Dachauer Redoute Tanz mit Zylinder und Rüschenkleid

Kleider, Hüte und Kostüme: Die Dachauer Redoute ist ein Augenschmaus.

(Foto: Toni Heigl)

Die Herren schreiten, die Damen zeigen Anmut bei Walzer und Quadrille. Die Redoute versetzt alle ins Jahr 1900 zurück.

Von Gregor Schiegl, Dachau

Auf den Fresken unter der prächtigen Kassettendecke im Renaissance-Festsaals reihen sich die Götterpaare, Mars und Bellona, Jupiter und Juno, und fast glaubt man Neid in ihren Augen zu sehen, während sie auf die prächtige Gesellschaft zu ihren Füßen blicken.

Es ist wieder Redoute im Dachauer Schloss, ein heiterer Maskenball im Stile der Jahrhundertwende um 1900. Die alten Stände werden wieder sichtbar. Wer es bäuerlich mag, kommt in der alten Dachauer Tracht - von höfischer Seite sieht man einige Damen mit wallenden Tüllkleidern, Reifröcken und kunstvollen Korkenzieherlocken, wobei die Julia Märkl, die Verlobte des Dachauer Oberbürgermeisters in rot-weißem Rüschenkleid und extravagantem Damenhut einen besonderen Blickfang abgibt. Bei den vornehmlich älteren Herren ist der bürgerliche Zylinder das beliebteste Accessoire, und man sieht sie in dieser Gewandung nicht mehr laufen, nein, sie schreiten. Alle sind irgendwie verwandelt, und gehen so in ihrer Rolle auf, dass auch keiner auf seinem nervigen Handy herum daddelt wie sonst. Es ist das Jahr 1900.

Wichtigste Figur neben den Gastgebern und Zeremonienmeistern Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter und Stadtrat Claus Weber ist Tanzmeister Erich Müller. Während das Salonorchester Karl Edelmann unermüdlich (und auf fabelhaftem Niveau) Wiener Walzer, Polka, Zwiefacher, Foxtrot, Marsch und Mazurka spielt, orchestriert Tanzmeister Erich Müller die Tanzpaare, denen auf der knappen Fläche zwischen den Tischen nicht viel Platz bleibt, aus der Reihe zu tanzen. Aber was täte man ohne Müllers Regieanweisungen bei der Münchner Française zur Fledermaus-Quadrille? Vor- und Zurücktreten, Komplimente, Kusshände, Drehen und Vorführen. Seit 40 Jahren ist Müller Tanzmeister, wofür ihm Birgitta Unger-Richter den eigens zu diesem Zweck eingeführten "Orden wider den zwiefachen Schritt" verleiht. Ehre, wem Ehre gebührt.

Zum Verschnaufen gibt es immer wieder herrliche Gesangseinlagen von Sopranistin Anna-Maria Bogner und ihrem männlichen Konterpart Thorsten Frisch, der den ersten Reigen mit der galanten Arie "Dunkelrote Rosen bring ich, schöne Frau!" des Grafen Erminio Saluzzo aus der Operette "Gasparone" eröffnet, worauf Bogner als Giuditta schmachten darf: "Meine Lippen, sie küssen so heiß." Um Mitternacht werden Weißwürste aufgetragen. Danach wird weitergetanzt bis halb zwei.