Energiewende im Landkreis Handeln für den Klimaschutz

Die Energiewende ist seit Fukushima bundesweit beschlossene Sache. Der Landkreis Dachau hat mit dem Umstieg auf erneuerbare Energie schon viel früher begonnen. Doch es gibt noch viel zu tun.

Von Walter Gierlich

Fukushima hat alles verändert, plötzlich ist die Energiewende bundesweit Thema Nummer eins. Doch im Landkreis Dachau hat es nicht erst die Atomkatastrophe in Japan gebraucht, um regenerativen Energien Vorrang einzuräumen. Hier haben sich Kommunalpolitiker und Bürger wegen des Klimawandels schon lange vorher ehrgeizige Ziele gesetzt, um die Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren.

Die Gemeinde Haimhausen betreibt seit 2007 eine eigene Photovoltaik-Anlage.

(Foto: www.joergensen.com)

Der Landkreis hat beispielsweise schon vor Jahren mit Brigitte Detering eine Klimaschutzbeauftragte installiert und ist dem Klimabündnis beigetreten, einer europaweiten Allianz zur CO2- Reduktion. 2009 hat der Kreistag beschlossen, dass bis 2020 der Verbrauch von Primärenergie im Landkreis um 30 Prozent, der von elektrischer Energie um zehn Prozent, die Emissionen an Kohlendioxid sogar um 40 Prozent reduziert werden sollen. Gleichzeitig wollten die Gemeinden die erneuerbaren Energien um 40 Prozent ausbauen.

Doch längst nicht alles lief so glatt, wie sich das die Initiatoren erhofft hatten. Schon allein beim Thema Klimaatlas hakte es: Damit wollte der Landkreis eine Bestandsaufnahme aller Basisdaten für den Energieverbrauch erstellen. Wie viel Strom wird verbraucht, wie viel im Landkreis produziert? Wie viele Haushalte heizen mit Öl oder Gas?

Auf der Grundlage der gesammelten Daten hätte dann ein umfassendes Klimaschutzkonzept erstellt werden sollen. Obwohl der Bund die geschätzten Kosten von 200.000 Euro für den Klimaatlas zu 80 Prozent gefördert hätte, kam das Vorhaben nicht zustande, weil es manchen Kommunen zu teuer und zu arbeitsaufwendig war.

"Die Entscheidung fiel im Januar, vielleicht wäre sie nach der Katastrophe in Japan anders ausgefallen, könnte sich die Klimaschutzbeauftragte Detering vorstellen. Sie setzt immer noch darauf, dass zumindest eine "abgespeckte Version" zustande kommt.

Denn seit Fukushima ist die Energiewende noch weiter nach vorne gerutscht in der Prioritätenliste von Landkreis und Kommunen. Zeigten sich bisher lediglich einzelne Gemeinden beim Ausbau der regenerativen Energien als Pioniere und Vorreiter - etwa Pfaffenhofen an der Glonn, Odelzhausen oder Haimhausen bei der Photovoltaik, Karlsfeld oder Bergkirchen bei der Fernwärme -, so ziehen die anderen mittlerweile nach.

Beispielsweise haben alle Kommunen gemeinsam ein Gutachten für mögliche Windkraftstandorte erstellen lassen, um einem Wildwuchs privater Investoren vorzubeugen.

Doch bei allem neuen Schwung gibt es weiter Protest und Gegenwind. Gegen sechs geplante Windkraftanlagen an der Autobahn bei Odelzhausen macht ebenso eine Bürgerinitiative mobil wie gegen eine Freiflächensolaranlage bei Niederroth. Photovotaikanlagen auf Hausdächern rufen bisweilen Denkmalschützer auf den Plan.

Biogasanlagen geraten ins Visier von Naturschützern, die über Monokulturen klagen und von einer "Vermaisung" der Landschaft sprechen. Wegen hoher Kosten ziehen weder Hausbesitzer noch Mieter bei der Wärmedämmung von Gebäuden so mit, wie das im Sinne des Klimaschutzes zu wünschen wäre.

Die Energiewende bleibt trotz aller Widerstände das Ziel. Was schon geschieht im Landkreis, was noch getan werden muss, was jeder einzelne beitragen kann und was auch an Belastungen auf ihn zukommt, das will die SZ Dachau in einer Serie darstellen, die heute startet und mit einem SZ-Forum im Dachauer Ludwig-Thoma-Haus am Freitag, 22. Juli, abgerundet wird.