Mit einem gemeinsamen Gruppenfoto haben mehr als 200 Menschen diese Woche auf dem Ernst-Reuter-Platz in Dachau ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt gesetzt. Organisiert wurde die Aktion von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau und dem Runden Tisch gegen Rassismus. Manuel Liebig, Leiter der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dachau, wollte damit ein Zeichen setzen.
„Hintergrund ist, dass in den letzten Wochen Rechtsextreme vermehrt Flyer verteilt und Aktionen im Dachauer Stadtraum ausgeführt haben“, sagt Manuel Liebig. Zudem hielt die Gruppierung „Der Dritte Weg“ nach eigenen Angaben auf ihrer Website eine Kampfsportübung in Dachau ab. Die Kleinstpartei gilt laut Verfassungsschutz als rechtsextrem.
Liebig und seinen Mitstreitern ist jedoch wichtig: Die Aufmerksamkeit soll bei der Foto-Aktion bewusst nicht dieser Partei gelten, sondern den Menschen, die sich für Offenheit, Vielfalt und ein demokratisches Miteinander einsetzen. „Wir wollen eigentlich nicht, dass die Rechtsextremen mit ihren Aktionen im Zentrum stehen“, sagt Liebig. Stattdessen wolle man sichtbar machen, dass sich deutlich mehr Menschen für demokratische Werte einsetzen.
Im Fondi-Park hinter dem Ernst-Reuter-Platz versammelten sich Vertreter zahlreicher Vereine, Verbände und Initiativen sowie Landrat Stefan Löwl (CSU), Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) sowie Mitglieder des Kreistags und Stadtrats vor dem Banner mit der Aufschrift: „Setzen wir gemeinsam ein Zeichen für Toleranz und Respekt. Dein Beitrag zählt!“ Zudem stehen auf dem Banner die Buchstaben Dachau für Diversität, Anerkennung, Community, Harmonie, Akzeptanz und Unterstützung. Neben politischen Akteuren sind auch Vertreter von Chören, Jugendverbänden, Sportvereine und andere Organisationen auf dem Foto. Die Veranstalter wollen damit zeigen, wie breit die Unterstützung für demokratische Grundwerte in Dachau ist. Insgesamt waren fast 60 Organisationen bei dem Fototermin vertreten.
„Am Ende sind wir tatsächlich mehr“
„Das Gruppenfoto war eine kurzfristig geplante Reaktion auf die Flyer und auf eine Kampfsportübung der Rechtsextremen“, sagt Manuel Liebig. Die Aktion der Partnerschaft für Demokratie knüpft damit an eine Kampagne an, die bereits vor etwa eineinhalb Jahren gestartet wurde. Damals wurden die Banner im Stadtgebiet Dachaus aufgehängt und mehrere tausend Haushalte mit einer Postwurfsendung erreicht. Nun solle dieses Zeichen erneut sichtbar werden, diesmal durch die Menschen selbst, sagt Liebig.
Für ihn liegt gerade darin die eigentliche Botschaft der Aktion. Das Gruppenfoto sei zwar nur ein symbolischer Akt, könne aber Menschen, die sich in unterschiedlichen Bereichen für Demokratie einsetzen, miteinander verbinden. „Die Leute sehen, dass sie nicht alleine sind“, sagt er. Viele Engagierte seien in ganz unterschiedlichen Vereinen und Initiativen aktiv und begegneten sich im Alltag kaum. Solche Aktionen sollen sichtbar machen, dass sie Teil einer großen Gemeinschaft seien. „Am Ende sind wir tatsächlich mehr“, sagt Liebig mit Blick auf die vielen Menschen, die hinter der Aktion stehen.
Beteiligt hat sich unter anderem der Dachauer Frauen-Barbershop-Chor „A Cappella Company“. Offenheit und Toleranz gehörten zu den Grundwerten des Chors, erklärt Mareike Meise, die Leiterin und Gründerin des Chors. Mitsingen könne jede Person, die sich als Frau identifiziere oder sich dem entsprechenden Stimmumfang zuordnen könne. Unabhängig von Herkunft oder anderen Merkmalen wolle der Chor ein Ort sein, an dem Menschen willkommen sind.
Darüber hinaus verstehe er sich als Teil der Dachauer Stadtgesellschaft. Deshalb sei es selbstverständlich gewesen, sich an der Aktion zu beteiligen. „Gerade in einer Stadt wie Dachau, deren Geschichte untrennbar mit der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus verbunden ist, ist es wichtig, sich für ein respektvolles Miteinander einzusetzen.“


