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Dachauer Imker klagen:Bienensterben im Winter

Ganze Völker sind der Varroamilbe zum Opfer gefallen. Auch der Düngemitteleinsatz setzt den Insekten zu. Unter dieser Entwicklung leidet die Umwelt, aber auch der Ertrag der Landwirte

Das Bundesumweltamt bewertet die Biene als drittwichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein. Doch seit einigen Jahren sterben viele Bienenvölker, oft sind die konkreten Ursachen unklar. Auch im Landkreis Dachau hat sich in diesem Winter das Bienensterben fortgesetzt - der Grund dafür ist diesmal jedoch klar: Schuld daran ist vor allem die für Bienen tödliche Varroamilbe. "Sie müssen sich diese Milbe vorstellen wie einen Ziegelstein, der Ihnen im Genick sitzt. So sitzt die Milbe auf den Bienen und saugt ihnen das Blut aus dem Körper", erklärt Imker Josef Dlesk. Imker Lorenz Hecht zum Beispiel hat über diesen Winter viele seiner Völker verloren. 250 gemeldete Imker gibt es im Landkreis. Ungefähr die Hälfte dürfte Experten zufolge betroffen sein.

Biene in Malvenblüte, 2015

Bei der Arbeit: So sieht es aus, wenn eine fleißige Biene an einer Malvenblüte saugt, über und über bedeckt mit klebrigen Teilfrüchten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Auch Lorenz Hecht macht hauptsächlich die Varroamilbe für das Bienensterben verantwortlich. Durch den milden Winter 2015 haben die Bienen keine Brutpause eingelegt, wie es normalerweise der Fall ist. "Die Milbe geht hauptsächlich auf die Eier der Bienen, und wenn sie eine Brutpause einlegen, hat die Milbe auch wenig Überlebenschancen", sagt Hecht. Doch der Winter 2015 war zu warm, die Bienen haben durchgebrütet, und so konnten auch die Milben über das gesamte Jahr hinweg überleben, bis zum Winter 2016. Genau deshalb gab es vergangenen Winter auch so viele Todesfälle unter den Bienenvölkern.

Mit Ameisensäure gegen den Parasiten

Das ganze Ausmaß des Bienensterbens im Landkreis lässt sich schwer schätzen, da es keine verlässliche über die Anzahl der hier beheimateten Bienenvölker gibt. Aber Experten schätzen, dass unzählig viele in diesem Winter betroffen waren. Immerhin leben in einem Bienenvolk in der Hochsaison bis zu 65 000 Tiere. Josef Dlesks Insekten sind bisher von der Varroamilbe verschont geblieben. Um den tödlichen Parasiten loszuwerden, behandeln die Imker den Stock vor dem Winter, also nach der Honigernte, mit Ameisensäure. Der Parasit saugt sich nämlich auch an den Eiern fest. Die Folge: Bienen kommen ohne Flügel oder mit anderen Einschränkungen zur Welt und haben deshalb keine Chance zu überleben. Die Milbe kann ganze Bienenvölker ausrotten. Aber die Imker haben nicht immer Erfolg.

Serie Unterweikertshofen

Imker Josef Dlesk sorgt sich um die Zukunft der Bienen.

(Foto: Niels Jørgensen)

Es liege doch auch nicht immer an der Varroamilbe, dass viele Bienen den Winter nicht überlebten. Oft würden Imker den Bienen einfach zu wenig Futter für die kalte Jahreszeit geben. "Wir nehmen ihnen ja den Honig weg, den die Bienen als Nahrung über den Winter brauchen", sagt Josef Dlesk. "Dafür geben wir ihnen Zuckerwasser, und wenn ein Imker davon zu wenig gibt, verhungern die Tiere." Wenn die Nahrungsmenge falsch kalkuliert sei, so der Imker, sei das das Todesurteil für die Insekten.

Durch die Gülle können viele Blumen nicht mehr wachsen

Eine weitere Ursache sind die Düngemittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Das Glyphosat, das viele Landwirte verwenden, wird den Bienen oftmals zum Verhängnis. Die Tiere nehmen die Flüssigkeit, die sich auf den Pflanzen ablagert, zu sich und vergiften sich damit. "Die Bienen verwechseln das dann mit Wassertalk, und schon sind sie vergiftet", sagt Josef Dlesk. Auch Lorenz Hecht macht die Landwirtschaft für einen Großteil des Bienensterbens verantwortlich. Die Düngemittel würden die Bienen umbringen und "durch die Gülle können viele Blumen, die die Bienen brauchen, nicht mehr wachsen", so Hecht. Außerdem gäbe es wegen der Monokulturen keine Pollenvielfalt mehr, was für die Tiere wichtig sei.

Die Folgen des Bienensterbens sind fatal: Die Insekten sorgen für die biologische Vielfalt und für die Vielfalt auf unseren Tellern. Sie sichern wichtige landwirtschaftliche Erträge und die Nahrungsquellen vieler Tierarten. Ohne die fleißigen Insekten gäbe es etwa kein Obst, denn sie bestäuben die Blüten der Bäume. Laut Bundesumweltministerium beträgt allein in Deutschland der volkswirtschaftliche Nutzen durch Bienen und das Bestäuben rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Außerdem ist die Biene Honiglieferant. Jeder Deutsche konsumiert pro Jahr im Schnitt ein Kilogramm Honig. Eine normale Arbeiterbiene lebt in der Regel vier Wochen. "Ein Teelöffel Honig ist die Arbeit eines ganzes Bienenlebens", sagt Josef Dlesk.

© SZ vom 07.04.2017/lela

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