Einzelhandel Tengelmann-Mitarbeiter: "Wir bleiben da"

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Betriebsrat und Gewerkschaft Verdi bangen nicht um Jobs und Standorte. Aber um die Arbeitsbedingungen.

Von Viktoria Großmann, Dachau

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In der Tengelmann-Filiale an der Münchner Straße befüllen um die Mittagszeit zwei Helfer die ohnehin gut sortierten Regale, eine Kundin prüft das Brot, eine andere steht am Käseregal, die Kasse ist besetzt. "Wir würden gerne etwas sagen, aber wir dürfen nicht", sagt die Kassiererin. "Uns ist verboten worden, etwas zu sagen", erklärt einer ihrer Kollegen. "Wir wissen ja selber nichts", sagt eine Dritte. Dabei werden sie auch von Kunden gefragt, wie es denn nun weitergeht. "Wir sind weiterhin da", antwortet stellvertretend der Betriebsratsvorsitzende für die Region München Manfred Schick. Dass es die Läden, die überall in Oberbayern schwarze Zahlen schreiben, weiter geben wird, daran zweifelt Schick nicht. Auch die Jobs werden sehr wahrscheinlich erhalten bleiben. Fraglich ist nur, zu welchen Konditionen.

Etwa 70 Mitarbeiter haben die zwei Tengelmann-Supermärkte in der Münchner und der Schleißheimer Straße. An ihnen hängt die Lebensmittelversorgung der Dachauer Innenstadt. Zermürbend sei dieser lange Verkaufsprozess, sagt eine Mitarbeiterin in der Schleißheimer Straße. Seit mehr als 20 Jahren arbeite sie an diesem Standort. Es gibt viel Stammkundschaft. "Da handelt einer, der viel Macht hat, mit Menschen", sagt sie. "Da wird über unseren Kopf hinweg entschieden." Die Ungewissheit nagt an den Tengelmann-Mitarbeitern. Nur eines wissen sie sicher: Die Läden laufen gut. "Die Kunden kommen, der Umsatz stimmt", heißt es in der Münchner Straße. Die langjährige Angestellte aus der Schleißheimer Straße kann sich vorstellen, dass es irgendwann einen anderen Interessenten für den Supermarkt geben wird. Aber wie arbeitet es sich bei dem?

Die Prognose für die Tengelmann-Filialen in München und dem Umland ist gut. Die Zerschlagung des Konzerns hat zwar begonnen, doch zunächst werden die Läden in Nordrhein-Westfalen verkauft. Auch die Produktionsbetriebe der Lebensmittelkette stehen zum Verkauf. Erst zu Beginn des neuen Jahres sollen auch die Läden in Berlin und München veräußert werden. Zuvor steht die bange Frage, ob am Ende die Handelsketten Rewe und Markant doch einlenken und der Ministererlaubnis stattgeben. Dann könnte noch immer Edeka das Filialnetz vollständig übernehmen.

Mit Edeka waren die Übernahmebedingungen genau ausgehandelt

Das ist es, was die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat von Tengelmann noch immer fordern. Ihr Ziel ist es schließlich, alle Arbeitsplätze zu erhalten und das war in dem Edeka-Deal garantiert - für sieben Jahre. In der nächsten Woche wollen die Tengelmann-Betriebsräte noch einmal bei Rewe vorstellig werden. "Es ist nicht egal, wer die Läden und uns Angestellte übernimmt", sagt Manfred Schick. Mit Edeka waren die Übernahmebedingungen genau ausgehandelt. Die Tarifverträge würden weiterhin gelten. "Die haben wir über die Jahre hart erkämpft, die wollen wir erhalten." Nicht alle Einzelhandelsketten zahlen nach den Tarifverträgen im Einzel- und Versandhandel. Real und Dehner etwa nicht, Rewe aber schon. Allzu viel ist es ohnehin nicht, was eine Verkäuferin in Vollzeit verdient: 1789 Euro brutto im ersten Jahr, bleibt sie dabei, ist sie nach sechs Jahren bei 2475 Euro brutto.

Auch Verdi-Mann Georg Wäsler sagt deutlich, dass die Aussichten der Tengelmann-Filialen in ganz Oberbayern äußerst gut sind. Sie seien die einzigen in der Lebensmittelkette, die sich rechneten. "Die Standorte sind fantastisch", sagt er. "So wohnortnah ist sonst keiner." Genau deshalb "tobt ja die Schlacht". Die Filialen werden sehr umkämpft sein, glaubt er. Die Dachauer Läden würden dabei sicher nicht anders behandelt werden als die in der Landeshauptstadt. Schwierig für die Angestellten sei aber die Ungewissheit, die nun schon zwei Jahre anhalte. "Man ist sich keinen Tag sicher, was passieren wird." Die Versorgung in Dachau wird jedenfalls nicht zusammenbrechen. Auch die Mietverträge sind laut Betriebsrat Schick sicher.

© SZ vom 24.10.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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