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Der Dachauer Reinhard Langer:Ein Leben für das Ehrenamt

Nur Arayan mit Trainer Reinhard Langer

Denkt noch lange nicht ans Aufhören: Reinhard Langer.

(Foto: oh)

Reinhard Langer war 35 Jahre Taekwondo-Trainer beim TSV Dachau

Sein Amt als Abteilungsleiter für Taekwondo beim TSV 1865 Dachau hat Reinhard Langer in den vergangenen Tagen verloren, doch seine sportlichen Erfolge müssen auch die größten Kritiker anerkennen: Langer ist unter anderem dreifacher Europameister und sechsfacher Deutscher Meister im Taekwondo. Und auch für sein ehrenamtliches Engagement muss er sich nicht verstecken. Für seinen Einsatz innerhalb des Vereins und über diesen hinaus wurde er nun als Bezirksehrenamtlicher Oberbayerns vom Bayerischen Landes-Sportverband geehrt.

Die Geschichte, wie Reinhard Langer zum Taekwondo gekommen ist, ist eher außergewöhnlich. Mit 15 Jahren sei er beim Joggen im Wald von einem Jungen angesprochen worden, erzählt Langer heute. Der Fremde habe bereits einen schwarzen Gürtel gehabt und ihm im Wald Techniken gezeigt, von denen er sofort begeistert gewesen sei. Inspiriert von den beliebten Bruce-Lee-Filmen fing er mit dem Training an. Bei seinem Kampfsport faszinierten ihn die vielen verschiedenen Elemente besonders: "Konzentration, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Disziplin, Respekt, Fairness - das lernt man beim Taekwondo alles."

Laut Langer führen vor allem die Wettkampfsituationen zur Auseinandersetzung mit sich selbst, da man kaum Schwächen zeigen darf. 1987 wechselte Langer, der ursprünglich aus Mittelfranken stammt, zum TSV Dachau. Mit dem Verein hat er 1989 bei Olympia teilgenommen und anschließend den Spitzensport aufgegeben. Um seiner Leidenschaft weiter nachgehen zu können, brachte sich Langer als technischer Leiter, Trainer und bei der Turnierbetreuung in die Vereinsarbeit ein. In seinen 35 Jahren als Abteilungsleiter "kamen schon zwischen drei und vier Stunden täglich zusammen", erzählt der Taekwondoka. Toll findet er, im Sport zu sehen, "wie etwas heranwächst", wie sich die Kinder entwickeln. Daneben engagierte er sich zum Beispiel im Skiverband, wo er Skiweltmeisterin Miriam Vogt und die Nordischen Kombinierer als Ausgleich im Taekwondo trainierte.

Ob er sich von dem Ehrenamt trennen kann, da er den TSV zum Jahresende verlassen wird? "Ich habe noch nicht vor aufzuhören", sagt Langer. Im Januar wolle er auf jeden Fall wieder neu beginnen - wo, verrät er noch nicht.

Laut Langer gibt es insgesamt genügend Leute, die sich ehrenamtlich engagieren. Doch gerade beim Nachwuchs sieht er Schwierigkeiten. Wegen des Schulstresses und der großen Verantwortung fänden sich Ehrenamtliche eher im höheren Alter. Viele zögen sich gleich wieder aus der Verantwortung zurück, "wenn sie merken, wie viel Aufwand sich dahinter versteckt". Insgesamt führt das laut Langer dazu, dass einzelne Verantwortliche oft mehrere Inhalte übernehmen. Die Zeitprobleme kennt er selbst, insbesondere als Familienvater sei es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. "Meine Tochter hat es mir schon übel genommen", sagt Langer. Die Kinder gezwungen, an seine sportlichen Erfolge anzuknüpfen, habe er aber nicht. Ihn habe immer abgeschreckt, wie Kinder oftmals an ihren Eltern gemessen würden.

Bei der Auszeichnung des BLSV geht es Langer um die Anerkennung ehrenamtlichen Engagements und "nicht um den großen Preis". Anerkennung, die nötig sein wird, um Vereine lebendig zu halten. Jeder Verein müsse im Vereinsleben individuell dafür sorgen, Leute zur Mitarbeit zu motivieren. An eine Zukunft des Ehrenamts glaubt er trotzdem: "Es wird nicht möglich sein ohne."