Ein Countdown, ein Tröten – und schon hecheln vier Dackel in der prallen Mittagssonne über die Rennstrecke. Ihre kleinen kräftigen Beine pflügen sich durch den gepflegten englischen Rasen, ihre großen Ohren wirbeln durch die Luft. Es ist der dritte Qualifikationslauf der Zwergdackel bei den Dackel-Open auf dem Gelände des Golfclubs Dachau. Auf vier Startbahnen liefern sich die Hunde ein Kopf-an-Kopf-Rennen – am Ende hat Berti aus Poing im Landkreis Ebersberg die Schnauze vorn.
Zur Belohnung bekommt er von seinem Besitzer Karl Jansky nach dem Rennen seinen Lieblingssnack: ein Häppchen Hühnerbrust. Auf die Frage, welche Chancen er sich für den weiteren Wettkampfverlauf ausrechne, meint Jansky: „Das war ja erst der Vorlauf, und es gibt viele Qualifikationsrennen. Also schaun mer mal.“ Schon als Kind hatte er zwei Langhaardackel. Seit er im Ruhestand ist, hat er endlich wieder genug Zeit für einen Hund, seit 2021 kümmert er sich um Dackel Berti.

Die Dackel-Open in Dachau werden das zweite Mal von der Aufrecht Immobilienagentur GmbH veranstaltet. Gründer und Geschäftsführer Lorenz Reischl erklärt: „Das liegt daran, dass ich ein riesiger Dackel-Fan bin. Ich habe selbst einen Rauhaardackel, den Aloisius.“ Die Tiere treten in den Kategorien Standard-, Zwerg-, Kaninchendackel und Dackel der Herzen, also Tiere mit Einschränkungen und Behinderungen, gegeneinander an. Eine große Inspiration sei das Dackelrace in München gewesen, so Reischl.
Landrat und Schirmherr Stefan Löwl (CSU) findet, dass die Veranstaltung beispielhaft steht für „Unternehmen, die in Dachau gesellschaftspolitische Verantwortung übernehmen, in dem sie Veranstaltungen für gemeinnützige Zwecke ausrichten“. In nur zwei Jahren haben sich die Dackel-Open zu einem größeren überregionalen Ereignis entwickelt: Am Sonntag kamen laut Veranstalter etwa 2400 Besucher. Neben Teilnehmenden aus der Region gingen auch Dackel aus Österreich, den Niederlanden und der Schweiz ins Rennen.

Eine besondere Herausforderung für die Tiere an diesem Sonntag: Am Nachmittag kletterte das Thermometer auf 33 Grad Celsius. Gerade deshalb habe man einige Vorkehrungen für das Tierwohl getroffen, sagt Lenz Reischl: „Wir haben hier am Golfclub optimale Bedingungen. Es gibt keine Asphaltflächen, die sich aufheizen. Wir haben überall Grünflächen.“ Viele Bereiche seien überdacht, außerdem gebe es zahlreiche Planschbecken, damit sich die Dackel abkühlen können. Und die Strecke sei nur 40 Meter lang – eine überschaubare Distanz.
Sam Schüle ist mit seinem Dackel Togo extra aus der Schweiz angereist. Wie er versucht hat, seinen Hund schnell ins Ziel zu locken? „Ich habe seinen Namen gerufen, das war aber nicht so erfolgreich. Nur Platz 46 von 49“, sagt der Schweizer mit einem Schmunzeln. „Aber hey: Dabei sein ist alles! Vielleicht wäre er schneller gelaufen, hätte ich eine Wurst in der Hand gehalten.“

Der Wochenendausflug nach Bayern bot für Schüle die Möglichkeit, seinen langjährigen Freund Joachim Nörr aus Maisach und dessen Sohn Fabian zu besuchen. „Ich habe erst über ihn von der Veranstaltung erfahren“, sagt Nörr und zeigt auf den Schweizer Dackelbesitzer. Auch wenn er selbst keinen Dackel habe, sei er natürlich gerne nach Dachau gekommen, um seinen Freund anzufeuern. Neben ihm steht seine riesige Dogge Ida. Auch sein Sohn Fabian hat einen eigenen Hund: den gescheckten Dalmatiner Filou.
Celine Günter und ihr Vater Wolfgang sind ebenfalls weit angereist: 270 Kilometer aus Oberndorf am Neckar in Baden-Württemberg. „Wir waren letztes Jahr zufällig auf dem Dackelrennen in München und haben da von den Dackel-Open erfahren“, sagt Celine Günter. An den Dackeln mag sie, „dass die so ein bisschen stur sind und dass sie ihren eigenen Kopf haben“. Auch Veranstalter Lenz Reischl gefällt besonders die Sturheit der Dackel: „Das passt vielleicht auch ein bisschen zu den Bayern“, findet er.

Neben Foodtrucks für die Besucher werden auch die Vierbeiner an eigenen Ständen verköstigt. An diesem heißen Junitag ist Hundeeis der Bestseller an Sina Rebels Stand vom Münchner Laden Strauchdieb. „Das ist ein Eis auf laktosefreier Joghurtbasis, das es in verschiedenen Varianten gibt: mit Wildlachs- oder Käsegeschmack“, erklärt Rebel. Produziert werde das Eis von einer Firma in Berlin. „Ich habe auch einen Dackel, der ist schon elf Jahre alt und heute zu Hause geblieben“, sagt Sina Rebel.
Die Münchner Dackeldame Erbse steckt ihre Schnauze tief in den Eisbecher, besonders die Geschmacksrichtung Wildlachs hat es ihr angetan. Erbse ist ein kleiner Instagramstar, auf ihrem Account dackeldame_erbse hat sie 14 400 Follower. „Ich habe den Account eröffnet, als sie noch eine Welpin war“, sagt Halterin Valerie Funk-Fritsch, „das ist dann mit der Zeit gewachsen.“ In der Dackelszene kennt man sich. „Man trifft viele bekannte Gesichter wieder. Es gibt Gruppen, zum Beispiel in München mit rund 200 Dackeln. Man tauscht sich aus, hilft sich gegenseitig und lernt immer nette Leute kennen“, erzählt Funk-Fritsch.

Am Ende eines langen Wettkampftages voller anstrengender Hunderennen stehen bei den Zwergdackeln Daisy als Erstplatzierte, Gundel als Zweite und Sammy Deluxe (Dritter) auf dem Siegertreppchen. Allerdings ist der Wettkampf an diesem Nachmittag ohnehin nur Nebensache. Die Dachauer Dackel-Open sind vor allem eine große Feier des „wiener dogs“ und seiner Besitzer. Auf die Frage, ob sie mit ihrem Ergebnis zufrieden sei, antwortet Valerie Funk-Fritsch: „Darum geht es eigentlich gar nicht. Es geht um den Spaß und darum, Leute zu treffen.“

