Eine unscheinbare Tür mit immenser Bedeutung. Eine Tür, die sich öffnet, wenn viele andere fest verschlossen sind. Hinter der sich Hoffnung für Menschen zeigt, die sonst keinen Ausweg finden. Seit Sylvia Neumeier diese Tür 1994 in Dachau zum ersten Mal geöffnet hat, ist sie zum Symbol einer zweiten Chance geworden. Neumeier und ihr Team vom Verein Drogenberatungsstelle Drobs Dachau begleiten kostenlos, anonym und vorurteilsfrei bei Drogen- und Verhaltenssucht. Vor allem jungen Menschen schenken sie die wertvolle Chance auf einen Neuanfang, wenn alles verloren erscheint.
An die Anfänge erinnert sich Neumeier, Gründerin und Geschäftsführerin der Drogenberatungsstelle Drobs, genau. „Ich erhielt einen Anruf von einem Apotheker. Ein Vater sei mit der Suchterkrankung seines Sohnes völlig überfordert und zusammengebrochen“, erzählt Neumeier. In diesem Moment sei ihr bewusst geworden, wie verloren Menschen sind, die mit der Abhängigkeit von illegalen Substanzen zu kämpfen haben. „Da wusste ich: Ich mache es selber!“ Ihr erster Klient war 21 Jahre alt.


Das Angebot der Dachauer Drobs ist breit gefächert: von Beratungen und therapeutischer Begleitung bis zu Selbsthilfegruppen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Prävention. Kein Jugendlicher im Landkreis solle die Schule verlassen, ohne sich zumindest einmal intensiv mit Suchtmechanismen auseinandergesetzt zu haben, betont Neumeier. In Zweierteams besuchen die Mitarbeitenden der Drogenberatungsstelle die sechsten und siebten Klassen und informieren, wo Genuss endet und riskantes Suchtverhalten beginnt.
Medien- und Spielsucht rücken dabei zunehmend in den Fokus. Bereiche, in denen problematisches Verhalten oft erst spät wahr- und ernst genommen wird. „Natürlich vermitteln wir Wissen“, sagt Neumeier. „Aber es soll den Jugendlichen auch Spaß machen, und vor allem sollen sie uns kennenlernen, damit im Ernstfall die Hemmschwelle sinkt, uns zu kontaktieren.“
Neben der Prävention bietet Drobs auch psychosoziale Beratung, begleitet Betroffene durch therapeutische und bürokratische Prozesse, hilft dabei, ins Leben zurück und Perspektiven zu finden. Betroffene können sich anonym an die Einrichtung wenden. 24 Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche. Seit mehr als drei Jahrzehnten.
Einmal im Monat finden Selbsthilfegruppen statt
Einmal im Monat gibt es die Selbsthilfegruppen für Suchterkrankte auch für Angehörige. Dabei handelt es sich um Eltern, Partner und Kinder. Aber auch Freunde, die sich Sorgen machen, suchen in der von einem Therapeuten geführten Runde Informationen, Rat und Hilfe. Der Schutz der Angehörigen, erklärt Neumeier, sei extrem wichtig. „Der Großteil der Angehörigen ist emotional stark gefährdet, in eine Co-Abhängigkeit abzugleiten“, erklärt Neumeier.
Seit Mai dieses Jahres hat die Kontakt- und Begegnungsstätte Daheim11, die in Kooperation mit der Dachauer Caritas geführt wird, geöffnet. Ein Ort für Suchtgefährdete und psychisch belastete Menschen im Landkreis. Das Daheim11 schafft Raum für Begegnung, vermittelt Alltagsstrukturen und fördert das Gemeinschaftsgefühl. Es gibt Möglichkeiten zu duschen, sich aufzuwärmen. „Wir geben den Menschen einen Ort, wo sie ankommen können, sich gehört und willkommen fühlen“, sagt Neumeier. Das Angebot ist komplett kostenlos, einzig der Mittagstisch kostet zwei Euro. „Nicht der Geldbeutel entscheidet, wer Hilfe bekommt“, sagt die Vorsitzende.
Obgleich ihre Arbeit emotional sehr herausfordernd ist und unermüdlichen Einsatz bedarf, ziehen die zehn Mitarbeiter Kraft aus den großen und kleinen Erfolgsgeschichten ihrer Klienten. Sie schließen das Kapitel Sucht und können in ein neues Leben starten, auch wenn es noch so hoffnungslos erschien. „Manche unserer Klienten stehen heute mitten im Studium, haben das Abitur nachgeholt, andere sind heute Geschäftsführer“, sagt Neumeier stolz. Vor allem das Präventionskonzept schütze Jugendliche und erfahre sehr positive Resonanz. Für die Mitarbeiter, betont Neumeier, sei es ein riesiger Erfolg, dass Schüler aus eigenem Antrieb kommen und sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen.
Finanziell ist Drobs auf Spenden angewiesen. „Wir spüren jeden Cent. Ohne Unterstützung stehen Programme auf der Kippe“, sagt Neumeier. Damit aber die wertvolle Arbeit nicht ins Stocken gerät, benötigt die Einrichtung ein neues Auto. Nach 20 Jahren werde der VW-Bus endgültig den Geist aufgeben, begründet dies Neumeier. Doch ein Auto ist dringend notwendig: für Wege zur Klinik, für Wege zur Schule, für Wege zu Gruppenaktivitäten, für Wege in eine bessere, suchtfreie Zukunft. SZ Gute Werke will helfen, wo Menschen helfen und die Hoffnung auf eine zweite Chance geben. Denn „egal, wie aussichtslos es erscheint. Der Kampf gegen die Sucht lohnt sich immer“, appelliert Neumeier.
So können Sie an SZ Gute Werke spenden
Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind im SZ Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1.OG., Marienplatz 11, in München möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr.
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