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Kultur in Dachau:Die Brache muss wieder blühen

Kult Festival

Ist das schon wieder lange her! Die „Black Cat Bone Blues Band“ aus München beim Kult-Festival 1993.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Nach fast zwanzig Jahren soll das legendäre Dachauer Kult-Festival in diesem Herbst wieder aufleben, kleiner als geplant, dafür kostenlos. Das geht allerdings nur mit der Hilfe von Spendern und Sponsoren

Von Dorothea Friedrich, Dachau

Die Kulturszene gibt nicht auf. Mit Kreativität und Köpfchen erfindet sich seit nun fast einem Jahr immer wieder neu, um zu retten, was aus Vor-Pandemie-Zeiten noch zu retten ist oder in neuen Formaten doch noch realisiert werden kann. So geht es derzeit auch den Macherinnen und Machern des Zelt- und Kulturfestivals kult'20. Sie planen nun kult'21, allen sich ständig ändernden Corona-bedingten Vorgaben zum Trotz.

Kurzer Rückblick: Zwei Jahre lang hatten die ehrenamtlichen Organisatoren ein Revival des legendären Kult-Festivals am Stadtweiher vorbereitet. Unterstützt von etlichen jungen Dachauer Organisationen sollte im Herbst 2020 nach fast zwanzig Jahren wieder ein fünftägiges Fest für alle stattfinden - für ganz Junge, schon etwas Ältere oder ganz Alte, für Singles, Freunde, Familien. Vier Veranstaltungszelte und ein großes Freigelände mit Foodtrucks wollten sie bespielen: mit Musik, Kabarett, Filmen und Lesungen, Workshops vom Upcyling bis zum Tanzkurs und einer eigenen Veranstaltungsreihe für Schulen, Kinder und Jugendliche. Doch Corona machte auch ihnen einen Strich durch die ohnehin knapp kalkulierte Rechnung. Auch ein geplantes Mini-Schnupperfestival im Ludwig-Thoma-Haus wurde ein Opfer von Covid-19. Kein Grund für die - etwas flapsig gesagt - alten Hasen und jungen Hüpfer, den Kopf lange hängen zu lassen.

KULT 2020

Die Alben mit den alten Bildern des Kult-Festivals wecken Erinnerungen. Im neuen Team laufen die Vorbereitungen wieder auf Hochtouren.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Revival soll nun eine Neuauflage erleben. "Wir machen weiter - Kult lebt" hat sich das Organisationsteam auf die Fahnen geschrieben. Weil niemand voraussagen könne, wie die Situation im September tatsächlich aussieht, soll Kult'21 im kleineren Format als noch vor einem Jahr geplant und mit abgespecktem, aber qualitativ hochwertigem Programm stattfinden, sagt Frank Donath, einer der Kult-Verantwortlichen, der schon vor zwanzig Jahren mit dabei war. Von Mittwoch, 15. bis Sonntag, 19. September, wird sich die Thoma-Wiese in ein buntes Festgelände verwandeln. Unübersehbarer Blickpunkt: das große Zirkuszelt und die Außenbühne nebst diversen Foodtrucks. So wie auf der ganzen Thoma-Wiese gelten auch an den Foodtrucks dann die aktuellen Hygienebestimmungen. Die Programmplanung laufe auf Hochtouren, sagte Donath, auch wenn momentan die Unwägbarkeiten überwögen. Für Workshops und Ausstellungen erarbeite das Team "gerade passende Konzepte, je nach Inzidenzwert." Das gelte auch für das Programm im Zirkuszelt und auf der Außenbühne: "Sollten sich mehr Möglichkeiten ergeben, weil die Inzidenzwerte besonders niedrig sind, können wir kurzfristig reagieren und entsprechend unserer Möglichkeiten vorsichtig erweitern."

Anders als 2020 geplant, gibt es heuer nur noch für das Programm im Zirkuszelt einen Ticket-Vorverkauf. So ließen sich die Organisation und das Hygienekonzept einfacher umsetzen, sagte Donath. Was das Publikum freuen wird, die Kult-Macher aber vor finanzielle Herausforderungen stellt: Künstlerinnen und Künstler, die auf der Außenbühne auftreten, erhalten selbstredend ihre Gage, für das Publikum sind diese Veranstaltungen jedoch kostenlos. "So wollen wir auch Besuchern mit weniger Geld Musik und Kultur ermöglichen" sagt Donath. Das Problem: Weil zudem die Besucherzahl voraussichtlich begrenzt sein wird und daher auch die Einnahmen durch die Gastronomie geringer ausfallen, ist die Festival-Finanzierung noch nicht ganz gesichert. Der Grundstock ist gelegt, weil es Zuschüsse von der Stadt und dem Landkreis sowie von der Volksbank Raiffeisenbank und der Sparkasse gibt. Doch kult'21 braucht dringend Spender und Sponsoren. So sollen Künstler, Tontechniker und der Zeltverleiher angemessen bezahlt werden können, zumal sie durch die Absage im vergangenen Jahr auch erhebliche Einnahmeausfälle hatten.

Die Idee: Es gibt wie vor zwanzig Jahren auch 2021 die Aktion "Freunde fürs kult", um mit kleinen und großen Zuwendungen Kunst und Kultur zu unterstützen. Auch Unternehmen können sich als Sponsoren für kult'21 engagieren: Sie könnten, so eine Idee des Organisationsteams, beispielsweise eine oder mehrere Künstlergagen übernehmen oder weitere unverzichtbare Bestandteile von kult'21 sponsern. Denn "Kunst und Kultur darf nicht brachliegen und muss wiederbelebt werden", wie Frank Donath sagt.

Über einen Spenden-Button auf der Homepage (https://2021.kult-festival.de) können kult-Freundinnen und -freunde in Kürze mit ihren Spenden das Festival unterstützen.

© SZ vom 25.02.2021
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