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Bauprojekt in Dachau:Wohnen im Park

Von der Straße kaum einsehbar hinter großen Bäumen verborgen liegt das Anwesen, das Geheimrat Stoß 1896 erwarb. Auch Künstler lebten hier.

(Foto: Toni Heigl)

Zwischen Pollnstraße, Pfarrkindergarten Sankt Peter und der kleinen Wilhelm-Leibl-Straße soll das insgesamt 1,14 Hektar große Grundstück um die denkmalgeschützte Stoß-Villa bebaut werden.

Ein Stück ländliche Idylle für seine Großstadtkinder hatte der Münchner Geheimrat Anton Stoß im Sinn, als er 1896 das Anwesen in Polln im Dachauer Moos erwarb. Ein bisschen Gemüsegarten, ein bisschen Blumengarten mit Springbrunnen und Wasserbassin, ein altes Pferd namens Kitty, ein paar Ziegen und Federvieh. Aus dem früheren Bauernhaus machte die Familie nach und nach eine Gründerzeitvilla. Haus wie Garten ein bunter Stilmix. 100 Jahre alte Fotos zeigen glückliche Großbürgerkinder, welche die Freiheit des Landlebens genießen. Ein paar Künstler, die zur Sommerfrische kamen, durften dabei nicht fehlen.

Heute wirkt das Anwesen in der Pollnstraße 1 in Dachau Ost undurchdringlich, kaum einsehbar. Dichtes Grün verwehrt Einblicke. Einige der alten Eschen, Eichen, Nadelbäume mögen noch von Geheimrat Stoß angepflanzt sein. Selbst das Haus, von der Pollnstraße nur durch den schmalen Pollnbach getrennt, ist durch das Laub kaum zu sehen. Zwischen Pollnstraße, Pfarrkindergarten St. Peter und der kleinen Wilhelm-Leibl-Straße erstreckt sich das insgesamt 1,14 Hektar große Grundstück. Bauland in bester Lage. Der Idylle soll es an den Kragen gehen.

54 Wohnungen und dazu zwölf Sozialwohnungen - das war die Idee der Bauherren

Der Bau- und Planungsausschuss des Dachauer Stadtrats diskutierte nun über einen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans. Eine Wohnanlage mit 54 Wohnungen und dazu zwölf Sozialwohnungen in einem gesonderten Haus hatten die Bauherren beantragt. Planzeichnungen zeigen vier Wohngebäude, zwei bis drei Stockwerke hoch auf einem insgesamt recht grünen Gelände, mit Kinderspielplatz und ruhigen Innenhöfen. Die denkmalgeschützte Villa schlagen die Eigentümer für eine öffentliche Nutzung vor. Etwa als Galerie und Ausstellungsraum für offenbar in Familienbesitz vorhandene Kunstwerke oder andere Exponate. Diese Idee gefällt der Stadtverwaltung sehr, sie hofft sogar auf Platz für ein Quartierszentrum als Treffpunkt für die Bewohner des Viertels.

Baurecht soll geschaffen werden, nur nicht so, wie es die Investoren beantragt hatten. Deren erster Vorschlag fiel durch, weil er mit dem Denkmalschutz kollidiert, der sich auch auf Außenanlagen erstreckt.

Die Stadträte im Bauausschuss sahen das Bauvorhaben kritisch

Das zweigeschossige Wohnhaus mit Mansardengiebeldach und Wintergarten wurde laut Sitzungsvorlage um 1860 erbaut. Unter Denkmalschutz stehen auch zwei ehemalige Ställe, das Kellerhaus, ein Ziergarten mit Brunnen und Wegesystem und die Toreinfahrt. Das Haus auf seinen 500 Quadratmetern Grundfläche steht inmitten eines grünen Parks von 8380 Quadratmetern Fläche und vielen alten Bäumen und Gehölzen. Die Stadtverwaltung hatte sich Gedanken gemacht, wie sie dem Bauherrn entgegenkommen könnte und verschiedene Varianten dargestellt. Die Stadt hat selbst Interesse an dem Grundstück und schlug einen Flächentausch vor.

Die Stadträte im Bauausschuss sahen das Bauvorhaben kritisch. Sie bedauerten den Verlust des Grüns - und forderten letztlich genau deshalb größere und höhere Gebäude. "Kompakter, nicht so kleinteilig", solle die Wohnbebauung werden, wünschte sich Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU). Durch die Bahnhofsnähe sei das Grundstück natürlich prädestiniert für den Wohnungsbau, sagte sie. Es sei schließlich Ziel der Stadt, im Inneren nachzuverdichten und nicht "an den Rändern auszufransen". Auch wenn nicht zuletzt die CSU dazu in der Vergangenheit ganz gerne mal beigetragen hat. Schmidt-Podolsky mahnte, mit dem geschichtsträchtigen Grundstück sorgfältig umzugehen und "ansprechend städtebaulich" zu planen.

Es kommt zum Kompromiss

Thomas Kreß (Grüne) verlangte, soviel der parkähnlichen Fläche wie nur möglich zu erhalten. Wenn schon gebaut werde, dann aber bitte richtig und keine "flach dahingegossenen Zwergerlhäuserl". Dann, so sagte er, könne auch seine Fraktion mit einem "tränenden Auge" zustimmen. Vorerst taten er und Luise Krispenz das nicht. Auch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) erklärte, allzu flache und kleinteilige Wohnbebauung werde er ablehnen.

Mehrheitlich geeinigt haben sich die Stadträte nun auf einen Kompromiss, zu dem auch die Grundstückseigner vorher schon Zustimmung signalisiert hatten. Stadt und Privateigentümer wollen nun ein Grundstück tauschen, was dazu führen soll, dass beide Seiten für ihre Vorhaben besser geschnittene Grundstücke erhalten. Die Bauherren sollen die Fläche des Kindergartens erhalten, im Austausch bekommt die Stadt ein nordwestlich angrenzendes Flurstück. Dort soll der Kindergarten neu gebaut werden, umgeben von einer öffentlichen Parkanlage.

Das unzugängliche Privatgelände soll durch die Wohnbebauung geöffnet und für Fußgänger erschlossen werden. Damit werden neue Wegeverbindungen möglich, etwa zwischen Polln- und Otto-Wirsching-Straße. Ziel ist es, möglichst viel altes Gehölz, auch die historischen Obstbäume zu erhalten. Mit der in Privatbesitz bleibenden Villa soll auch die Gartenanlage öffentlich zugänglich gemacht - und ins Bewusstsein zurückgebracht werden.