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Die Polizei in Dachau warnt:Die Betrüger und ihre Maschen

Schockanrufe häufen sich

Vor allem ältere Menschen werden immer wieder Opfer von Betrügern am Telefon.

(Foto: dpa)

Falsche Polizisten oder Enkel erleichtern ältere Menschen um ihr Gespartes - in der Krise steigt die Zahl der Fälle. In Bayern haben sie im Vorjahr 14,1 Millionen Euro erbeutet, im Landkreis hat sich die Schadenssumme verdoppelt

Von Julia Putzger, Dachau

Die Masche ist ebenso einfach wie heimtückisch, eines ist sie aber ganz besonders: erfolgreich. Die Rede ist vom Enkeltrick oder ähnlichen Finten am Telefon, mit denen Betrüger vor allem ältere Bürger um ihr Geld bringen. Allein 2020 wurden in Bayern auf diese Weise 14,1 Millionen Euro erbeutet. Bei insgesamt 21 060 gemeldeten Fällen bedeutet das, dass die Betroffenen im Durchschnitt um rund 660 Euro betrogen wurden. Auch der Landkreis Dachau ist davon stark betroffen.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es laut einer Anfrage der bayerischen SPD-Landtagsfraktion 20 Prozent mehr Fälle in Bayern. Die Kriminalpolizeiinspektion Fürstenfeldbruck, die auch für den Landkreis Dachau zuständig ist, kennt das Problem nur zu gut: Polizeisprecher Karl Höpfl spricht von einem "sehr hohen Arbeitsanfall" durch diese Art von Betrügereien. Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Inspektion gebe es fast täglich Fälle. Die Zunahme erklärt Höpfl auch damit, dass Einbrüche aktuell schwieriger sind, da die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen. Zwar sei die Zahl der gemeldeten Telefonbetrügereien im Landkreis Dachau in letzter Zeit konstant - 27 Versuche und zwei vollendete Fälle 2019, 29 Versuche und drei vollendete Fälle 2020 - doch der verursachte Schaden habe sich verdoppelt. Außerdem: Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein: "Gerade im ländlichen Bereich werden solche Fälle oft nicht zur Anzeige gebracht, weil die Leute sich auch schämen", erklärt Höpfl.

Obwohl die Betrüger immer wieder neue Maschen entwickeln, sind zwei Vorgehensweisen am Telefon besonders beliebt. Beim Enkeltrick beginnen die Gauner das Gespräch mit der Aufforderung "Rate mal wer am Apparat ist" und geben sich dann als die genannte Person aus. Anschließend schildern sie große finanzielle Probleme, etwa wegen einer Krankheit oder dringenden Reparaturarbeiten. Neuerdings würde auch immer wieder eine Infektion mit dem Coronavirus und dafür benötigte teure Medikamente vorgeschoben, weiß Höpfl. Zweifel räumen die Betrüger eloquent aus, sie schieben zum Beispiel eine schlechte Telefonverbindung oder Heiserkeit vor und bauen immer mehr Druck auf. Schaffen sie es dann, den Gutgläubigen am Telefon zu überzeugen, kommt ein angeblich guter Freund zur Geldübergabe vorbei.

Bei der zweiten beliebten Betrugsmasche geben sich die Anrufer als Polizisten aus und informieren beispielsweise über einen Einbruch in der Nachbarschaft. Zur Sicherheit vor weiteren Einbrüchen würden deshalb Wertgegenstände sichergestellt. Auch eine 72-jährige Dachauerin fiel im September auf einen ähnlichen Trick herein: Sie glaubte, bei einem Polizeieinsatz behilflich zu sein, hob einen fünfstelligen Betrag von ihrem Konto ab und händigte ihn den falschen Beamten zur angeblichen Überprüfung aus. Allein ist die Dachauerin mit ihrem Fall aber keinesfalls: 2020 wurden im Freistaat mehr als neun Millionen Euro von falschen Polizisten erbeutet und 15 741 Fälle angezeigt.

"Die echte Polizei fordert niemals Bargeld, Überweisungen oder Wertgegenstände von Ihnen!" stellt die Polizei in einer Pressemitteilung klar. Grundsätzlich sollen Betroffene bei derartigen Anrufen besonders misstrauisch sein und im Zweifelsfall das Gespräch beenden, möglichst ohne persönliche Informationen preiszugeben. Auch die am Telefondisplay eingeblendete Nummer kann ein Trick sein: Die Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an. Im Verdachtsfall sollen Betroffene sich deshalb an die Polizei wenden, aber nicht mittels der Rückruftaste, da sie dann ja wieder bei den Gaunern landen würden.

Sich im Zweifelsfall an Bankangestellte zu wenden, kann ebenfalls hilfreich sein: So konnte im August eine 90-jährige Dachauerin dem finanziellen Schaden gerade noch entgehen, da eine Bankangestellte den Betrug aufdeckte.

Vor allem ältere Menschen sind von den Betrugsmaschen betroffen, weil ihre Telefonnummern häufig im Telefonbuch zu finden sind und die Betrüger gezielt nach Namen suchen, die älter klingen. Auch Demenz oder eine Hörschwäche machen Senioren zu leichten Opfern. Besonders beim Enkeltrick sollen Betroffene dem Anrufer deshalb Fragen zur Familie stellen, um sicherzugehen, dass es sich wirklich um den Enkel handelt. Angehörige sollten ihre Eltern oder Großeltern sensibilisieren und selbst regelmäßig anrufen.

© SZ vom 02.02.2021
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