Dachauer TheatertageWo Wolf und Katz sich „Guten Tag“ sagen

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Die Berliner Stadtmusikanten sind in die Hotellerie gewechselt. Na, das kann ja heiter werden!
Die Berliner Stadtmusikanten sind in die Hotellerie gewechselt. Na, das kann ja heiter werden! (Foto: Mechthild Nienhaber)

Die Dachauer Theatertage bieten seit Jahren das Beste, was Kinder und Jugendliche auf deutschen Bühnen sehen können. Trotz gestiegener Kosten können die ehrenamtlichen Veranstalter die Preise stabil halten.

Von Gregor Schiegl, Dachau

Mit einem Großaufgebot von Künstlern starten in diesem Jahr die 26. Dachauer Theatertage. Neben zwei Figurenspielerinnen stehen am ersten Abend diesmal gleich vier Musiker auf der Bühne. „Wir haben am ersten Tag immer etwas ganz Besonderes“, sagt Frank Striegler, Erfinder und bis heute Mitorganisator der Dachauer Theatertage. Diesmal ist es „Der merkwürdige Herr Bruckner“, ein Auftragswerk, das die Theatergruppe „Die Exen“ 2024 zum 200. Geburtstag von Anton Bruckner für die „Kultur-Expo“ in Linz konzipiert hat. „Der Bruckner muss ein ziemlicher Vogel gewesen sein“, sagt Striegler, jedenfalls liefert die Vita des knorrigen Linzers reichlich Stoff für ein „sehr humorvolles Stück“. Zu sehen ist es am Sonntag, 9. November, ab 19.30 Uhr im Ludwig-Thoma-Haus.

Die Dachauer Theatertage, getragen von Christine Albrecht, Seite an Seite mit Frank Striegler, und gut 20 ehrenamtlichen Helfern, haben mittlerweile eine riesige Fan-Gemeinde. Etwa 7000, vorwiegend kleine Besucher ziehen die Dachauer Theatertage jedes Jahr an, darunter zahlreiche Schulklassen und Kita-Gruppen. Manche Familien investieren laut Frank Striegler jedes Jahr 150 bis 250 Euro für Karten der Dachauer Theatertage. Bei Ticketpreisen von teilweise nur sechs Euro reicht das für eine ganze Menge von Theatervorstellungen.

„Ich habe mich weggeschmissen vor Lachen“

Falsch machen kann man dabei nicht viel. „Die Stücke sind alle gut“, sagt Striegler, die meisten hat er schon selbst gesehen, und wenn nicht, weiß er, welche Qualität die Künstlerinnen und Künstler mitbringen. Die „Exen“ zählen für ihn zu den „besten Figurenspielerinnen im Land“. Für das Programm, das sich gleichermaßen an Kinder, Jugendliche und Erwachsene richtet, können Kinder manchmal zu jung, nie aber zu alt sein. Bei den „Hühnern“, einer „Puppenclownerei mit Ei“ für Zuschauer ab vier Jahren, kommt Striegler auch als Erwachsener voll auf seine Kosten. Er habe sich „weggeschmissen vor Lachen“, so witzig sei das Marionettenstück gemacht und gespielt. Übrigens auch ein Werk der „Exen“.

Bei einigen Vorstellungen weiß er schon jetzt, dass sie „zu 100 Prozent ausverkauft sein werden“. Das gilt etwa für die Abschlussveranstaltung der „Theater Zitadelle Puppet Company“ am 21. November. Frau Kuh, Herr Wolf, Frau Katz und Herr Spatz haben auf ihre alten Tage ein Hotel aufgemacht, das titelgebende „Grandhotel Grimm“. Persönlichkeiten aus der Märchenwelt checken ein, und bei so einer Kundschaft ist klar, dass es deutlich turbulenter zugeht als in dem Altenheim, dem sie gerade erst entflohen sind. Von der Abenteuer-Reihe der legendären Tier-WG aus Berlin ist das offiziell nun schon der fünfte von tatsächlich nur vier Teilen. Ob es ein Happy End gibt, wird sich zeigen, komisch wird es auf alle Fälle.

