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Dachauer Pfarreien:Erstkommunion mit Maske und Pinzette

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Die Mädchen im weißen Kleid mit Kränzen in den Haaren, die Jungen im Anzug: Erstkommunion ist für die Kinder schon etwas Besonderes. Ein halbes Jahr bereiten sie sich auf das Fest vor. Doch dieses Jahr hat noch keine Feier stattgefunden.

(Foto: Imago)

Die katholischen Pfarreien im Landkreis Dachau handhaben die Aufnahme der Kinder in die Glaubensgemeinschaft unterschiedlich. In Markt Indersdorf sollen alle noch dieses Jahr die Hostien zum ersten Mal erhalten, in Dachau erwägt man teilweise eine Verschiebung

Eigentlich wäre vor kurzem Linus' großer Tag gewesen: Festlich gekleidet wäre er durch den Mittelgang der Kirche Mariä Himmelfahrt geschritten. Vor den Augen Dutzender Verwandter, die extra für diesen Anlass aus ganz Deutschland angereist wären, hätte er zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen, und anschließend hätte es ein großes Fest gegeben. Doch dann kam Corona, und so fiel nicht nur die Osterandacht, sondern auch die feierliche Erstkommunion ins Wasser - verschoben auf unbestimmte Zeit.

Linus S. aus Dachau ist eines von 109 Kindern, die heuer im Pfarrverband Dachau Sankt Jakob die Erstkommunion empfangen sollen. Ursprünglich geplant waren fünf Feiern an drei Tagen in den verschiedenen Kirchen des Pfarrverbands - welchen Ersatz es dafür geben wird, ist allerdings trotz der jüngsten vorsichtigen Lockerungen unklar. Auf nachdrückliche Empfehlung des Erzbistums München und Freising von Ende März sollten alle Erstkommunionsfeiern und Firmungen bis mindestens Pfingsten verschoben werden. Diskutiert wird derzeit nun über verschiedene Alternativen, wie Diakon Günter Gerhardinger informiert. Im Raum steht die Verschiebung bis ins nächste Jahr oder zumindest in den Herbst. "Gleichzeitig mit dem neuen Schuljahr wäre das ein guter Beginn. Allerdings verschieben wir momentan sehr vieles in den Herbst, obwohl wir noch nicht wissen, wie die Situation dann tatsächlich ist", wägt Gerhardinger ab. Eine andere Möglichkeit wäre es, den Erstkommunionsgottesdienst im Freien abzuhalten, "dann haben wir aber die Problematik mit dem Wetter". Weniger festlich, dafür aber zeitnah könnte man die Erstkommunion auch in kleinem Rahmen vornehmen, sodass jeweils einzelne Kinder im normalen Sonntagsgottesdienst an die Reihe kämen. "Aus theologischer Sicht ist das in jedem gewöhnlichen Gottesdienst möglich", erklärt der Dachauer Diakon.

Für ebendiese Möglichkeit hat man sich im Markt Indersdorfer Pfarrverband bereits entschieden. Sobald klar ist, welche Vorgaben einzuhalten sind, werden jeweils ein oder zwei der insgesamt 52 Kinder in den regulären Gottesdiensten bis zum Herbst ihre Erstkommunion feiern, erklärt Diakon Raimund Richter aus Markt Indersdorf. Zwar müssten die Kinder während der Feier einen Mundschutz tragen, und die Hostie werde mit der Pinzette überreicht, dafür verspricht Richter: "Jedes Kind wird heuer seine Erstkommunion empfangen." Einen Gottesdienst, der besonders auf die Erstkommunionkinder ausgerichtet ist, könnte es deswegen nicht jedes Mal geben. Aufgrund der derzeit beschränkten Teilnehmerzahl werde man vermutlich rund ein Viertel der Plätze in der Kirche für die Angehörigen des Kommunionkinds reservieren.

Auch im Pfarrverband Dachau Heilig Kreuz und Sankt Peter ist bereits eine Entscheidung gefallen: Die Erstkommunionsfeiern der 57 Kinder sollen an zwei Wochenenden im Oktober stattfinden. Bis dahin hofft Gemeindereferentin Birgitta Grimm auf weitere Lockerungen, denn sollten die Vorschriften so bleiben wie bisher, sei eine Feier "eigentlich nicht möglich". Beispielsweise würden derzeit reine Wortgottesfeiern zelebriert, die für die Erstkommunion zentrale Eucharistie wird nicht empfangen. Außerdem müssten die Kinder beim Sitzen den Mindestabstand einhalten. "Unsere Hoffnung ist, dass wir die festlichen Erstkommunionsgottesdienste in möglichst üblicher Form feiern können. Momentan müssen wir einfach abwarten", fasst Grimm zusammen.

Abwarten heißt es auch noch für die knapp 80 Erstkommunionkinder des Pfarrverbands Bergkirchen-Schwabhausen. Auch hier habe man die verschiedenen Alternativen diskutiert und sich mit den Eltern abgestimmt; fixieren will Pfarrer Albert Hack alles aber erst, "sobald man wirklich feiern kann." Denn er findet: "Wenn die Kinder Mundschutz tragen müssen und ich mit Gummihandschuhen die Kommunion erteile, dann ist das der Feier nicht unbedingt zuträglich." Außerdem sei die Erstkommunion nichts, "was man so nebenher schnell erledige", sondern eine "starke Lebenswende", etwas, das einen "gelungenen Start" benötige. Auch der Indersdorfer Diakon Raimund Richter bestätigt die zentrale Rolle der Erstkommunion für den weiteren Lebens- und Glaubensweg der Kinder: "Die Erstkommunion ist vom Erleben her wichtig. Die Kinder werden dabei zum ersten Mal richtig in die Gemeinschaft mit aufgenommen. Davor bekommen sie zwar den Segen, aber merken: Ich bin noch nicht soweit. Ab der Erstkommunion sind sie wirklich mit bei den Großen dabei."

Linus S. aus Dachau hatte sich schon sehr auf die Feier gefreut. Besonders dem Treffen mit seinen Verwandten aus Hannover, die zu diesem Anlass zu Besuch kommen wollten, hatte er entgegengefiebert. "Ich bin schon sehr traurig, aber der Unterricht in der Schule fällt ja momentan auch aus." Damit ist Linus nicht allein: Diakon Richter aus Indersdorf und Brigitta Grimm aus Dachau sagen, die Kinder seien zwar alle sehr enttäuscht, aber auch einsichtig gewesen. Und obwohl die Erstkommunionsvorbereitungen, die sonst ein halbes Jahr in kleinen Gruppen stattfinden, "auf halber Strecke ausgebremst" wurden, finde man auch dafür Lösungen. Grimm schrieb beispielsweise Briefe an die Kinder. Außerdem haben sie ein Album, in dem die verschiedenen Themen behandelt werden. "Die Vorbereitung liegt nun in den Händen der Eltern", sagt Grimm. Sie hofft aber, dass es noch vor den Sommerferien wieder ein persönliches Treffen gibt. Linus S. blättert derweil mit seinen Großeltern regelmäßig in dem kleinen Buch und abends, vor dem Einschlafen, betet er.

© SZ vom 03.06.2020

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