Umstrittener Partyschlager:"Die Diskussion über Sexismus muss erlaubt sein"

Lesezeit: 1 min

Umstrittener Partyschlager: Ein Bild aus der Vorcoronazeit, als 2019 beim Auftritt von "Ois Easy" das Publikum im Festzelt ausgelassen feierte.

Ein Bild aus der Vorcoronazeit, als 2019 beim Auftritt von "Ois Easy" das Publikum im Festzelt ausgelassen feierte.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dachau empfiehlt den Wirten, das Lied "Layla" auf dem anstehenden Volksfest nicht zu spielen. Warum die Stadt diesen Schritt geht.

Interview von Alexandra Vettori

Am Samstag, 13. August, startet das Dachauer Volksfest. Die Stadt hat den Festwirten im Vorfeld empfohlen, das Lied "Layla" nicht spielen zu lassen. Der Partyschlager hat die Gemüter deutschlandweit erhitzt, wurde er doch als sexistisch kritisiert und zum Beispiel vom Würzburger Kiliansfest verbannt. Die Süddeutsche Zeitung sprach mit dem Dachauer Kulturamtsleiter Tobias Schneider über "Layla" und warum die Debatte darüber auch etwas Gutes hat.

Umstrittener Partyschlager: Der Dachauer Kulturamtsleiter Tobias Schneider findet, die "Layla"-Debatte habe etwas Gutes: Alle haben sich mit dem Thema Sexismus beschäftigt.

Der Dachauer Kulturamtsleiter Tobias Schneider findet, die "Layla"-Debatte habe etwas Gutes: Alle haben sich mit dem Thema Sexismus beschäftigt.

(Foto: Toni Heigl)

SZ: Wieso soll das Lied in Dachau nicht gespielt werden und gibt es dazu eine rechtliche Handhabe?

Tobias Schneider: Wir haben das Thema im Kulturausschuss diskutiert und uns darauf verständigt, eine Empfehlung an die Festwirte auszusprechen, "Layla" nicht zu spielen, weil es sich unserer Meinung nach um einen sexistischen Song handelt. Als Veranstalterin des Dachauer Volksfests kann die Stadt selbstverständlich eine solche unverbindliche Empfehlung aussprechen, das ist keine rechtliche Frage.

Viele Menschen finden das Lied zwar nicht so toll, wehren sich aber gegen eine "Verbotskultur" und Prüderie im Zeichen von Geschlechtergerechtigkeit. Wie sehen Sie diese Debatte? Gehört ein anarchisches Element nicht irgendwie zur Bierzeltkultur?

Die Debatte geht aufgrund der medialen Verzerrungen völlig am Thema vorbei. Niemand hat den Song verboten, ganz im Gegenteil verdienen sich die Macher gerade eine goldene Nase mit ihm. Natürlich gehört das anarchische Gefühl zur Bierzeltkultur, aber die Diskussion über Sexismus muss doch trotzdem erlaubt sein. Bis vor wenigen Jahren wurde in Bierzelten im "Donaulied" noch eine Vergewaltigung besungen, da gab es auch jahrzehntelang keinerlei Problembewusstsein.

Was macht die Stadt, wenn das Publikum "Layla" einfach selbst anstimmt, so wie es mehrere Partybands befürchten?

Wie gesagt, wir haben lediglich eine Empfehlung an die Wirte ausgesprochen, kein Verbot. Der Song wird in dem ein oder anderen Zelt also vermutlich gespielt oder gesungen werden. Das war auch in Würzburg und Düsseldorf so und wird auch auf dem Oktoberfest so sein. Die Debatte hat trotz der medialen Verzerrungen dennoch etwas Gutes: Egal wie man persönlich "Layla" beurteilt - alle, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, mussten sich in den letzten Wochen gewollt oder ungewollt Gedanken zum Thema Sexismus in Songtexten machen.

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