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Dachau:Von "Didlioh" bis "Büloo-Büloo"

Pirol im Ampertal

Pirole brüten in Gewässernähe. Ihre napfförmigen Nester flechten sie zwischen Astgabeln der Bäume.

(Foto: Johannes Hiller)

Der Ampertaler des Monats Mai ist der recht exotisch anmutende Vogel Pirol. Auffällig ist auch sein flötender Gesang

Gut zu hören, aber schlecht zu sehen. Der Ampertaler des Monats Mai ist der recht exotisch anmutende Vogel Pirol. Sein flötender Gesang, der wie "Didlioh" klingt, inspirierte einst sogar einen der größten, deutschen Humoristen.

Seit vielen Jahren wird jeden Monat ein "Echter Ureinwohner" des Ampertals vorgestellt. Nach einer kleinen Frühjahrspause wird diese Artenportrait-Serie von der Biologin Kerstin Kamm, der neuen Gebietsbetreuerin des Ampertals bei den Landschaftspflegeverbänden Dachau, Fürstenfeldbruck und Freising, fortgesetzt. Das sogenannte Fauna-Flora-Habitat (FFH) - Gebiet Ampertal gehört zum europaweiten Biotopverbundnetz "Natura 2000".

Die Wahl im Monat Mai fiel diesmal auf exotisch anmutenden Vogel: den Pirol. Das auffällig gezeichnete, etwa amselgroße Männchen schafft es trotz seines leuchtend gelb-schwarzen Federkleides und des rötlichen Schnabels fast unsichtbar zu bleiben. Viele Menschen haben diesen farbenprächtigen Vogel tatsächlich noch nie zu Gesicht bekommen. Bemerkbar macht sich der Pirol vor allem durch seinen melodischen Gesang, der spätestens ab Mai auch im Ampertal deutlich zu vernehmen ist. Während das Männchen ein auffälliges Federkleid hat, werden die eher unauffälligen Jungvögel und Weibchen aufgrund des blasseren, grünlich-gelben Gefieders gerne mal mit jungen Grünspechten verwechselt.

Pirole halten sich bevorzugt in hohen Baumwipfeln lichter Laubwälder oder Parks auf, wo sie sich schnell zwischen den Baumkronen hin und her bewegen und ein spechtartiges, meist zweisilbiges "Jick-Jick" von sich geben. Sind die Vögel erregt, ist bisweilen ein häherartiges Kreischen zu hören.

Pirole, die sich nur zur Brutzeit paarweise zusammenfinden, brüten gerne in Gewässernähe, wo sie ihre napfförmigen Nester kunstvoll zwischen die Astgabeln der Bäume flechten. So ist dieser scheue Langstreckenzieher nach seiner Rückkehr aus dem südlichen Afrika auch in den Auwäldern der Amper zu finden, wo er sich durch seinen herrlich flötenden Gesang zu erkennen gibt, der am ehesten mit "Didlioh" oder mancherorts auch mit "Büloo-Büloo" beschrieben wird.

"Kein Wunder also, dass sich der Humorist Vicco von Bülow bei der Wahl seines Künstlernamens vom französischen Wort für diesen schönen Vogel hat inspirieren lassen: Loriot!", heißt es in einer Pressemitteilung der Gebietsbetreuung. Und auch der wissenschaftliche Name Oriolus oriolus bildet lautmalerisch den Gesang des Pirols, der übrigens auch Goldamsel oder Pfingstvogel genannt wird, nach.

Die Nahrung des Pirols besteht neben Beeren und anderen Früchten hauptsächlich aus Insekten und deren Larven. Zu schaffen macht dem "Ampertaler des Monats Mai" der fortschreitende Verlust an lichten Laub- und Auwäldern durch Nutzungsintensivierung, Staustufen und durch die Folgen der sogenannten Amperkorrektur.

Inzwischen wird der Pirol auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Brutvögel geführt. Auch das sinkende Angebot an Insekten und anderem Kleingetier durch übermäßigen Einsatz an Düngemitteln und Bioziden in seinen Brut-, Rast- und Überwinterungsgebieten gefährdet den Pirol, der das Ampertal schon Ende August wieder in Richtung Afrika verlassen wird.

"Daher ist es umso wichtiger, die Amperauen mit ihren vielgestaltigen Lebensräumen zu erhalten, nachhaltige Renaturierungsmaßnahmen umzusetzen und störungsfreie Rückzugsräume zu schaffen" sagt Kerstin Kamm, die neue Gebietsbetreuerin des Ampertals.

© SZ vom 18.05.2021 / sz
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