Süddeutsche Zeitung

Debatte unter Dachauer Fraktionen:Traum von Eigenheimchen

Die Freien Wähler wünschen sich Tiny Houses in Dachau

Die Fraktion der Freien Wähler Dachau/Bürger für Dachau fordert die Stadtverwaltung per Antrag auf, die Möglichkeit zur Ausweisung von Flächen für sogenannte Tiny-Häuser zu prüfen. Diese kleinen Häuser (englisch: Tiny Houses) bieten auf engstem Raum (in der Regel circa 15 bis 45 Quadratmeter) einen größtmöglich nutzbaren Wohnraum. Die Häuschen werden meist komplett montiert an ihren Aufstellort geliefert. Der Druck auf den städtischen Wohnungsmarkt nimmt kontinuierlich zu. Die Mieten und Preise für privates Eigentum steigen daher immer weiter. "Die Tiny-Häuser können das Angebot auf dem Wohnungsmarkt ideal ergänzen und vor allem Menschen, die gerne ein Eigenheim kaufen, aber aus finanziellen Gründen keine Chance auf eine herkömmliche Immobilie haben, eine günstige und platzsparende Alternative bieten", so FWD-Stadtrat Markus Erhorn. Eine Dachauer Tiny-Haus-Siedlung sei daher wünschenswert. Horst Ullmann, BfD-Stadtrat und Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtbau, hofft außerdem, dass "diese charmanten Häuschen das Angebot der Stadtbau erweitern könnten". Auf kleinen "Rest-Grundstücken" der Stadtbau sollen nach Wunsch der Fraktion in Zukunft Tiny-Häuser errichtet werden.

Ganz anderer Meinung ist das Bündnis für Dachau. Dessen Fraktion hält den Antrag von FWD/BfD für "nicht durchdacht". "Der Antrag ist überflüssig, denn auf jedem Grundstück mit Baurecht sind Kleinsthäuser zulässig, nicht einmal der Bauausschuss müsste zustimmen", heißt es in einer Stellungnahme des Bündnis für Dachau.

Demnach würden die FWD "voller Elan einen Antrag" stellen. Doch da ein Tiny-Haus baurechtlich eben ein Haus sei, unterliege es genau denselben baurechtlichen Anforderungen wie jedes andere Bauwerk auch. Das heiße, dass sich ringsherum an jeder Seite ein Mindestabstand von drei Metern befinden müsse. In der Regel seien Tiny-Häuser ein- oder eineinhalb geschossig. "Ein Tiny-Haus in Bauwagengröße mit drei Meter Breite und acht Meter Länge verbraucht also mit einer Fläche von 24 Quadratmeter eine Grundstücksfläche von mindestens 90 Quadratmetern", rechnet das Bündnis vor. Das entspreche einer Geschossflächenzahl von 0,25 und sehr viel weniger. "Öffentlichen Grund für eine derartige Bebauung zur Verfügung zu stellen ist also nicht nur Unsinn, sondern unverantwortlich", so das Bündnis. Die Stadtbau Dachau habe Besseres zu tun, als die wenigen Grundstücke, die ihr noch blieben, mit solchen "Hirngespinsten" zu überplanen.

Das Bündnis für Dachau findet, dass sich Tiny-Häuser für temporäre Zwischennutzungen eignen würden. "Für eine dauerhafte Bebauung sind sie nicht sinnvoll." Das Bündnis fragt: "Was würden all jene sagen, die dringend auf eine Sozialwohnung warten, wenn statt vier bis acht Sozialwohnungen ein Tiny-Haus auf städtischen Grund gebaut werden würde?"

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SZ vom 20.02.2021 / sz
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