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Dachauer Einrichtung:Tierschutz in der Corona-Krise

Tierheim

Tierpflegerin Yvonne Wildfeuer trägt eine Schutzmaske, das findet Hund Kaya sehr interessant. Bald werden er und die anderen Tiere im Tierheim Dachau sich aber an den Anblick gewöhnt haben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Dachauer Tierheim verliert viele Spenden, weil es keine Veranstaltungen organisieren kann, hält aber den Betrieb mit Einschränkungen aufrecht. Das Wohl der Katzen und Hunde ist aber nicht gefährdet

Von Jana Rick, Dachau

"Die Auswirkungen des Virus treffen uns alle", bringt es Silvia Gruber, Leiterin des Tierheims Dachau, auf den Punkt. Denn auch das Tierheim leidet unter den Folgen der Corona-Krise. Spendeneinnahmen fallen weg, auch durch Absagen von Spendenveranstaltungen wie dem Osterbasar, den das Heim jedes Jahr organisiert. Trotz der hohen finanziellen Einbußen entschied sich Silvia Gruber jedoch dazu, keinen offiziellen Spendenaufruf zu starten. "Wir wollen nicht jammern. Viele haben derzeit große Probleme. Wir wollen erst einmal versuchen, dass wir das alleine schaffen", sagt Gruber.

Auch die Vermittlung der Tiere verlaufe zurzeit "schleppend". Da das Tierheim seit März für Besucher geschlossen ist, müssen für Tiervermittlungen Einzeltermine vereinbart werden, nur dann dürfen die Interessenten ins Heim kommen. Natürlich mit Schutzmasken, diese Regel führte das Tierheim schon zu Beginn der Krise ein. Nachdem es damals allerdings noch keine Maskenpflicht gab, musste das Tierschutzverein den Interessenten die Masken zur Verfügung stellen.

Anfangs hatte das Tierheim Silvia Gruber zufolge Schwierigkeiten, überhaupt an Masken zu kommen, auch Desinfektionsmittel waren kaum aufzutreiben. Gruber war dankbar um jede Spende, zum Beispiel um einen Kanister Desinfektionsmittel, der ihnen von einem Tierfreund geschenkt wurde.

Zu Schutzmaßnahmen wie der Maskenpflicht gehört auch, dass das Team in Schichten arbeitet, teilweise auch erst spät abends oder in unterschiedlichen Räumen des Tierheims. "Einfach, um das Ganze zu entzerren", sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Ansonsten gelten im Tierheim die üblichen Vorschriften und Hygienemaßnahmen. Silvia Gruber sieht sich in der Verantwortung für ihre Mitarbeiter, die schließlich viel mehr mit Menschen in Kontakt kommen, als man es bei einem Tierpfleger denken würde: Hausbesuche, Tierarztbesuche oder die Bergung angefahrener Katzen und Hunden gehören zum Tagesablauf der Mitarbeiter. "Und auch wir müssen für die Tiere einkaufen", fügt Silvia Gruber noch hinzu. Es wäre fatal, wenn es im Heim zu einer Corona-Infizierung käme, denn Home-Office ist in der Tierpflege keine Alternative: "Ein Tierheim kann man nicht einfach schließen."

Um also die menschlichen Kontakte möglichst gering zu halten, dürfen auch Ehrenamtliche, die normalerweise täglich mit Hunden des Heims spazieren gehen, seit einigen Wochen nicht mehr kommen. Trotzdem versichert die Tierheimleiterin, dass jeder Hund an die frische Luft kommt, die acht angestellten Pfleger und sie selbst übernehmen in der Corona-Krise diese Aufgabe.

Silvia Gruber nennt eine weitere Veränderung in Folge der Pandemie, die sich derzeit im Tierheim bemerkbar macht. Sie erzählt, dass sie fast zehn Anrufe pro Tag von Tierfreunden bekommt, die gerne im Heim helfen möchten. "Die Leute haben jetzt Zeit, und es freut uns riesig, dass sie ihre Hilfe anbieten. Aber wir müssen ihnen leider absagen." Sie hofft allerdings, dass sich dieser Trend der Hilfsbereitschaft auch nach Lockerung der allgemeinen Maßnahmen zum Schutz vor der Infektion fortsetzt.

Doch Silvia Gruber geht davon aus, dass das Tierheim noch lange für Besucher geschlossen sein wird. Und auch die Umbaumaßnahmen für den neuen Multifunktionsbau des Heims, der für dieses Frühjahr geplant war, werden sich in den Herbst verschieben. Dennoch versucht Gruber das Positive an der Situation zu sehen: Durch die Einzeltermine in der Tiervermittlung haben die Tierpfleger nun mehr Zeit für die Interessenten und können diese ausgiebig beraten. Und auch den Tieren kommt die Entschleunigung zugute: "Die besucherfreie Zeit ist für die Tiere eine pure Entspannung. Das tut ihnen gut", erklärt die Tierheimleiterin. Und langsam gehe es bergauf: Das Team darf am kommenden Samstag im AEZ Dachau im Gewerbegebiet seinen Stand mit selbstgemachten Marmeladen aufbauen. Der Erlös wird natürlich für die Pflege der Tiere genutzt.

Silvia Gruber überlegt, das Gassigehen in einigen Wochen wieder zu erlauben - mit kontaktloser Übergabe der Hunde am Zaun des Tierheims. Langsam würden sich auch die Hunde an die maskierten Menschen gewöhnen.

© SZ vom 30.04.2020
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