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Eigenes Kommunalunternehmen:Hebertshausen packt die Wohnungsnot an

Ein eigenes Kommunalunternehmen bietet nach Ansicht von Bürgermeister Reischl mehr Vorteile als die Kooperation mit der Landkreisbaugesellschaft. Die Gemeinde bestimmt die Zielgruppen und wacht über die Mietpreisentwicklung

Wohnungen sind Mangelware im Landkreis, das ist kein Geheimnis. Auch in Hebertshausen fehlen Sozialwohnungen für Bürger mit sehr geringem Einkommen, aber auch normale, bezahlbare Unterkünfte für Menschen mit mittlerem Verdienst. Gebraucht oder doch erwünscht wären auch Appartements für spezielle Zielgruppen wie Senioren oder Behinderte. Weil der Markt solche Immobilien nicht bauen wird, möchte die Gemeinde nun selbst aktiv werden und gründet ein Kommunalunternehmen für Wohnungsbau (KU). Dies entschied der Gemeinderat jetzt einstimmig.

Welche Projekte zuerst angepackt werden, steht noch nicht fest. Aber das Gelände der alten Holzschleiferei, das die Gemeinde 2018 erworben hat, könnte sich als Pilotprojekt anbieten, erklärte Bürgermeister Richard Reischl (CSU). Die Notwendigkeit, jetzt selbst aktiv zu werden, stellte niemand im Gemeinderat in Frage. Denn tatsächlich hat die Wohnungsnot nun auch die ländlicheren Gemeinden und die Normalverdiener erreicht. "Wer nicht mindestens Ingenieur ist und wirklich gut verdient, kann sich Hebertshausen nicht mehr leisten", erklärte Klaus Wallner (Freier Bürgerblock). Auch CSU-Gemeinderätin Elke Fiedel hält ein Kommunalunternehmen für "wichtig und zeitgemäß, der Bedarf ist immens". Deshalb erinnert Fiedel an den Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, wonach der jährliche Einwohnerzuwachs auf ein Prozent oder 50 Bürger begrenzt werden soll.

Gerade um die Entwicklung stärker zu steuern und passgenaue Angebote zu verwirklichen, bietet eine Wohnungsbaugesellschaft der Gemeinde überzeugende Vorteile gegenüber einer Zusammenarbeit mit der bestehenden Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Dachau (WLD). Dieses in Kooperation von Landkreis, Gemeinden und Sparkasse in den 1980er-Jahren gegründete Unternehmen hat bisher 247 Sozialwohnungen gebaut. Doch wenn es in Hebertshausen Sozialwohnungen bauen würde, "hätten wir gar keinen Zugriff auf die erstellten Wohnungen", betonte Reischl. Denn diese Unterkünfte würden an Bürger mit Wohnberechtigungsschein nach einer landkreisweiten, gemeindeübergreifenden Warteliste vergeben. In 20 neue Einheiten in Hebertshausen könnten so unter Umständen ausschließlich Auswärtige einziehen. "Das ist nicht, was wir wollen." Auch bieten Gemeindeobjekte die Option, für unterschiedliche Zielgruppen zu bauen.

Denkbar wären Gebäude für Betreutes Wohnen oder Behinderten-Wohngruppen. Und mit preisgünstigen Mitarbeiterappartements könnte sich Hebertshausen als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Fördermittel über den Wohnungspakt Bayern seien abrufbar. "Die Mietpreisentwicklung behält die Gemeinde dann immer in der Hand." Nicht nur als Bauherr, auch als Wohnungsverwalter soll das Kommunalunternehmen auftreten, so Reischl. Das könnte seiner Ansicht nach ein Lösungsansatz sein, um leer stehende Wohnungen zu aktivieren. Wenn sich die Eigentümer nicht mehr selbst kümmern müssen um die Vermietung, die gerade ältere Bürger als kompliziert und riskant erlebten, werde vielleicht die eine oder andere Unterkunft wieder angeboten. Keine unbedeutende Größe: "Wir rechnen mit etwa 120 Wohnungen im Leerstand."

Weitere Vorteile sind denkbar: So könnte das KU Gebäude bauen für die Nahversorgung oder ärztliche Versorgung. Sämtliche Mieteinnahmen würden zurück ins Unternehmen fließen und mittelfristig die Finanzierung weiterer Bauvorhaben sichern. Noch ist es aber nicht so weit. Nach dem Grundsatzbeschluss wird die Verwaltung erst einmal eine Satzung ausarbeiten, bevor dann offiziell das Hebertshausener Kommunalunternehmen für den Wohnungsbau gegründet wird.