"Der merkwürdige Herr Bruckner" beschäftigt sich mit Lebenund Persönlichekit des österreichischen Komponisten Anton Bruckner.
"Der merkwürdige Herr Bruckner" beschäftigt sich mit Lebenund Persönlichekit des österreichischen Komponisten Anton Bruckner. (Foto: MecGreenie)
Mit Figuren, Spielern und Live-Musik spielt das „Theater Fiesemadände“ wird den Komödienklassiker „Der Brandner Kasper und das ewige Leben“ auf Bairisch, Badisch und Berlinerisch.
Mit Figuren, Spielern und Live-Musik spielt das „Theater Fiesemadände“ wird den Komödienklassiker „Der Brandner Kasper und das ewige Leben“ auf Bairisch, Badisch und Berlinerisch. (Foto: J. Schurr)
Erik Schäffler und Uwe Schade am Cello
Erik Schäffler und Uwe Schade am Cello (Foto: siehe Beschreibung)

Wärmstens empfehlen kann Striegler auch das Stück „Drei Minuten“ für Zuschauer ab 14 Jahren. In Drei-Minuten-Szenen, die alle an einem Grenzzaun spielen, geht die „Compagnie Nik“ der Frage auf den Grund, was Migration, Grenzen und Flucht für das gesellschaftliche Miteinander bedeuten. Striegler hat das Stück schon in Berlin gesehen und zeigt sich davon restlos begeistert. „Das war phantastisch!“

Ungewöhnlich ist das Theaterprojekt „Ohne Worte“. Gespielt wird es von Behinderten der Augustinum-Werkstätten Oberschleißheim und ehemaliger Schüler des Carl-Orff-Gymnasiums Unterschleißheim. Dort hat vor einiger Zeit ein Gehörloser Abitur gemacht und eine beachtliche berufliche Karriere hingelegt. Die Nazis brachten solche Menschen früher einfach um, Euthanasie nannten sie das. Zwei Lebensgeschichten – eine erfolgreiche, glückliche und eine brutal beendete, die vielleicht glücklich hätte werden können, – erzählen die Darsteller parallel auf der Bühne. Ohne Worte, aber mit umso größerer Ausdruckskraft.

Anerkennende Worte vom Oberbürgermeister

„Es ist sagenhaft, was der Verein Theatertage da jedes Jahr auf die Beine stellt“, schreibt Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann im Vorwort des aktuellen Bürgermagazins Stadt im Gespräch. „Die Stadt kann solche Veranstaltungsreihen zwar finanziell fördern, aber ohne das immense ehrenamtliche Engagement und die Leidenschaft der Vereinsmitglieder wäre so ein tolles Theaterfestival nicht möglich.“ Umgekehrt zeigt sich Impresario Frank Striegler äußerst glücklich darüber, dass die Dachauer Theatertage bei den teilweise rigiden Einsparungen im Kulturbereich bislang nahezu ungeschoren davongekommen sind, nur der Bezirk habe seine Förderung etwas heruntergefahren.

Weil aber alles immer teurer wird, ergibt sich dennoch ein wachsendes Defizit für die Dachauer Theatertage, jedes Jahr würden es ungefähr 1000 Euro mehr, sagt Striegler. „Im Augenblick kann man das noch wuppen“, dank des eigenen Fördervereins, der nach der Stadt Dachau inzwischen der größte finanzielle Unterstützer der Theatertage sei. Striegler, dem es immer wichtig war, dass auch Kinder aus weniger begüterten und weniger kulturbeflissenen Familien den Zauber des Theaters kennenlernen, will die Tarife auf dem bestehenden Niveau halten. Er hoffe, dass das „noch zwei, drei Jahre gutgeht“. Danach werden sie um eine Erhöhung der Preise aber wohl kaum mehr herumkommen.

Das komplette Programm gibt auf der Seite der Dachauer Theatertage. Karten für die Nachmittags- und Abendveranstaltungen gibt es am Freitag, 10. Oktober, im Ludwig-Thoma-Haus von 15.30 bis 19.30 Uhr. Das Theatertage-Team bietet dabei auch eine persönliche Beratung an. Ab  12. Oktober gibt es Restkarten ausschließlich bei Ticketino zu kaufen. Die Rückgabe erworbener Karten ist nicht möglich.

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