Das Surren der Drohnen, es wird kaum zu hören sein. Und doch wird der Abendhimmel über Dachau in bunten Farben leuchten, wie es die meisten Stadtbewohner wohl vor allem vom jährlich stattfinden Volksfest-Feuerwerk kennen. Die 150 Flugobjekte jedoch werden ganz ohne Knallgeräusche und Feinstaubbelastung in einer Höhe von 50 bis 120 Metern über dem Altstadtberg schweben und sich zu Herzen, Figuren und Tieren formatieren. Und damit, so die Hoffnung des Veranstalters, den krönenden Abschluss des ersten Dachauer Altstadtfests seit sieben Jahren bilden.
Der Dachauer Veranstalter Rabin Zakholy hat sich einiges vorgenommen für Samstag, 11. Juli: In den für den Straßenverkehr gesperrten Gassen soll es bei freiem Eintritt eine Food-Meile, Kinder-Attraktionen und Musikkonzerte geben. Als musikalischer Haupt-Act sind die „Blechblosn“ angekündigt, auf einer Kulturbühne der Dachauer Stadtwerke spielt mit „Dame Bube Krass“ unter anderem ein Musikduo. „Ich habe auch ein Karussell, Stelzenläufer und Clowns bestellt“, sagt der 36-jährige Zakholy. „Ich habe einfach Bock darauf, dass es dieses Fest gibt.“
Sollte es regnen, gehe er mit seinem Sponsorenfinanzierten Event ein finanzielles Risiko von 50 000 bis 80 000 Euro ein. Der gebürtige Dachauer organisiert mit seiner Firma Isar Entertainment GmbH deutschlandweit Veranstaltungen, seiner Heimatstadt wollte er schon lange einmal etwas zurückgeben, wie er sagt. Im vergangenen Jahr hat er bereits das Streetfood-Panda-Festival am Max-Mannheimer-Platz veranstaltet. In die kommende Drohnenshow habe er nun einen fünfstelligen Betrag investiert. Ein Feuerwerk wäre günstiger zu haben gewesen. Doch Zakholy findet, das Leben gehöre in die Altstadt.

Die Vorbereitungen für die Drohnen-Show laufen schon seit Wochen, erzählt Christoph Philippi von der Firma Luma Drones. Bei einer Vorbegehung wurden die Besonderheiten der Örtlichkeit in Augenschein genommen und mehrere Frequenztests vorgenommen, damit die Mini-Helikopter bei ihrem Auftritt störungsfrei kommunizieren können. „Das Besondere ist, dass unsere Drohnen-Show eine 180-Grad-Ausrichtung hat, um so einen bestmöglichen Wow-Effekt für alle Zuschauer zu ermöglichen“, sagt Philippi. Genehmigungen von rund einem halben Dutzend Stellen musste er einholen; nicht nur vom Ordnungsamt, sondern auch vom Dachauer Helios-Amper-Klinikum. Sollte ein Helikopter auf dem Dach des Krankenhauses landen müssen, müsste die Show abgebrochen werden.
In München stiegen zuletzt mehr als tausend Drohnen eines Mitbewerbers auf. Doch für Dachauer Platzverhältnisse seien 150 Drohnen schon eine Herausforderung. „Wir fliegen nicht über Menschen hinweg“, sagt Philippi. Deshalb starteten die Drohnen, die jeweils in Sechser-Abteilen untergebracht seien, von der für Besucher gesperrten Rathausterrasse aus. „Früher brauchte man ein halbes Fußballfeld, um hundert Drohnen mit einem Meter Abstand starten zu lassen – inzwischen ist die Technologie so weit, dass uns auch viel kleinere Flächen dafür ausreichen.“
Die Stadtwerke schalten die Straßenbeleuchtung extra aus
Philippis Drohnen sind so kompakt, dass sein drei- bis vierköpfiges Team am Veranstaltungsabend nur mit einem Kleintransporter und einem Pkw anreist. Bis zu ihrem Start laden die Mini-Helikopter in ihren sogenannten Cases. Vor der Show dürfen die Drohnen einmal auf drei Meter Lufthöhe ansteigen und sich erneut kalibrieren. Am frühen Abend absolviert ein Teil der Flotte einen unbeleuchteten Probeflug der Choreografie. „Davon werden die meisten Besucher des Altstadtfestes jedoch nichts mitbekommen“, sagt Philippi. Bei Dunkelheit soll die Show schließlich gegen 22.30 Uhr starten und dazu von „dramatischer und epischer Musik“ untermalt sein. Veranstalter Zakholy sagt: „Ich habe extra die Stadtwerke gebeten, die Straßenbeleuchtung auszuschalten für die 14 Minuten.“

Für Philippis noch junge Drohnen-Show-Firma stehen vor allem Sicherheitsaspekte im Vordergrund: So hat jede Drohne einen eigenen kleinen Notfall-Fallschirm, der bei einem möglichen Absturz die kinetische Energie des Aufpralls mildern soll. Das sei jedoch noch nie notwendig gewesen, erzählt Philippi. Er setzt außerdem auf Technologien wie sogenanntes Geo-Fencing, um die Drohnen in einem zuvor definierten Luftraumbereich einzuhegen. Sollte eine Drohne die unsichtbare Grenze überfliegen, zwingt ein Mechanismus sie automatisch zur Rückkehr zur Bodenstation. Philippis Team hält dort sechs bis acht Reserve-Drohnen am Boden bereit, die sogar während der Show nahezu unbemerkt eingewechselt werden könnten. Bisher konnte sich Philippi jedoch immer auf seine Armada professioneller High-Tech-Glühwürmchen verlassen.
Eine Lederhose wird geräuschlos am Himmel erleuchten
Mit nur 500 Gramm gelten seine Flugobjekte als Leichtbau-Drohnen. Sie hielten dennoch Windstärken von 50 bis 60 Kilometern pro Stunde und sogar Nieselregen aus. Bisher habe noch keine Show wegen der Wetterbedingungen ausfallen müssen, sagt Philippi, notfalls sei eine zeitliche Verschiebung möglich. Jeweils vier Propeller – mit eigenem Propellerschutz – treiben einen Mini-Helikopter an, LEDs in Rot, Grün, Blau und Weiß ermöglichten Farbenspiele im Spektrum des gesamten Regenbogens.
Und was genau wird nun zu sehen sein am Dachauer Nachthimmel? Das will Veranstalter Rabin Zakholy nicht im Detail verraten. Auf jeden Fall seien Dachauer Motive genauso dabei wie etwa eine Lederhose unterm Sternenhimmel. Aller Voraussicht nach dürfte die auch noch weit entfernt sichtbar über dem Dachauer Altstadtberg erleuchten – geräuschlos, ganz ohne Knall.

