Dachau White Paper Festival teilt seinen Erfolg

Lina und Alice Homann (l.), Annika Wenzel (4.v.l.), Lena Heilein (4.v.r.) und Ines Bugner (r.) von "Wir sind Paul" übergeben Spenden an drei Vereine.

(Foto: Niels Jørgensen)

Die Veranstalterinnen spenden ihren Gewinn an drei gemeinnützige Vereine und kündigen neue Aktionen an

Von Viktoria Großmann, Dachau

Das White Paper Festival, das im Juni auf dem Holzlagerplatz der ehemaligen MD-Papierfabrik stattfand, war auch finanziell ein Erfolg. Die fünf Organisatorinnen erwirtschafteten einen Überschuss von 10 200 Euro. Doch Lina und Alice Homann, Ines Bugner, Annika Wenzel und Lena Heilein wollten das Geld nicht ins nächste Event investieren, sondern haben es stattdessen - wie von Beginn an angekündigt - an gemeinnützige Organisationen gespendet. Jeweils 3400 Euro erhalten der Dachauer Weitblick Jugendhilfe Verein, die deutsch-bulgarische Gesellschaft Mittelhessen mit ihrem Projekt "Musik statt Straße" und der in Entwicklungsländern tätige Verein Ein-Dollar-Brille.

"Orte in Dachau beleben für einen guten Zweck", so fasst Annika Wenzel die Idee des Vereins Wir sind Paul zusammen. Vor etwa zwei Jahren hatten die fünf jungen Frauen zusammengefunden und lange darauf hingearbeitet, auf dem MD-Gelände ein Festival veranstalten zu können. Es erstreckte sich letztlich über zwei Tage. Bot erstklassige Musik, etwa mit der bayerischen Band Kofelgschroa oder dem britischen Folksänger Roo Panes. Dazu Workshops, Filme, Streetfood-Stände. 2300 Besucher kamen - nicht nur aus Dachau - , genossen die lässige urbane und freundschaftliche Atmosphäre und erlebten die Stadt in jeder Hinsicht aus einer ganz neuen Perspektive. Auch Herbert Ullmann, als Gesellschafter der Dachau Entwicklungsgesellschaft für das MD-Gelände zuständig, der anfangs Bedenken wegen der Sicherheitsvorkehrungen hatte, war am Ende restlos beeindruckt und signalisierte Offenheit für weitere Aktionen.

Die Frauen, alle berufstätig, teils Mütter, hatten ihre ganze Freizeit in das Projekt investiert, das sie professionell aufzogen. Das brachliegende Gelände mit Licht, Ton, Toiletten, Bühnen und Bars zu versorgen war ein immenser Aufwand. Dazu kam die Organisation von 13 Bands, eines Designmarktes mit verschiedenen Ausstellern, Aktionen auch für Kinder. Freunde und Familie wurden eingebunden, so weit es ging. Nicht nur für die Veranstalterinnen war es eine Premiere. Sie hatten auch Bekannte und Freunde bewegen können, das erste Mal mit ihrer Businessidee, ob Designer oder Köchin, in die Öffentlichkeit zu treten. Trotzdem: Acht Monate Ausnahmezustand seien das gewesen. Fast ein halbes Jahr später sagt Annika Wenzel: "So schnell können wir das auch unserem privaten Umfeld nicht wieder zumuten."

Also 2018 kein White Paper Festival. "Aber etwas anderes", sagt Alice Homann. An einem anderen Ort. Was und wo genau, das wollen und können die fünf noch nicht sagen. Eine kleinere Aktion soll es sein. Viele Erfahrungen können sie dann einbringen. Sicher auch Kontakte. Für das White Paper Festival hatten sie 70 ehrenamtliche Helfer gewonnen sowie viele lokale Sponsoren, darunter Autoliv, die Sparkasse und die Ziegelei Hörl&Hartmann aus Pellheim. Nur finanziell werden sie wieder von Null anfangen. Denn es bleibt dabei: Der Spaß soll gemeinnützig sein. Nach 2018 ist dann auch ein weiteres Festival nicht ausgeschlossen.