Zum Ende der fast vier Jahre dauernden Sonderausstellung über die Dachauer Prozesse veranstaltet die KZ-Gedenkstätte Dachau am Mittwoch, 14. Oktober, ab 17.30 Uhr eine Finissage samt Kuratorenführung und szenischer Lesung. Zudem erzählt David Husarek, der Enkel des Dachauer KZ-Häftlings und Prozessberichterstatters Paul Husarek, von seinem Großvater. Paul Husarek musste als Häftling auch das Gebäude mitbauen, in dem später die Dachauer Prozesse stattfinden sollten. Heute steht das Gebäude auf dem Areal der bayerischen Bereitschaftspolizei und wird von dieser als Lagerhalle genutzt.
Die Dachauer Prozesse zählen zu den bedeutendsten Kriegsverbrecherprozessen der Alliierten. Von November 1945 an mussten sich in den 461 US-Militärgerichtsverfahren über drei Jahre hinweg 1912 Angeklagte verantworten, mehr als die Hälfte davon wegen Taten, die sie in Konzentrationslagern begangen hatten. Die Richter verurteilten bei den Dachauer Prozessen 426 Angeklagte zum Tode, vollstreckt wurden 268 dieser Urteile. Im ersten Verfahren, dem Dachau-Hauptprozess, wurden alle 40 Angeklagten schuldig gesprochen, vom Lagerkommandanten bis zum Wachmann.

Während bei den Nürnberger Prozessen die Nazi-Größen zur Rechenschaft gezogen wurden, standen in Dachau SS-Männer aus der zweiten und dritten Reihe, Ärzte oder Firmeninhaber vor Gericht. Die Namen der meisten Angeklagten kannte kaum jemand. Bei diesen Dachauer Prozessen zeigte sich, wie viele gewöhnliche Deutsche sich schuldig gemacht hatten.
Die Kuratorenführung sowie die szenische Lesung am 14. Oktober in der KZ-Gedenkstätte finden aus Anlass des 80. Jahrestags des Beschlusses, die Prozesse zentral und ausschließlich in Dachau abzuhalten, statt. Die Ensemblemitglieder des Theaters „dasvinzenz“ präsentieren in der Lesung zeitgenössische Texte zu den Verfahren.
Die aktuelle Sonderausstellung „Dachauer Prozesse – Verbrechen, Verfahren und Verantwortung“ endet nach vieren Jahren Laufzeit im Dezember. Auf der Website der KZ-Gedenkstätte finden Interessierte auch einen virtuellen 360-Grad-Rundgang durch die Ausstellung. Der Eintritt ist zur Veranstaltung am 14. Oktober in der KZ-Gedenkstätte ist frei. Besucher sollen sich über Eventbrite anmelden.

