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Dachauer Theatertage:Die Abenteuer des kleinen Matti

Theatertage

Rudolf Schmid und Marie-Elsa Drelon, die Schöpfer der Schattenfigur Matti. Der kleine Held schaukelt im Boot auf den Wellen des Ozeans.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Mit einer Schattenfigur begeistern die Darsteller des Fliegenden Theaters aus Berlin Kinder und Erwachsene gleichermaßen

Zuerst war es ein abgerissener Finger, dann verwandelte sich die Zeichnung in einen Ball und schließlich entstand auf wundersame Weise daraus die Geschichte eines kleinen Abenteurers mit dem wunderlichen Namen Matti, dem bald alle Herzen zuflogen. Das Fliegende Theater aus Berlin führte im Rahmen der Dachauer Theatertage das Stück "Matti Patti Pu" im Ludwig-Thoma-Haus in der Altstadt auf. Als eines der letzten Stücke des Theaterfestivals, das dieses Jahr seinen 20. Geburtstag feiert, war die Aufführung einer der Höhepunkte im Programm - nicht nur für Kinder, sondern auch Erwachsene.

Mit Overheadprojektoren erschaffen die zwei Darsteller Rudolf Schmid und Marie-Elsa Drelon eine Schattenfigur. Aus zwei halben Fingern entstehen die Beine und dann kommen Arm und Kopf hinzu. Diese Figur nennen sie Matti. Matti spricht Mattinesisch - eine Mischung aus nicht zu identifizierenden Lauten und etwas Französisch. Die Figur kann die Wand hochlaufen und den Schauspieler, Toto genannt, so stark anpusten, dass dieser von der Bühne kippt. Toto zeichnet einen roten Ball und mit diesem erleben Matti und die Zuschauer einiges. Etwa, als Toto versucht, auf dem Ball Zirkuskunststücke zu machen, was eben nicht gut funktioniert, da der Ball nur gemalt ist. Das klappt bei Matti viel besser, und er turnt einfach über die große Leinwand.

Nachdem er seinem Ball über die Berge hinterhergerannt ist, fällt der Kleine in ein Loch. "Ball fuzzi", trauert er auf Mattinesisch seinem geliebten Spielzeug nach. Mühsam buddelt sich Matti aus dem Erdloch und schießt so schnell in die Luft, dass Toto abermals von der Bühne fliegt. Später wird der Ball halbiert - und so entsteht daraus, ja tatsächlich, ein Boot. Vom Bühnenrand lässt der Schauspieler Wasser ein und schon schaukelt Matti auf dem Meer. Doch als er Schwimmen geht, schnappt sich ein Riesenfisch das Boot. Also taucht der mutige kleine Matti ins Meer, vorbei an Laternenfisch und Flunder, und nimmt dabei einen weiteren Ball als Tauchglocke mit, um nicht zu ertrinken.

Das tut Matti natürlich nicht. Da sind ja noch so viele Abenteuer, die er bestehen muss. Später fliegt Matti durch den Himmel, mit seinem Ball als Fesselballon. Doch er stürzt ab und landet nicht in einem Heuhaufen, was Toto vorausgesagt hat, sondern auf der Haarpracht einer Frau. Der Ball ist nun ihr Ohrring. Als Matti an diesem zieht, um sein Spielzeug wieder zu bekommen, verrutscht das komplette Gesicht der Dame. Nase, Augen und Mund sind nun kreuz und quer angeordnet, und die Zuschauer sehen das entstellte Gesicht der Frau. Das Highlight für die Zuschauer - egal ob groß oder klein - ist wohl der Moment, als das Haar der Frau auf ihre Nase fällt und somit in der Mitte ihres verschobenen Gesichts hängt. Zum Glück kennt Toto den Ausschaltknopf, und den drückt er, und schon ordnen sich alle Gesichtsteile wieder richtig an. Doch er hat den Knopf wohl etwas zu stark gedrückt und dadurch verschwindet der Frauenkopf gänzlich von der Leinwand.

Aber macht nichts, die Geschichte will weiter erzählt werden. Das Ende: Nach einer kleinen Fahrradtour ist Matti müde. Aus dem Ball entsteht ein Bett, das die beiden Figuren zusammen zur gewünschten Größe aufblasen. Und so kann Matti nach diesem ereignisreichen Tag endlich zur verdienten Ruhe kommen.

Aus Papier und ein paar Zeichnungen erschaffen die Darsteller des Fliegenden Theaters Berlin eine wundersame und doch so simple Geschichte. Mit wenigen Mitteln fördern und regen die Künstler die Fantasie der Kinder und Erwachsenen an. Die Keyboardbegleitung verstärkt die Inszenierung und gibt dem Stück viel Witz und Charme. Das steckt auch die Erwachsenen an. So etwa, als Matti mit seinem Aufziehauto auf dem Fadenlauf eines Nähmusters fährt oder Kästchenhüpfen quer über die Leinwand spielt. Die Kinder richten ihren Blick gespannt auf ihren kleinen Helden und die Geschichte. Sie beteiligen sich an ihr, geben Matti Ratschläge, wie er einer misslichen Lage entkommen kann, und kommentieren seine Abenteuer. An manchen Stellen können sie nicht mehr aufhören zu lachen.