang ein modernes überflutetes Wasserkraftwerk.

Das Sagen im E-Werk haben mittlerweile zwei Frauen. Die Töchter Andrea und Henriette von Haimhausen managen, modernisierten und bauten mit Erfolg nach dem Tod ihres Vaters den Betrieb aus. Konsequent, nachhaltig und ökologisch. Ihr Produkt: Strom, der aus der Amper kommt, produziert in drei E-Werken, die idyllisch eingebettet in den Amperauen liegen.

Und worauf Andrea von Haniel stolz ist, ist die Tatsache, dass derzeit bereits etwa 40 Prozent des in Haimhausen, Ottershausen, Inhausen und Maisteig verbrauchten Stroms aus erneuerbarer Energie stammen. Und das Interesse an Strom aus regenerativen Energiequellen nehme zu. "Besonders nach der Atomkatastrophe von Fukushima fragen immer mehr Leute direkt nach Öko-Stromprodukten", sagt sie.