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E-Mobilität im Landkreis Dachau:Der Trend geht zum elektrischen Zweitwagen

Laut Ladeatlas gibt es 40 Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge wie diese in Bergkirchen im Landkreis.

(Foto: Toni Heigl)

Die E-Mobilität im Landkreis macht nur kleine Fortschritte. Manche halten sie ohnehin nicht für die richtige Lösung

Von Carla Behnke, Dachau

Elektro-Autos sind die Zukunft, so hört und liest man das dieser Tage überall. Aber wie sieht es tatsächlich mit der neuen Technologie im Landkreis Dachau aus? Eine Bestandsaufnahme.

Was die Autos selbst angeht, machten Hybrid- und Elektrofahrzeuge im vergangenen Jahr nach den Daten des Landratsamts etwa 24 Prozent der Neuzulassungen aus. Bei Auto Rapp in Dachau sehen die Zahlen ähnlich aus: Etwa ein Viertel aller verkauften Neuwagen laufen inzwischen mit Elektromotor. Fast die Hälfte der Kunden, Privat- wie Firmenkunden, erkundigen sich zumindest nach solchen Modellen. Vor allem als Zweitwagen sind E-Autos offenbar beliebt. Zwar haben sie nach wie vor nicht die größte Reichweite, wie Kai Henkies berichtet. Aber für viele sei dies auch gar nicht nötig. "Die durchschnittliche Autofahrt endet nach 47 Kilometern", erklärt der Verkäufer, "das schafft man auch locker mit einem Elektrowagen".

Im privaten Gebrauch sind Wallboxen, im Prinzip leistungsstärkere Steckdosen für die Garage, inzwischen relativ verbreitet, vor allem in Einfamilienhäusern. Zwar reicht auch eine Haushaltssteckdose, aber dann dauert der Ladevorgang länger. Schwieriger ist die Versorgung in Mehrfamilienhäusern und Wohnungen, die keine eigene Garage haben. Bei Neubauten muss inzwischen eine Lademöglichkeit vorhanden sein. Öffentliche Ladestationen gibt es laut dem bayrischen Ladeatlas im Landkreis 40. An den Säulen sind meist zwei Ladepunkte angebracht. Nachdem die Stationen auf Gemeindegrund errichtet werden, ist die Errichtung auch ihre Aufgabe. Dabei ergibt sich das alte Henne-Ei-Problem: Braucht es mehr Infrastruktur, damit Interessierte überhaupt ein Elektrofahrzeug kaufen können? Oder sollte man abwarten, bis es mehr Elektrofahrzeuge in der Gemeinde gibt? Vom Landkreis aus gibt es seit Oktober 2020 ein Ladesäuleninfrastrukturkonzept, um den Kommunen diese Entscheidung zu erleichtern. Dabei wird die Nachfrage in einer Gemeinde in verschiedene Gruppen eingeteilt, etwa durch Berufspendler oder an öffentlichen Parkplätzen. Wie viele Ladepunkte sinnvoll sind, ergibt sich daraus, wie groß die Gruppen sind und wie viele Punkte sich für die jeweiligen Gruppen empfehlen.

Insgesamt lässt sich beobachten, dass immer mehr Elektroautos unterwegs sind. Forschung dazu laufen schon seit etwa zehn Jahren, berichtet der Diplom-Ingenieur und Professor für Verkehrstechnik an der TU München Klaus Bogenberger. Diese hätten mit E-Auto-Stammtischen angefangen, zu denen damals hauptsächlich Umweltschützer und "gestandene Elektro-Fans" gekommen seien. Seitdem sei das Thema in der breiten Öffentlichkeit angekommen, vor allem seit sich die Reichweite der Fahrzeuge verbessert hat und Ladestationen sichtbarer sind. Bogenberger hat zusammen mit dem Ingenieurbüro Gevas Humberg & Partner das Konzept für den Landkreis entwickelt. Die größten Herausforderungen sieht er in der Verfügbarkeit der Fahrzeuge, aber auch nach wie vor in der Reichweite. Zentral sei auch, dass mit der Verkehrswende eine Energiewende einhergehe. "Wenn die Autos mit Kohlestrom betrieben werden, bringt das auch nichts." Ziel müsse es sein, dass die Fahrzeuge vollkommen energieautark werden. Sie sollen also vollkommen mit der eigenen Photovoltaik-Anlage aufgeladen werden können. "Nur dann ist das in sich stimmig."

Allerdings sind längst nicht alle überzeugt von Elektroautos: Peter Heller, Kreisrat und Mitglied im Umwelt- und Verkehrsausschuss, sieht sie nur als Zwischenlösung. Aus seiner Sicht gilt es nicht, Energie beim Fahren zu sparen, sondern vielmehr, Energieverbrauch und Verkehr insgesamt zu vermeiden. Er priorisiert stattdessen Fahrradwege, "weg vom motorisierten Individualverkehr und hin zu ÖPNV, Rad- und Fußverkehr". Wichtiger sind für ihn daher E-Bikes. Ein weiteres Problem sieht er in den Batterien, die mit Lithium und Kobalt hergestellt werden. Beides sind Rohstoffe, die bekannt dafür sind, dass sie oft unter menschenunwürdigen Umständen gewonnen werden.

© SZ vom 10.06.2021
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