Einzelhandel Die Shopping-Misere von Karlsfeld

Einen Schuhladen gibt es und einen Kleidungs-Discounter - sonst ist Karlsfeld weitgehend Einzelhandels-Einöde. Warum sich mögliche Investoren zurückhalten.

Von G. Schiegl

An der Baugrube der Karlsfelder Neuen Mitte tut sich ein Jahr nach dem Baustopp durch den Hamburger Investor HIH immer noch nichts - und dies wird zunehmend zu einem Problem für die Entwicklung des Einzelhandels. "Es spricht so offen keiner aus. Aber das ist ein Thema, das all unsere Einzelhandelsentwicklungen in Karlsfeld blockiert", erklärte Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Die Karlsfelder müssen die meisten Besorgungen außerhalb des Ortes tätigen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Kolbe hat dazu in den vergangenen zahlreiche Gespräche geführt. Als entscheidendes Problem hat er dabei erkannt: "Kein Konzern wird derzeit entscheiden, etwas Kleineres zu machen, solange nicht raus ist, wer sich ins Zentrum setzt." Für das mit Läden völlig unversorgte Wohngebiet westlich der Bahn hatte die Gemeinde einen Bebauungsplan für ein neues gewerbliches Gebiet aufgestellt; er sieht 800 bis 1000 Quadratmeter Verkaufsflächen für Dinge des täglichen Bedarfs vor. Der Grundstücksbesitzer Eon fand zwar einen potentiellen Investor. Der wollte aber gleich ein kleines Ortszentrum bauen; sein Konzept hätte eine Ausweitung auf mindestens 5000 Quadratmeter verlangt. Der Gemeinde war das zu aber groß. Der Investor sprang ab, Eon war verstimmt.

Dass kleinere Flächen derzeit Ladenhüter sind, hat die Gemeinde auch "leidvoll" (Kolbe) an der Jägerstraße erfahren müssen. Dort hatte 2007 der Rewe-Markt geschlossen. Alle Bemühungen, einen Nutzer für einen neu geplanten Supermarkt an gleicher Stelle zu finden, sind gescheitert. Vor einem Jahr hatte Karlsfelds Bürgermeister frustriert feststellen müssen: "Hier wird offenbar nur taktiert."

Taktiererei hatte auch das inzwischen auf Eis gelegte Projekt Neue Mitte 2008 gehörig unter Druck gesetzt. Als der ehemalige Projektpartner HS nebenan an der Münchner Straße Pläne für weitere Einzelhandelsflächen schmiedete, sahen sich die Hamburger auf einmal mit Standort- und Preisdiskussionen ihrer Mieter konfrontiert. "Ich kann verstehen, wenn der Expansionsleiter eines namhaften Textilers genau dieses Problem hat", sagte der Geschäftsführer der Hamburgischen Immobilien Handlung HIH, Stefan Best, damals; er könne später dumm dastehen, "weil er sich für den falschen Standort entschieden hat".

"Aber wir haben ja nichts"

Dass die Gemeinde noch sehr viel Potenzial als Standort für Einzelhandel hat, steht außer Frage. Die Karlsfelder haben laut Cima-Gutachten 14 Prozent mehr Geld in der Tasche als der durchschnittliche Bundesbürger. Pro Jahr geben sie 110,8 Millionen Euro im Einzelhandel aus. Aber nicht im eigenen Ort. "Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich halb Karlsfeld in Dachau beim Einkaufen treffe", sagt Kolbe. "Aber wir haben ja nichts." Im Bereich Kleider und Schuhe gebe es nur "den Takko und den Shoe for you". Aber das könne ja nicht "das ganze Einkaufen in Karlsfeld" sein.

Kolbe hofft, dass die Eröffnung des Standorts Münchner Straße eine "Initialzündung" für den Ausbau des Karlsfelder Einzelhandels wird. Nachdem die Gemeinde einen Moderator eingeschaltet hat und die Nutzung der Flächen abgestimmt wurde, gebe es schließlich "keine Hinderungsgründe, warum HIH und HS nicht parallel anfangen zu bauen." Doch HIH-Geschäftsführer Stefan Best hatte jüngst in der SZ erklärt, man wolle erst einmal abwarten, was tatsächlich an der Münchner Straße entstehe.

Diese Aussage nennt Kolbe "sehr unbefriedigend". Es könne keine "Zeitspiele auf fünf Jahre" geben. Denn irgendwann werde es auch "schwierig mit der Wasserhaltung in der Baugrube." Außerdem laufe die Baugenehmigung auch nach ein paar Jahren aus. Es müsse endlich mal etwas vorwärts gehen.