FotografieMomentaufnahmen der verletzlichen Natur

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Paul Eschbach sagt, das Dachauer Moos sei eine unterschätzte Landschaft.
Paul Eschbach sagt, das Dachauer Moos sei eine unterschätzte Landschaft. Niels P. Jørgensen

Paul Eschbach dokumentiert in seinem neuen Bildband mit 350 Fotos die Schönheit der Dachauer Moore, aber auch deren Zerstörung durch den Klimawandel.

Von Renate Zauscher, Dachau

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es Maler und Malerinnen der Dachauer Künstlerkolonie, die das Dachauer Moos als Sujet für sich entdeckten. Auf ihren Spuren ist heute der Dachauer Paul Eschbach unterwegs – allerdings nicht mit Staffelei und Farbtuben, Zeichenblock oder Stift, sondern mit einer hochprofessionellen Kameraausrüstung.

Seit mehr als dreißig Jahren geht Paul Eschbach auf Motivsuche zwischen Dachau und Fürstenfeldbruck. Fündig wird er vor allem im Palsweiser Moos und im Fußbergmoos. Während im eigentlichen Dachauer Moos die ursprüngliche Moorlandschaft weitgehend Straßen sowie Gewerbe- und Wohnbebauung weichen musste, ist weiter westlich der einstige Niedermoor-Gürtel, der bis hin nach Freising und Erding reichte, zumindest teilweise noch intakt.

Tausende Aufnahmen der Dachauer Moorlandschaft

Paul Eschbach ist in Dachau geboren und aufgewachsen. Für ihn sind das Palsweiser Moos und das Fußbergmoos im Grenzbereich der Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck unmittelbare Heimat, die er per Fahrrad und zu Fuß erkundet. Die Fotografie ist für den Wirtschaftsingenieur eine Lebensaufgabe geworden. Er arbeitet als professioneller Fotograf sowie als Unternehmensberater und ist in der Öffentlichkeits- und Pressearbeit tätig.

Tausende Aufnahmen sind über die Jahre aus Paul Eschbachs Exkursionen in die Natur seiner direkten Umgebung entstanden. Eine Auswahl der eindrücklichsten, schönsten Bildmotive hat er jetzt in einem Bildband zusammengestellt, der im Eigenverlag erscheint. Vor Kurzem wurde der Band mit dem Titel „Dachauer Moos – Palsweiser Moos – Fußbergmoos“ in der Dachauer Geschäftsstelle des Bundes Naturschutz vorgestellt.

Bei der Suche nach seinen Fotomotiven geht es Paul Eschbach um zweierlei: Er will zum einen die Schönheit der Landschaft ins Bild bringen, will zeigen, was ihren besonderen Reiz und ihre spezifische Atmosphäre ausmacht. Zum anderen geht es ihm aber auch darum, auf die Verletzlichkeit dieser Reste einer einst großartigen Moorlandschaft zu verweisen und damit deutlich zu machen, wie notwendig der Schutz dieser Landschaft gerade auch in Zeiten des Klimawandels ist. Ergänzt werden die rund 350 Fotos im Buch deshalb auch mit kurzen, erklärenden Texten; jedem Kapitel ist eine thematische Einführung vorangestellt.

Das unterschätze Moos

War es anfangs die Pracht herbstlich verfärbter Bäume, Gräser und noch vorhandener Schilfzonen, die Paul Eschbach fasziniert hat, so ist es heute vor allem auch der Blick auf die Details der Moorlandschaft, die ihn begeistern. Farben, Formen und Strukturen sind es, die er in der Natur bewusst wahrnimmt und in auch technisch perfekten Bildern festhalten will. Das Entdecken der Bildmotive spiele dabei für ihn eine wichtige Rolle, es sei „das Überraschende, das Ungewöhnliche“, das sich auch und gerade in dieser oft unterschätzten Landschaft finde, erklärt Eschbach seine Leidenschaft, die ihn auch bei Wind und Wetter mit seiner Kamera ins Moos radeln lässt.

Mehr und mehr rückt bei Eschbachs fotografischen Erkundungen neben der Landschaft selbst auch die Tierwelt des Moors in den Fokus. Ihm sind wunderbare Bilder etwa von Raubvögeln über den Wiesen, von ziehenden Gänseformationen am Himmel oder einer riesigen, sich auf einem Holzstamm im Wasser sonnenden Ringelnatter gelungen, welcher der anvisierte Frosch in letzter Minute entkommt. Genauso beglückend kann für Eschbach auch die Entdeckung einer seltenen Libellenart oder der Blick auf die Struktur eines Käferflügels sein.

Paul Eschbach hat über die Jahrzehnte den Wandel der Dachauer Moorlandschaft erlebt und dokumentiert. So konnte er 1999 noch den wohl letzten Torfstich bei Grasslfing fotografisch festhalten: Seine Aufnahmen erzählen eindrücklich von der schweren Arbeit einer Familie, die sich hier ihr Heizmaterial für den Winter holte.

Aber auch positive Veränderungen sieht Eschbach: die Ergebnisse von Renaturierungs- und Pflegemaßnahmen, die die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz in Dachau und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Fürstenfeldbruck leisten. Sie tun dies im Rahmen eines staatlich geförderten Programms, denn der Gedanke des nötigen Moorschutzes ist längst auch beim Staat angekommen.

Knapp achthundert Hektar umfasst das Projektgebiet Palsweiser und Fußbergmoos, erläuterten der Vorsitzende der Dachauer BN-Kreisgruppe, Roderich Zauscher, und der zweite Vorstand, Biotopmanager Heinz Gibowsky, bei der Buchvorstellung. Auf gut hundert Hektar hat der Naturschutz über Ankauf, Pacht, Pflegevereinbarungen und Ausgleichsflächen verschiedener Träger direkten Zugriff. Eine Zunahme des Artenreichtums gerade in den Feuchtbereichen des Gebiets sei mittlerweile deutlich sichtbar, sagt Eschbach.

Paul Eschbachs Buchprojekt wurde von Anfang an vom Bund Naturschutz in Dachau begleitet und unterstützt. Der Autor will mit seiner Veröffentlichung deshalb auch einen Beitrag leisten zum 50-jährigen Bestehen des BN Dachau, das im kommenden Jahr gefeiert wird. Dazu ist auch eine Ausstellung mit einer Auswahl von Eschbachs Aufnahmen im Wasserturm geplant, weitere Ausstellungen, darunter in Maisach und Bergkirchen, sind im Gespräch.

Erschienen ist Paul Eschbachs Buch im Delta Image Eigenverlag, und zwar in zwei Ausgaben: als Bildband im Format 22 × 30 Zentimeter zum Preis von 44 Euro und als Kompakt-Version im Format 18 × 25 Zentimeter für 29,80 Euro. Erhältlich sind beide sowohl in Eschbachs Online-Shop unter https://shop.deltaimage.de als auch bei den Geschäftsstellen des BN in Dachau und Fürstenfeldbruck oder bei Foto Video Sessner in Dachau.

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