Der Hermann-Ehrlich-Preis, den das Bündnis für Dachau alle zwei Jahre verleiht, ist eigentlich hochpolitisch. Geehrt werden sollen damit Personen oder Gruppen, „die aufrecht demokratisches Verhalten beweisen, selbst wenn sie dafür persönliche Nachteile in Kauf nehmen müssen“. In diesem Jahr erhält den mit 1000 Euro dotierten Preis die Knabenkapelle Dachau.
Ungeachtet ihres Namens gehören dem Ensemble längst auch Musikerinnen an. Weil es im ganzen Landkreis Dachau keine kommunale Musikschule gibt, war es über Jahrzehnte vor allem die Knabenkapelle, die sich darum gekümmert hat, dass Kinder und Jugendliche verschiedene Instrumente lernen können. Als echter Traditionsverein ist sie seit 1956 jedes Jahr beim Trachten- und Schützenzug des Münchner Oktoberfests dabei. Unter ihrem Dach gibt es inzwischen aber auch die Bigband Dachau. Mit ihrem fulminanten Mix aus Blasmusik, Techno und Rap gilt die Kapelle inzwischen als kulturelles Aushängeschild der Großen Kreisstadt.
Zwei Brüder begründen eine Städtepartnerschaft
Sogar eine Städtepartnerschaft ist durch die Aktivitäten des Vereins entstanden. Der aus Albanien ausgewanderte Eduart Civeja ist Dirigent der Knabenkapelle Dachau, sein Bruder Bardhyl Civeja leitet im südwestfranzösischen Léognan die Band'a Leo, ebenfalls eine Blaskapelle. Über den Kontakt der beiden kam es 2022 zur dritten Dachauer Städtepartnerschaft. Musik als Instrument der Völkerverständigung – das war laut dem Bündnis, neben dem Wirken für die musikalische Erziehung, einer der Hauptgründe für die Jury, den Preis der Knabenkapelle zu verleihen.
Zu den früheren Preisträgern gehören der Historiker Jürgen Zarusky, der Filmemacher Helge Cramer und SZ-Journalist Hans Holzhaider. Übergeben wird der Preis an die Knabekapelle am 23. November im Thoma-Haus.


