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Dachauer Klimaschützer:Kampagne unter Kastanien

Baumdemo

Wolfgang Klade und Claudia Berger-Jenkner der Klimaschutzbewegung "People for Future" stellen ihre Baumdemo im Stadtgebiet Dachau vor.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Große Demonstrationen sind derzeit wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Die Klimaschutzbewegung "People for Future" weiß sich zu helfen: Auf privaten Grundstücken lässt sie nun Bäume ihre Botschaften verkünden

Von Lisa Brendel, Dachau

Mit Fingern aus Ästen sehen die Bäume aus, als würden sie die Schilder halten, auf den Sprüche stehen wie "Ich bin ein Lebewesen genau wie du" oder "Ich will leben! Du nicht?" Die Baumdemo ist eine Aktion der People-for-Future-Bewegung (PFF). Sie läuft vorerst nur für eine Woche. Jeder der mitmachen möchte, ist herzlich dazu aufgerufen, auch seine Bäume im Garten entsprechend zu beschildern. Die PFF will nach den vielen positiven Rückmeldung die Baumdemos noch einmal im größeren Rahmen und nach längerer Vorbereitungszeit umsetzen.

People for Future (PFF) ist eine Schwesterorganisation von Fridays for Future (FFF); sie ist seit Anfang 2019 aktiv und bezeichnet sich als der "Erwachsenarm" der Schülerbewegung FFF, die es seit 2018 gibt. Die Gruppe hat sich aus der Elterngeneration der demonstrierenden Kinder und Jugendlichen heraus gegründet. PFF ist genauso wie FFF eine deutschlandweite beziehungsweise globale Organisation. Die Gruppe in Dachau hat sich im Herbst 2019 gegründet. "Neben dem Elan der Jugend wollten auch wir unsere Stärken in einer Gruppe einsetzen", erklärt Wolfgang Klade, der Leiter der PFF-Gruppe in Dachau. Durch Corona sind die Aktionsmöglichkeiten stark eingeschränkt, große Demonstrationen sind derzeit nicht möglich.

Im Sommer hatte die FFF-Bewegung gemeinsam mit anderen Organisationen wie Greenpeace und Extinction Rebellion die Idee für Baumdemos. Nun lassen sie Bäume mithilfe von Plakaten für sich selbst sprechen. Diese Idee wollte PFF nun auch in Dachau umsetzen. Leider hätten sie für den öffentlichen Raum keine Genehmigung vom Ordnungsamt bekommen, weswegen Plakate und Schilder nun an Bäumen privater Grundstücke, etwa von Kindergärten Kirchen und Bürgern, angebracht wurden. Zentrales Anliegen der PFF-Bewegung ist es, die Klimakatastrophe abzuwenden und die kritische 1,5-Grad-Marke auf keinen Fall zu überschreiten. Deswegen darf aus ihrer Sicht die öffentliche Diskussion über den Klimawandel trotz coronabedingter Probleme nicht abreißen. "Wir dürfen das nicht aus den Augen verlieren, nur weil im Tagesgeschäft derzeit andere Prioritäten gesetzt sind", appelliert Klade. Öffentliche Aufmerksamkeit auch über digitale Wege sei dabei essenziell. Über Möglichkeiten und Ideen wird von der PFF-Gruppe in Dachau alle vier Wochen ausführlich diskutiert und geplant.

Bei der letzten Kommunalwahl - also noch in der Zeit vor Corona- wurde von PFF eine Parteienbefragung zum Thema Klima und Umwelt durchgeführt. Die Antworten der Parteien wurden von PFF ausgewertet. Die Wähler konnten sich dann an einem Infostand über das genaue Vorhaben der Parteien im Bezug auf Klimawandel und Klimaschutz informieren. "Auf diese Aktion sind wir sehr stolz", sagt Klade. Er meint auch, das Dachauer Wahlergebnis sei im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen klimafreundlicher. Trotzdem betont Klade, dass auch in Dachau noch viel mehr getan werden könnte. Auch wenn Demonstrationen wegen der strengen Regeln in der Corona-Pandemie derzeit wegfallen, beobachtet Klade, das in den sozialen Medien das Interesse am Klimaschutz zugenommen habe und auch an der PFF-Gruppe Dachau. "Uns fällt auch auf, dass das Thema Klimaschutz in der Gesellschaft eine immer größere Stellung einnimmt", sagt Klade. Demnächst soll etwa ein Unverpackt-Laden in Dachau eröffnen. Diesen Erfolg will PFF zwar nicht für sich beanspruchen, doch zumindest trage die Bewegung dazu bei, die Gesellschaft zu einem Umdenken zu bewegen. "Es ist Zeit zu handeln! Die 1,5-Grad-Grenze ist schon seit den Siebzigern bekannt, und bald ist für uns als Planet der Zug abgefahren, wenn die Welt so weitermacht", sagt Klade.

Er hat die Hoffnung, dass die Leute durch die coronabedingten Veränderungen merken, dass man sich beispielsweise auch gut online verabreden kann und für ein einstündiges Meeting nicht extra von München nach Hamburg fliegen muss. Auch wenn der Himmel zur Zeit recht leer von Flugzeugen ist, setzt Klade nicht darauf, dass das langfristig so bleibt. Für das Erreichen von Klimazielen brauche man ein Umdenken der Menschen und nicht nur den Einfluss von außen, so Klade

© SZ vom 30.11.2020
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