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Einrichtungen nehmen Betrieb auf:Die Kleinen können wieder in die Kita

Nach langer Pause nehmen Kindergärten und Horte an diesem Dienstag den Regelbetrieb auf, doch nicht überall im Landkreis gibt es ausreichend Kapazitäten für alle. Die Einrichtungen versuchen, Härtefälle zu vermeiden

Von Jacqueline Lang, Dachau

In rund einer Wochen, vom 8. September an, müssen Bayerns Kinder wieder die Schulbank drücken. Schon eine Woche zuvor, am morgigen Dienstag, nehmen die Kindergärten und Horte im Freistaat nach langer Pause den Regelbetrieb wieder auf. Obwohl die Kinderbetreuung nahezu in allen Gemeinden im Landkreis Dachau auch ohne die erschwerten Bedingungen durch die Corona-Krise immer wieder Thema in Gemeinderats- und Stadtratssitzungen ist, scheint dieses Jahr zumindest für einen Großteil der Kinder ein Platz gefunden worden zu sein. Jedoch, und daraus macht etwa Max Haberl, der Dachauer Amtsleiter Schule, Kinderbetreuung, Soziales und Sport, keinen Hehl: Jedes Kind das auf einer Warteliste steht, ist letztlich eines zu viel.

Im Bereich Hort gibt es solch eine Situation in der Stadt Dachau bislang glücklicherweise nicht, alle Kinder konnten untergebracht werden. Im Bereich der Mittagsbetreuung ist die Bilanz schon nicht mehr ganz so gut, zumindest in der Dachauer Altstadt. Etwa 21 Kinder stehen dort derzeit auf einer Warteliste. Und daran werde sich auch erst einmal nichts ändern, so Haberl. Der Grund: "Wir haben kaum Raumkapazität." Ähnliches gilt für das gesamte Stadtgebiet im Bereich der Krippen. Etwa drei Gruppen fehlen, im Bereich der Kindergärten sind es immerhin nur ein bis zwei. "Das ist schon besser als im letzten Jahr", sagt Haberl.

Ähnlich gut sieht es in Markt Indersdorf aus. In der Marktgemeinde stehen derzeit 547 Betreuungsplätze zur Verfügung. Neu angemeldet wurden laut Christine Lang, Sachbearbeiterin im Bereich Kindertagesstätten, für das kommende Jahr 169 Kinder und davon stünden derzeit nur fünf auf einer Warteliste, "wobei drei Schulkinder davon alternativ betreut werden".

Das BRK Dachau unterhält im Landkreis insgesamt 13 Einrichtungen in sechs Gemeinden und ist damit nach eigenen Angaben verantwortlich für etwa 1000 Kinder. Laut Pressereferentin Bärbel Schäfer sind BRK-Kitas "allgemein gut ausgelastet und personell gut aufgestellt" - und das obwohl einige Erzieherinnen in den vergangenen Monaten selbst Kinder bekommen hätten. Einige Stellen seien aus diesem Grund zwar deshalb derzeit nicht besetzt, aber personelle Engpässe gebe es bislang trotzdem nicht.

Offiziell werden Plätze mittlerweile nicht mehr nach der jeweiligen Dringlichkeit vergeben, weil gesetzlich jedes Kind bis zum sechsten Lebensjahr Anspruch auf einen Platz hat. Aber weil Theorie und Praxis nicht immer deckungsgleich sind, müsse man natürlich trotzdem letztlich von Fall zu Fall entscheiden. Wenn man also die Wahl habe zwischen einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter und einer Familie, in der ein Elternteil ohnehin zuhause ist, dann sei ja wohl klar, wer den Vorzug erhalte.

Zumindest was die Corona-Bestimmungen anbelangt gibt es aber nach dem monatelangen Chaos, wer wann und wie seine Kinder in die Einrichtungen bringen darf, einen bundesweit einheitlichen Fahrplan sowie ein Drei-Stufen-System, je nach Infektionszahlen. Im Regelbetrieb, also Stufe 1, dürfen alle Kinder, die fieberfrei sind auch mit milden Krankheitssymptomen wie Schnupfen oder gelegentlichem Husten kommen. Beim täglichen Empfang in der Einrichtung werde, so heißt es etwa auf der Homepage der Stadt Dachau, nachgefragt, ob Kind und Eltern gesund sind und ob Kontakt zu einer infizierten Person bestand. Dies werde in der Anwesenheitsliste vermerkt. Im eingeschränkten Betrieb ab Stufe 2 dürfen alle Eltern, die einen Nachweis über ihre Erwerbstätigkeit oder berufliche Ausbildung vorlegen können, ihre Kinder bringen. Die Besuchszeit beschränke sich in dieser Phase auf "die notwendige Zeit für die Ausübung der Arbeit und die Wegstrecke von dem Elternteil mit der geringeren Arbeitszeit". Um für den Fall, dass die Phase 2 eingeleitet werde, rechtzeitig gerüstet zu sein, würden schon jetzt die Bescheide der Eltern eingesammelt "Wir bereiten uns auf alle Stufen vor", erklärt Max Haberl. Auch in dieser Phase dürfen die betroffenen Kinder noch mit leichten Krankheitssymptomen kommen. Den Trägern der Einrichtungen ist es ab diesem Zeitpunkt aber selbst überlassen, ob sie die Gruppen verkleinern und wenn ja, in welchem Umfang. Anders ist das, wenn der eingeschränkte Notbetrieb, sprich Stufe 3, wieder aufgenommen werden muss: Ab diesem Zeitpunkt liegt die Entscheidungsgewalt bei den örtlich zuständigen Gesundheitsämtern. In einem Schreiben sei mitgeteilt worden, dass für die Umstellung von einer auf die andere Stufe etwa zwei Tage Zeit blieben, so Haberl.

Die Aufgabe der Entwicklung einrichtungsspezifischer Hygienekonzepte bleibt aber zumindest bis Stufe 3 Aufgabe der jeweiligen Träger, wenn auch auf Grundlage des vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Soziales und Familie herausgegebenen aktuellen Rahmenhygieneplans. Auch die BRK-Referatsleiterin Kindertagesstätten Kathrin Ferland hat mit ihren Teams einrichtungsspezifische Hygienekonzepte erstellt. Diese Hygienekonzepte seien auf die Baulichkeiten und Besonderheiten der einzelnen Kinderhäuser zugeschnitten, etwa auf die Ein- und Ausgänge, die Nutzung des Treppenhauses sowie die Bring- und Abholsituation. Ferland selbsterklärt Ziel ist es, Familien und Mitarbeitern gleichermaßen "größtmögliche Sicherheit" bieten zu bieten. Ob das gelingen kann und wie lange bei den derzeit wieder steigenden Infektionszahlen der Regelbetrieb überhaupt aufrecht erhalten werden kann, werden die kommenden Wochen zeigen.

© SZ vom 01.09.2020

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