Dachau Zauberhafte Anmut

Dachauer Kammerchor brilliert bei Kerzenschein

Von Bärbel Schäfer, Dachau

Das Frohlocken war deutlich zu hören, aber auch die stille Erkenntnis der Wahrheit, die in Gott liegt. Freudig und überirdisch schwebend wurden die Glaubensinhalte in der Motette von Heinrich Schütz "Jauchzet dem Herren alle Welt" vom Dachauer Kammerchor zum Ausdruck gebracht. Fein ziselierte Stimmen schwangen sich freudig in die Höhe. Das traditionelle "Nachtkonzert bei Kerzenschein" in Mariä Himmelfahrt war von einer zauberhaften Anmut. Unter der Leitung von Rainer Dietz sang der gemischte Chor in einer beeindruckenden Geschlossenheit und berührenden Innigkeit. Die intime Stimmung der schnörkellosen Chormusik wurde durch den Schein der kleinen Kerzen auf den Kirchenbänken unterstrichen.

Mit seinen schönen Konzerten trug der Dachauer Kammerchor zur Anschaffung einer neuen Orgel bei, die im vergangenen Jahr eingebaut wurde und nun auch im Nachtkonzert erklang. Christian Baumgartner, Organist und Kirchenmusiker in der Pfarrkirche Sankt Jakob, spielte zwischen den Motetten kleine, abwechslungsreiche Orgelstücke aus verschiedenen Jahrhunderten.

Chorleiter Rainer Dietz hatte wunderschöne Motetten aus verschiedenen Epochen, vom Barock bis in die Romantik, ausgewählt. Der Kammerchor entfaltete in der musikalischen Schlichtheit des a capella-Gesangs seine ganze Interpretationskraft. Von einer getragenen Stimmung war Johann Ludwig Bachs Motette zu sechs Stimmen "Unsere Trübsal". Die Textstelle "schaffet eine ewige und über alle Maß wichtige Herrlichkeit" interpretierten die Frauenstimmen in dynamischen Koloraturen. Felix Mendelssohn-Bartholdys Psalmgesang "Warum toben die Heiden" wurde in diversen Stimmungen und mit fließenden Übergängen gesungen. Kraftvoll wiegend wechselten sich Frauen- und Männerstimmen ab. Mit überzeugendem Nachdruck erklang die Stelle "Du bist mein Sohn, heute hab' ich dich gezeuget", dem in akzentuierten Wiederholungen das aufwühlende "sollst sie mit einem Szepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerbrechen" folgte. Zart in die Höhe strebend war das Schlussgebet "Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste". Sanft erklang auch Max Regers "Unser lieben Frauen Traum" bevor zum Abschluss Josef Rheinbergers "Abendlied" in lautmalerischem Feinschliff aufgeführt wurde.

Organist Christian Baumgartner trug mit seinem Orgelspiel zu den sprechenden Bildern der Chormusik bei. Die aussagekräftigen Stücke zeigten die große Bandbreite und klanglichen Möglichkeiten des neuen Instrumentes. David N. Johnsons "Trumpet Tune in D für Orgel" erweckte tatsächlich die Anmutung feierlicher Trompetenklänge, während Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel "Wir glauben all' an einen Gott, Vater" besinnlich, ja fast lieblich und am Schluss mit wirbelnden Flötentönen dahinwogte. Die Kunst der musikalischen Verzierungen zeigte Baumgartner mit einer Sonata von Luigi Cherubini. Die heitere Stimmung schwang um in eine düstere Ernsthaftigkeit mit Louis Viernes impressionistischem "Lied" voll tiefsinniger Momente. Gaston Béliers "Toccata für Orgel" bildete einen kernigen Kontrast zu Max Regers sanftmütiger Motette über Heil, Trost und Erlösung, die stets im Chorgesang mitschwingt.