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Klimawandel:Wegen Trockenheit: "Diese Bäume leiden spürbar"

Die Jahre werden trockener und wärmer. Bäume und Getreide im Landkreis Dachau reagieren empfindlich darauf. Borkenkäfer vermehren sich massenweise, die Gefahr von Bränden steigt.

Trotz des Regens der letzten Tage war der Winter bisher nicht nur deutlich zu mild, sondern vor allem auch eines: viel zu trocken. Schlimmer noch, nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind die Niederschlagsmengen bereits seit dem Frühling 2018 unterdurchschnittlich niedrig. Der Klimawandel sorgt dafür, dass zu warme und zu trockene Jahre keine absolute Ausnahme mehr sind, sondern zur Regel werden.

Doch nicht alle Regionen sind von den Folgen gleichermaßen stark betroffen. Der Landkreis Dachau beispielsweise kam bisher noch vergleichsweise glimpflich davon. "Wir hatten die vergangenen Jahre Glück, denn es hat regional immer etwas mehr geregnet als es beispielsweise in den umliegenden Landkreisen der Fall war", berichtet Franz Knierer, zuständiger Beratungsförster des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck. Dennoch machten sich auch im Landkreis Dachau die Folgen der Trockenheit deutlich bemerkbar. Insbesondere in den vergangenen beiden Jahren hatte die Forstwirtschaft mit Schäden zu kämpfen. Am schlimmsten trifft Wassermangel die Bäume im Frühjahr, berichtet Knierer. Denn in dieser Zeit des Wachstums sei der Wasserbedarf der Pflanzen am höchsten.

"Wir müssen die Waldbesitzer weiter für das Thema sensibilisieren"

"Die Bäume leiden spürbar", bestätigt Leonhard Mösl, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Dachau. Auch dieser Winter sei bis jetzt in jedem Fall zu trocken. Doch nicht jede Baumart reagiert gleich sensibel darauf. Fichten sind beispielsweise am empfindlichsten. Der Trockenstress erhöht die Schädlingsanfälligkeit der Bäume. Und so treten in Dürrejahren meist massenhaft Borkenkäfer auf. 2018 zeigte sich das ganz drastisch, die Waldwirtschaft erlitt nicht nur in Bayern Rekordschäden. Gerade die Nachbarlandkreise seien davon stark betroffen gewesen, erzählt Franz Knierer. Aber auch in Dachau werde das Problem mit dem fortschreitenden Klimawandel größer.

"Wir müssen die Waldbesitzer weiter für das Thema sensibilisieren", mahnt er. Denn die einzige Möglichkeit den Schaden zu begrenzen, sei befallene Bäume möglichst schnell ausfindig zu machen und aus dem Wald zu entfernen - bevor sich der Borkenkäfer noch weiter vermehren könne. "Ich muss allerdings sagen, dass unsere Waldbesitzer dahingehend sehr aufmerksam sind", lobt er. Er kennt die Problematik aus seinen eigenen Wäldern.

Eine weitere Folge der Dürre ist die erhöhte Waldbrandgefahr. Besonders dramatisch war dies im vergangenen Jahr in Berlin und Brandenburg. Großflächige Feuer gab es in Dachau zwar noch nicht, "grundsätzlich ist lang anhaltende Trockenheit aber schon ein Problem", sagt Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser. Die Feuerwehren stellen sich bereits auf mehr Einsätze im Wald ein. Und das nicht unbedingt nur im Landkreis selbst, sondern auch als Unterstützung der Einsatzkräfte in Bayern und benachbarten Bundesländern. Der Kreisfeuerwehrverband ist dabei, aus den Freiwilligen Feuerwehren ein dementsprechendes Kontingent zusammenzustellen, das bei Waldbränden gezielt eingreifen kann. Dazu bedarf es einer entsprechenden Ausrüstung und Ausbildung, denn auf Wald- und Ackerflächen ist beispielsweise die Versorgung mit Löschwasser sehr viel schwieriger. Dort gibt es kein Hydrantennetz wie in der Stadt.

Großflächige Brände seien im Landkreis Dachau jedoch eher unwahrscheinlich, erklärt Reimoser. Denn anders als in Brandenburg, wo es riesige Waldgebiete gibt, sind die im Landkreis vergleichsweise klein und unzusammenhängend. Demzufolge könnten die Brände leichter eingegrenzt werden, so der Kreisbrandinspektor. Zudem spielt der Boden eine große Rolle: Während die regional typischen Sandböden Brandenburgs die Feuer stark begünstigten, seien die süddeutschen Lehmböden glücklicherweise weniger feuergefährdet, gibt Förster Knierer zu bedenken.

