Ein Vorbild:Klimaschutzpreis für einen Vorreiter

Pro Vita

Andreas Schöfbeck leitet die Krankenkasse Pro Vita in Bergkirchen. Für seine Konzept gibt's laufend Preise.

(Foto: privat)

Die Krankenkasse Pro Vita in Bergkirchen führt als erste in Deutschland eine Gemeinwohlbilanz und wird in Kattowitz geehrt

Von Andreas Förster, Dachau

Auf der UN-Weltklimakonferenz in Kattowitz wird eine Delegation der Bergkirchner Krankenkasse Pro Vita am 11. Dezember mit dem Klimaschutzpreis "Momentum for Change" ausgezeichnet. Den Preis bekommt die Kasse gemeinsam mit ihrem Partner Pro Veg für die "Aktion Pflanzen-Power", mit dem sich die Unternehmen für die Verbesserung des vegan-vegetarischen Speisenangebots an Schulen im Bundesgebiet engagieren. Schon im November erhielt Pro Vita "in Anerkennung ihres Einsatzes für die vegane Ernährung, für die Rechte vegan lebender Patienten sowie für ihren aktiven Beitrag zu einem nachhaltigen Wandel im Gesundheitswesen" den Vegan Health Award und drei Jahre zuvor den Progress Award der Tierschutzorganisation Peta.

Die Preise freuen den Vorstandsvorsitzenden Andreas Schöfbeck, der seit 2001 die strategische Ausrichtung der gesetzlichen Krankenkasse verantwortet. Er ist überzeugt, wie er sagt, dass dadurch "die drei Dimensionen der Ernährung - Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik - bekannter" werden. Schöfbeck hatte das Unternehmen mit inzwischen mehr als 120 000 Versicherten im Oktober 2014 auf einen neuen Weg geführt: Der Schwerpunkt liegt seitdem auf der ganzheitlichen Gesundheitsförderung von Körper, Seele und Geist, einer verstärkten Anerkennung alternativer Heilmethoden sowie der Förderung von pflanzenbasierter Ernährung.

Die Entscheidung für eine neue Unternehmensstrategie hatte mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung Schöfbecks zu tun. Der 55-Jährige wurde vor einigen Jahren am Herzen operiert, die Ärzte gaben ihm nicht mehr viel Zeit. Da habe er angefangen nachzudenken und nachzuforschen, erzählt der Manager, und erfuhr so von den gesundheitlichen Vorteilen pflanzenbasierter Ernährung. Als Konsequenz stellte er seine Ernährung um, zunächst auf vegetarisch, dann auf vegan. "Nach einiger Zeit waren meine Blutfettwerte so niedrig, dass ich keine Cholesterinsenker mehr brauchte", sagt Schöfbeck. Dazu nahm er 15 Kilogramm Gewicht ab, seitdem geht es ihm deutlich besser. Von dieser einschneidenden Erfahrung am eigenen Leib sollen nun alle profitieren, die in der Pro Vita versichert sind: So bietet die Kasse Gesundheitsreisen mit pflanzlicher Kost und ein Bonusprogramm zur Ernährung an. "Wobei immer auch erklärt wird, worauf man bei pflanzenbasierter Ernährung achten muss", betont Schöfbeck. Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen ist ihm wichtig. Dazu gibt es Gesundheitskurse und Meditationen in Bergkirchen, in bestimmtem Fällen werden die Kosten für komplementär-medizinische Maßnahmen wie Akupunktur, Qi-Gong, Magnetfeld-Therapie und Ayurveda erstattet.

Zur Gemeinwohl-Ökonomie kam der Krankenkassenchef durch das gleichnamige Buch des Gründers der Bewegung, Christian Felber. Schöfbeck fand sofort Gefallen an der Idee, dass unternehmerisches Handeln nicht nur am kommerziellen Ertrag, sondern auch am Wohl für die Allgemeinheit gemessen werden soll. Im Zeitraum 2014/15 erstellte die Kasse ihre erste Gemeinwohlbilanz. Seitdem habe sich viel verändert, berichtet Schöfbeck. "Wir hinterfragen unser Handeln nach den Kriterien Menschenwürde, Gerechtigkeit, Solidarität, Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung."

Die Jury auf der Weltklimakonferenz zeigte sich beeindruckt von der Vorreiterrolle der Bergkirchner, die als erste Krankenkasse Deutschlands klimaneutral und umweltfreundlich wirtschafte und Ökostrom nutzt. Außerdem habe man einen Verhaltenskodex für Lieferanten zur Achtung der Menschenrechte und des Umweltschutz eingeführt, sagt Andreas Schöfbeck. Nachteile im Betriebsergebnis habe man bisher nicht gehabt. Im Gegenteil: Der Kurs der Pro Vita erfahre viel Zuspruch.

© SZ vom 07.12.2018
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