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Debatte:Zäune um Grund- und Mittelschulen? Das sagen die Rektorinnen

Die Grundschule Dachau Ost ist teilweise eingezäunt. Die Rektorin hat Verständnis, dass Anwohner die Grünflächen nutzen. Nicht aber für den Müll.

(Foto: Toni Heigl)

Stadträte diskutieren, wie die Grund- und Mittelschulen besser vor dem Zutritt Fremder geschützt werden können. Die Rektorinnen wollen die Gelände einfrieden.

Lässt sich die Sicherheit an Dachauer Schulen noch verbessern? Diese Frage stellte die CSU-Fraktion der Stadtverwaltung, nachdem im vorigen Herbst in Augsburg eine Grundschülerin während der Unterrichtszeit auf der Schultoilette sexuell missbraucht worden war. Aus Anlass dieses Vorfalls sollen die Sicherheitskonzepte der städtischen Grund- und Mittelschulen geprüft werden, fordert die CSU.

Tatsächlich erstellen die Schulen bereits seit 2013 gemeinsam mit der Polizei entsprechende Leitfäden, die stets aktualisiert und beim Kultusministerium eingereicht werden müssen. Das laufe "vorbildlich seit Jahren", erklärte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) im Familien und Sozialausschuss.

Rektorinnen sehen Verbesserungspotenzial

Dennoch ergab eine Besprechung mit den Rektorinnen im Dezember noch Verbesserungspotenzial. Was genau jede Schule sich wünscht, werden Stellungnahmen der Schulen zeigen, die aber noch nicht alle vorliegen. Die Stadträte entschieden einstimmig, das Thema zu vertagen. Klar ist bereits jetzt, dass es Sicherheitsleute an den Schuleingängen, wie sie in den USA Alltag sind, in Dachau nicht geben wird. "Soweit werden wir nicht gehen", sagte Oberbürgermeister Hartmann. Umstritten im Gremium ist, ob Schulgelände eingezäunt werden sollen. Zu dieser Frage möchten die Stadträte vor einer Entscheidung neben den Rektorinnen auch Elternbeiräte und Schülervertreter befragt wissen.

Ob Zäune gezogen werden sollen um die Schulhöfe der Stadt, wurde bereits in der Vergangenheit kontrovers diskutiert. Obwohl sich einige Schulleiterinnen vehement dafür einsetzen, hat der Bauausschuss 2014 eine Einfriedung abgelehnt. An den Meinungsunterschieden hat sich offenbar nichts geändert. Schulreferentin Katja Graßl (CSU) zeigt sich aufgeschlossen, möchte aber "die ganze Schulfamilie hören" und betont, "es geht nicht darum, die Kinder einzusperren". Dagegen hält Jugendreferentin Luise Krispenz (Grüne) es für fraglich, ob ein Zaun mehr Sicherheit bringe. "Sinnvoller ist es, die Gebäude so auszurüsten, dass nicht jeder reinkommt." Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau) verweist darauf, dass das Areal an der Grund- und Mittelschule Dachau-Ost auch Erholungsfläche für die Bürger sei. Freiheit und Offenheit der Schulen will Sylvia Neumeier (SPD) erhalten, die sich als "absoluter Zaungegner" bekannte.

"Ein Zaun ist eine sichtbare Grenze und hat Signalwirkung"

Anders die Schulleiterinnen, von denen auf Nachfrage einige die feste Umgrenzung ihres Schulgeländes fordern. So auch Helga Schiller, die einen Zaun für ihre Grundschule Augustenfeld schon seit Jahren als "absolut notwendig" einstuft. Weil herumlaufende Hunde im Sommer den Unterricht im Freien störten und während der Pause mitten durch die spielenden Schüler "Leute auf dem Radl durchfahren." Diese Passanten vom Schulgelände zu verweisen, sei unrealistisch. Da ernte man nur "eine blöde Bemerkung." Auch könnten die Schüler im Spieleifer ungebremst auf die Straße rennen. "Ein fester Zaun muss es nicht sein, eine Hecke würde reichen als sichtbare Grenze."

Zaun-Befürworterin ist auch Ilona Brezing, Rektorin der Mittelschule-Süd. Aktuell logiert die Schule wegen Bauarbeiten am Stammhaus in der Ludwig-Thoma-Schule. Dort schützt ein Bauzaun den Pausenhof wegen des nahen Autoparkplatzes. Am alten Standort in Dachau-Süd wiederum habe sie oft Leute vom Gelände verweisen müssen. "Ein Zaun ist eine sichtbare Grenze und hat Signalwirkung." Wenn, wie von Bündnis-Stadtrat Eisenmann erwähnt, in Ost Anwohner der umliegenden Wohnblöcke die Grünflächen der Schulen nutzen, hat Grundschulrektorin Andrea Noha dafür Verständnis. Nicht aber für Müll und Unrat, der im Sommer dann jeden Montag früh herumliegt.

"Wir leben nicht in einer akuten Bedrohungssituation"

Weniger umstritten sind andere Vorschläge zu baulichen Sicherheitsvorkehrungen an Schulen. Ob weniger Zugänge die Übersicht im Haus erhöhen, sollen die Rektorinnen der Stadt noch mitteilen. Auch wird an Schulen, die noch mit Schlüsseln abgesperrt werden, auf Chipkarten umgestellt. Wo dunkle Ecken in Schulen besser ausgeleuchtet oder Telefonanlagen umgerüstet werden müssen, wird ebenfalls eruiert. Einige Schulen haben bereits eigene Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Gute Erfahrung hat an der Grundschule-Süd Rektorin Michaela Frost mit einem Besucherausweis, der an Schulfremde ausgegeben wird.

"Wer ohne Ausweis im Schulhaus unterwegs ist, wird angesprochen." Ein System, das Arbeit macht, sich aber bewährt habe. Sobald alle Rückmeldungen der Schulen vorliegen, werden die Stadträte im Familien- und Sozialausschuss erneut beraten. Denn, da waren sich die Stadträte einig, die Sicherheit der Kinder habe oberste Priorität. Auch wenn, das war Anke Drexler (SPD) wichtig zu betonen, alles präventive Maßnahmen sind. "Wir leben nicht in einer akuten Bedrohungssituation."

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