"Es müsste jede Woche einmal richtig regnen"

In der Landwirtschaft spielt die Bodenbeschaffenheit ebenfalls eine große Rolle, wenn es um die Auswirkungen anhaltender Trockenheit geht. Die Böden im Landkreis seien hinsichtlich ihrer Fähigkeit Wasser zu speichern sehr unterschiedlich, so Stefan Homilius. Der stellvertretende Leiter des Wasserwirtschaftsamts München, das auch für die Dachauer Gewässer und Grundwasserkörper zuständig ist, kennt die verschiedenen Böden im Landkreis aufgrund ihres Einflusses auf die Grundwasserbildung sehr gut. Im sogenannten "tertiären Hügelland" im Norden seien die Böden schlecht durchlässig und speicherten daher relativ viel Wasser, berichtet er. Der süd-östliche Teil des Landkreises liege dagegen auf der Münchner Schotterebene und die Böden seien daher schlechte Wasserspeicher.

Dementsprechend unterschiedlich brisant bewerten Landwirte im Landkreis das Problem mangelnden Niederschlags. August Haas gehört zu den weniger gesegneten. Er bewirtschaftet Flächen südlich der Amper in Richtung Neuhimmelreich. Seine Felder liegen also auf Schotter. Nur etwa 35 Liter Wasser pro Quadratmeter kann der Boden halten, etwa fünf bis acht Liter pro Quadratmeter benötigt Weizen in der Hauptwachstumszeit im Juni. Dass ein erfolgreicher Getreideanbau ohne regelmäßige Niederschläge in dieser kritischen Phase des Jahres unmöglich ist, dazu braucht es keine großen Rechenkünste. "Es müsste jede Woche einmal richtig regnen", sagt Haas.

Als er vor ungefähr drei Jahrzehnten mit der Landwirtschaft begonnen habe, sei das noch der Fall gewesen, inzwischen beobachtet er aber immer häufiger eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit. Der Handlungsspielraum der Landwirte ist begrenzt, denn Bewässerung ist nur eine kurzfristige und sehr eingeschränkt wirksame Lösung. Bei Kulturen wie Kartoffeln oder Gemüse lohne sich Bewässerung finanziell noch, Getreide sei dafür zu wenig ertragreich, muss Haas feststellen. Kaum ein Landwirt ist in der Lage seine Freiflächen auf Dauer zu bewässern und eine langfristige Lösung ist die Bewässerung immer größerer Flächen vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels ohnehin nicht.

Allerdings seien die Konsequenzen der Trockenheit in der Landwirtschaft glücklicherweise meist auf Verluste bei einzelnen Kulturen im jeweiligen Jahr beschränkt, berichtet Landwirt und Waldbesitzer Leonhard Mösl. Außerdem profitierten Kartoffeln und viele Gemüsekulturen mitunter von verlängerten Vegetationsperioden wie sie der Klimawandel mit frühen letzten Frösten im Frühjahr und warmen Herbsttagen eben auch zunehmend mit sich bringe, ergänzt August Haas. Mitunter gleichen sich die Nachteile hier also auch wieder ein Stück weit aus. Wälder hingegen leiden oft noch Jahre nach Dürreperioden unter den Folgen, denn die Bäume müssen sich erst erholen - und das dauert.

"Jetzt heißt es den Wald für die Zukunft klimatauglich zu machen"

Langfristig bleibe nur ein Ausweg, so Franz Knierer, und das sei ein grundlegender Waldumbau. "Jetzt heißt es den Wald für die Zukunft klimatauglich zu machen", fasst er die wichtigste Aufgabe der Waldbesitzer und Förster zusammen. Das heißt, weg mit Fichtenmonokulturen und her mit einem gesunden, vielfältigen Mischwald. Dazu gehören neben Fichten, Tannen und Douglasien eben auch Laubhölzer wie Buchen, Eichen, Eschen und Ulmen.

Je höher die Diversität, desto widerstandsfähiger ist ein Wald. Und das nicht nur gegenüber Trockenheit, sondern auch angesichts von durch den Klimawandel bedingt immer häufigeren Wetterextremen wie Stürmen und heftigen Temperaturschwankungen. Denn was die Zukunft auch bringt, in einem artenreichen Wald ist es deutlich wahrscheinlicher, dass zumindest einige der Bäume mit der Situation zurechtkommen. Und auch Schädlinge wie der Borkenkäfer haben es in artenreichen Wäldern deutlich schwerer, sich massenhaft zu vermehren als es in Fichtenmonokulturen der Fall ist. "Vielfalt statt Einfalt ist das Gebot der Stunde", betont auch Waldbesitzer Leonhard Mösl. In jedem Wald sollten sich mindestens fünf verschiedene Baumarten finden, rät er seinen Kollegen. "Auch wenn wir im Landkreis bisher noch Glück haben, das Problem Klimawandelfolgen ist drängend," sagt Knierer. Denn Maßnahmen wie der Waldumbau bräuchten Zeit und erforderten jahrzehntelange kontinuierliche Arbeit. Ein echtes Generationenprojekt. "Nicht alle Waldbesitzer haben die Notwendigkeit schon erkannt", sagt Knierer. Es sei jedoch wichtig jetzt zu handeln. Sein Appell lautet: keine gegenseitigen Vorwürfe, sondern beherztes Anpacken. Und das am besten sofort.

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SZ vom 07.02.2020
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