Es ist eine böse Überraschung: Der Zieglerbräu in der Dachauer Altstadt bleibt geschlossen und wird in den nächsten Jahren leer stehen. Es wird viel Zeit und Geld fließen müssen, um das stadtbildprägende und denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren und den Brandschutz so zu ertüchtigen, dass dieser geltende Vorschriften erfüllt. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die nun bekannt wurde. Die Kosten für eine Sanierung könnten demnach in den zweistelligen Millionenbereich gehen.
Damit hat die Stadt Dachau, die das einstige Hotel am Altstadthang vor der Corona-Pandemie gekauft hat, die nächste Problembaustelle an einem historisch bedeutenden Gebäude am Hals. Neben dem Zieglerbräu rottet seit Jahren der denkmalgeschützte Hörhammerbräu vor sich hin. Auch das Trinkgeld-Haus ist seit Jahren ungenutzt.
Nachdem die frühere Eigentümerin und spätere Pächterin des Zieglerbräu den Restaurant- und Hotelbetrieb Ende vergangenen Jahres eingestellt hatte, wollte die Stadt die beliebte Gastwirtschaft schnellstmöglich wiedereröffnen. Parallel zur Suche nach einem neuen Pächter prüften Architekten und Ingenieure das mehrstöckige Haus, das 1766 erbaut wurde, auf bau- und brandschutztechnische Mängel. Am Mittwochnachmittag haben die Experten den Stadträten im Haupt- und Finanzausschuss ihre verheerenden Ergebnisse vorgestellt.
Verkaufen oder generalsanieren?
Mindestens 1,4 Millionen Euro würde es kosten, wenn lediglich die Gasträume sowie Küche und das Lager so saniert würden, dass Gäste möglichst „vor Gefahren für Leib und Leben“ geschützt wären. Allein der Einbau einer neuen Küchenlüftung würde 270 000 Euro verschlingen – wobei die Architekten betonten, dass es sich nur um eine erste grobe Kostenschätzung handelt.
Mindestens zwei Jahre dürfte es nach Ansicht von Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) dauern, diese minimalistische Sanierung umzusetzen. Dann könnte zwar das Gasthaus wieder aufmachen. Aber 90 Prozent der etwa 4000 Quadratmeter großen Fläche des Gebäudes – darunter das komplette Obergeschoss sowie der Schützensaal und die schöne Fernblickveranda – blieben weiterhin unzugänglich.
Diese Variante wäre aber nicht nur unbefriedigend und wenig nachhaltig. Sie würde auch langfristige Pläne der Stadt konterkarieren. Eigentlich hatte die Stadt den Zieglerbräu in direkter Nachbarschaft zum Rathaus vor vier Jahren gekauft, um im Obergeschoss dringend benötigte Büros für Verwaltungsmitarbeiter einzurichten. Weil die Bevölkerung so rasant wächst, muss die Stadt immer mehr Aufgaben bewältigen und neues Personal einstellen. Jedes Jahr schafft sie im Schnitt fünf neue Arbeitsplätze.
Um den Standort für die Rathauserweiterung hatten die Stadträte jahrelang gerungen. Als der Deal zwischen der Stadt und der damaligen Eigentümerin des Zieglerbräu im Mai 2019 zustande kam, sprach OB Hartmann von einem „Glücksfall“. Im Bauetat für die Folgejahre waren schnell 28 Millionen Euro eingeplant. Doch dann brach die Corona-Pandemie aus und trug dazu bei, Dachau und andere Kommunen in eine finanzielle Krise zu stürzen. Notgedrungen strichen die Stadträte die Rathauserweiterung und andere beschlossene Großprojekte wie den Bau eines Eisstadions. Zu einer Detailplanung des Umbaus der 13 Hotelräume in Büros kam es nicht mehr.
„Wir können nichts davon zur Ausführung empfehlen“
In der Zwischenzeit ergab sich zwar eine mittelfristige Lösung für die Raumnot im Rathaus: Im ehemaligen Haus der Erwachsenenbildung sollen spätestens in eineinhalb Jahren 35 Arbeitsplätze entstehen; derzeit bringt die Stadt das denkmalgeschützte Gebäude auf der Thoma-Wiese auf Vordermann. Die Verwaltung hofft so, den Bedarf an neuen Büroflächen für die nächsten zehn Jahre decken zu können. Doch langfristig gesehen reicht dies nicht aus.
Dies alles müssen die Stadträte bedenken, sollten sie sich für eine minimalistische Sanierung der Gaststätte entscheiden. Denn sollte die Stadt in zehn Jahren doch im Obergeschoss des Zieglerbräu Büros einbauen wollen, müssten laut den Architekten auch das Erdgeschoss mit der Wirtschaft wieder komplett erneuert werden.
Die Architekten stellten den Stadträten zwei umfassenderer Varianten zum Zieglerbräu-Umbau vor: In der ersten würden auch die Versammlungsräume wie der Schützensaal und die Fernblickveranda ertüchtigt, sodass am Ende immerhin 27 Prozent aller Flächen ohne Bedenken begehbar wären.
Hierfür müsste man aber dann neue Fluchtwege schaffen und neue Lüftungs- und Brandmeldeanlagen sowie Elektroinstallationen einbauen. Die Kosten: mindestens 5,5 Millionen Euro. Bauzeit: 18 Monate oder länger. Auch bei diesem Szenario hätte die Stadt allerdings 5,5 Millionen Euro in den Sand gesetzt, sobald man sich entscheiden würde, doch noch das Obergeschoss zu erneuern.
Eine weitere Variante sieht vor, auch das erste Obergeschoss zu sanieren, um dort später Büros einrichten zu können. Dafür müssten etwa zusätzliche Flucht- und Rettungswege entstehen. Hier belaufen sich die Kosten auf 9,3 Millionen Euro oder mehr. Die reine Bauzeit: zweieinhalb Jahre.
Die Architekten selbst kamen zu einem vernichtenden Ergebnis: Wegen der fehlenden Nachhaltigkeit in Verbindung mit sehr hohen Kosten „können wir nichts zur Ausführung empfehlen“. Für das Stadtbauamt gibt es aus diesem Grund nur zwei Alternativen: Die Stadt verkauft das Gebäude wieder oder saniert es komplett von oben bis unten. In beiden Fällen sei mit einem „mehrjährigen Leerstand“ zu rechnen.
Die Stadt habe mit dem Kauf Verantwortung für das Gebäude übernommen
In der Ausschusssitzung wollte sich gleichwohl niemand für den Verkauf aussprechen. Im Gegenteil: Viele Stadträte betonten die Bedeutung des Zieglerbräu. Das Gebäude sei „identitätsstiftend“ für Dachau, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Anke Drexler. Markus Erhorn (Freie Wähler Dachau) sprach von der „Herzschlagkammer der Altstadt“. CSU-Fraktionschef Florian Schiller warnte davor, eine „reine betriebswirtschaftliche Rechnung“ zu öffnen. Die Stadt habe mit dem Kauf eine Verantwortung für das Gebäude übernommen. Nebenan gebe es mit dem Hörhammerbräu bereits einen „Schandfleck“.
Auch Martin Modlinger (Grüne) lehnte einen Verkauf ab, „sonst haben wir da Luxuswohnungen“. Er plädierte dafür, eine Planung für eine Generalsanierung anzugehen. „Wir haben das Gebäude nicht gekauft, um auf fünf Prozent der Fläche eine Gaststätte zu betreiben.“
Die Stadträte wollen sich nun innerhalb der Fraktionen besprechen, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll. Die Entscheidung über die Zukunft des Zieglerbräu wurde vertagt.

