bedeckt München 14°

Dachauer Winterdienst im Dauereinsatz:Schnee verwandelt Straßen in Rutschbahnen

Schneeverwehungen (wie im Bild am Assenhauser Berg) sind durch den starken Wind vor allem zwischen Schönbrunn und Lotzbach problematisch.

(Foto: Toni Heigl)

Verwehungen behindern den Verkehr im Landkreis Dachau. Mitarbeiter des Winterdienstes müssen Extraschichten einlegen

Von Julia Putzger, Dachau

Wer am Dienstag in den frühen Morgenstunden aus dem Fenster sah, konnte fast das Gefühl bekommen, über Nacht eine kleine Reise in den hohen Norden unternommen zu haben. Denn die kräftigen Windböen verwirbelten die eigentlich so zarten Schneeflöckchen derart, dass sie horizontal und sturmartig angepfiffen kamen. Als sich das Schauspiel beruhigte, ließ sich jedoch fast überall erleichtert feststellen, dass sich nur eine hauchdünne Schneedecke über den Landkreis Dachau gelegt hatte. Mancherorts sorgten die Verwehungen jedoch für große Probleme.

So musste etwa die Kreisstraße Nummer drei ab Dienstagnachmittag zwischen Lotzbach und Schönbrunn komplett gesperrt werden, weil "extremste Verwehungen" auf Höhe des Zieglbergs das Befahren der Straße unmöglich machten, wie Landratsamt-Pressesprecher Wolfgang Reichelt mitteilte. Um dem Problem, das auch an anderen Stellen bestand, möglichst bald Herr zu werden, wurde deshalb sogar kurzfristig eine dritte Schicht für die Mitarbeiter im Winterdienst eingeführt.

Normalerweise arbeiten die Mitarbeiter der Winterdienste sowohl in der Stadt als auch im Landkreis in zwei Schichten: Für diejenigen der 16 fleißigen Räumer in der Frühschicht, die im Auftrag des Landratsamts für die 155 Straßenkilometer der 18 Kreisstraßen zuständig sind, beginnt der Arbeitstag bereits zwischen halb drei und vier Uhr morgens und dauert etwa zehn Stunden. Die Spätschicht rückt je nach Bedarf tagsüber aus und ist bis maximal Mitternacht im Einsatz. Damit die Mitarbeiter auch genau wissen, auf welchen Straßen am dringendsten Räumungsbedarf besteht, ist ab zwei Uhr morgens ein Mitarbeiter auf Kontrollfahrt durch den Landkreis unterwegs.

Um die Straßen in der Stadt Dachau für jedermann sicher zu machen, sind je nach Wetterlage sogar zehn bis 30 Mitarbeiter mit rund 20 Räumfahrzeugen im Einsatz. In diesem Jahr hatten sie bereits einiges zu tun: "Der Winterdienst ist jedes Mal ein enormer Kraftakt. Vor allem im Vergleich zum letzten Jahr haben wir dieses Jahr aber viel Schnee", sagt Moritz Reinhold, Bauamtsleiter der Stadt Dachau. Die Verantwortlichen seien deshalb um jede helfende Hand froh. Denn Corona erschwere heuer sogar den Winterdienst: Da in den großen Räumfahrzeugen zumeist im Team gefahren werde, müssten nun Masken getragen werden, so Reinhold.

Doch obwohl sich die Mitarbeiter der Winterdienste im Landkreis alle Dachau Mühe gaben, konnte so mancher Unfall nicht verhindert werden: Innerhalb von 24 Stunden ereigneten sich bis zum Dienstagmittag 14 Unfälle im Landkreis. Das sei zwar "nicht außergewöhnlich", wie der Dachauer Polizeihauptkommissar Björn Scheid urteilte. Zurückzuführen waren die Unfälle jedoch zumeist auf die nicht den Witterungsverhältnissen angepasste Geschwindigkeit.

So kam am Dienstag um kurz nach ein Uhr morgens ein Sattelauflieger in Markt Indersdorf auf der Staatsstraße Richtung Niederroth kurz vor dem Bahnübergang von der Fahrbahn ab und musste geborgen werden. Im Gemeindegebiet von Röhrmoos ereigneten sich zwei Unfälle mit Totalschaden: Eine 23-jährige Hebertshausenerin kam auf der Arzbacher Straße mit ihrem Auto von der Fahrbahn ab und überschlug sich im angrenzenden Acker. Eine 27-jährige Unterschleißheimerin rutschte mit ihrem Pkw auf der Kreisstraße zwischen Großinzemoos und Röhrmoos von der Fahrbahn und prallte gegen einen Baum.

Die Schneedecke im Landkreis dürfte auch viele Schlittenfahrer nach draußen locken. Im Rahmen der regulären Streiffahrten würden entsprechende Örtlichkeiten kontrolliert, so Polizeisprecher Scheid. Zwar beobachte man zumeist ein sehr hohes Aufkommen, doch die Verstöße gegen die coronabedingten Abstandsregeln "halten sich in Grenzen". Allerdings dürfte nicht nur das rege Treiben auf den bekannten Hängen so manchen von einer Rodelpartie abhalten: Derzeit ist es nämlich wegen der Geschäftsschließungen schwierig, überhaupt an einen Schlitten zu kommen, sollte man noch keinen besitzen. Denn selbst in den gängigen Gebrauchtwarenportalen ist die Nachfrage hoch und das Angebot gering.

© SZ vom 27.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema