Volksfest Dachau:90 Meter über der Stadt

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Volksfest Dachau: Jetzt geht's rund: Die Volksfestbeauftragte der Stadt, Andrea Löffler, und Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann wirbeln in den Sitzen des "Bayern Tower" in schwindelerregender Höhe über die Dächer der Stadt.

Jetzt geht's rund: Die Volksfestbeauftragte der Stadt, Andrea Löffler, und Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann wirbeln in den Sitzen des "Bayern Tower" in schwindelerregender Höhe über die Dächer der Stadt.

(Foto: Niels P. Jørgensen/Niels P. Jørgensen)

Zu den Attraktionen des Dachauer Volksfestes gehört in diesem Jahr der ziemlich hohe Bayern-Tower auf der Thoma-Wiese. Der Oberbürgermeister hat ihn bereits ausprobiert. Nicht nur er freut sich auf den Wiesn-Start am Samstag.

Von Edgar Subak, Dachau

Auf der Thoma-Wiese reihen sich die Stände, die Klappen sind bei den meisten noch geschlossen. Wo vor wenigen Wochen noch eine ebene Kiesfläche war, ragen nun ein Riesenrad und ein 90 Meter hohes Karussell in den blauen Dachauer Augusthimmel. Die großen und kleinen Bierzelte stehen leer. In den gewundenen Gassen und Alleen, die die "Standerln" säumen, laden Männer Bierfässer aus LKWs aus. Die Schausteller erledigen die letzten Vorbereitungen. Am Vortag des Volksfestes steht Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) vor dem großen Festzelt. Er wirkt munter und gut gelaunt. Gemeinsam mit Robert Gasteiger, dem Volksfestreferenten des Stadtrats, führt er eine kleine Gruppe von Pressevertretern über das Festgelände.

Das Bier komme heuer aus Holzfässern statt wie bisher aus Stahltanks, erklärt der Bürgermeister. Und gleich zu Beginn stellt er klar: "Mit dem fahre ich sicher nicht mehr!" Dabei zeigt er auf den blau-weiß lackierten Turm aus Stahl und lacht nervös. Rund zwanzig Minuten später steht Egon Kaiser vor dem Bürgermeister. "Corona war eine schwere Zeit für uns", erzählt der Betreiber des Kettenkarussells, das langsam 90 Meter in die Höhe zieht. "Umso mehr freut es uns, wieder in Dachau sein zu können. Wir waren mit unserem Bayern Tower schon auf der größten Kirmes in Düsseldorf und auf der Münchner Wiesn. Dachau war und ist für uns immer besonders, der Umgang immer familiär."

Kaiser hat eine kurze sportliche Frisur, die Haare zurückgegelt, er steht in kurzen Lederhosen und Tracht vor den Besuchern, breitbeinig, die Ärmel hochgekrempelt. Man merkt ihm an, dass er öfter vor Gruppen redet und er redet viel. Die Gruppe soll doch gleich eine Probefahrt machen, sagt er dann. Und ja, selbstverständlich auch der Bürgermeister. Die Gruppe begibt sich in die Sitze, junge Teenager kommen noch vorbei und gesellen sich dazu. Auf der Turmspitze angekommen, als der Horizont durch die Zentrifugal-Bewegung des Karussells zu verschwimmen beginnt, kreischen die jungen Mädchen. In der Doppelreihe vor dem Bürgermeister sitzen Pressefotografen, sie drehen sich um, schießen Fotos von ihm. Hartmann stimmt nicht in das Kreischen der Jugendlichen ein.

Dass es an einem so ausgelassenen Ort auch gefährlich werden kann, daran würden die wenigsten denken. Tobias Schneider schon, das gehört zu seinem Job. Er ist Kulturamtsleiter der Stadt und muss sich nicht nur um die Budgetfragen des Volksfestes kümmern. "Seit 2016 sind Sicherheitsthemen einfach wichtiger geworden", erklärt er. 2016 raste ein LKW in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche, 13 Menschen starben. Seither sind Organisatoren bei Fragen der Sicherheit vorsichtiger geworden.

Volksfest Dachau: Egon Kaiser betreibt den Bayern Tower, ein Kettenkarussell in 90 Meter Höhe.

Egon Kaiser betreibt den Bayern Tower, ein Kettenkarussell in 90 Meter Höhe.

(Foto: Niels P. Jørgensen)
Volksfest Dachau: Marvin Dreßen mit Tochter Abigail ist Schausteller in vierter Generation. Ihm gehört das Fahrgeschäft "Polyp".

Marvin Dreßen mit Tochter Abigail ist Schausteller in vierter Generation. Ihm gehört das Fahrgeschäft "Polyp".

(Foto: Niels P. Jørgensen)
Volksfest Dachau: Wer lachen will, muss ins "Freu Haus" gehen.

Wer lachen will, muss ins "Freu Haus" gehen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)
Volksfest Dachau: Ursula "Uschi" Krems vom Stand "Die kleine Backstube". Seit 48 Jahren verkauft sie beim Dachauer Volksfest selbstgemachte süße Waffeln und Krapfen.

Ursula "Uschi" Krems vom Stand "Die kleine Backstube". Seit 48 Jahren verkauft sie beim Dachauer Volksfest selbstgemachte süße Waffeln und Krapfen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Volksfest hinterließ der Stadt in den Vor-Corona-Jahren ein leichtes Minus. Dieses Jahr wird es wohl wieder so sein. Grund dafür seien neben den hohen Security-Kosten auch der Seniorennachmittag, bei dem 9000 Dachauerinnen und Dachauer über 65 Jahren eingeladen werden. Auch eingeladen sind Senioren aus den Partnerstädten Klagenfurt (Österreich), Fondi (Italien) und Léognan (Frankreich). Alle bekommen ein Paar Würstel und ein Bier gratis. "Ein Geschenk der Stadt an seine Bürger", erklärt Tobias Schneider. "Es kommen aber nicht alle, die eingeladen sind".

Der Sommer 2022 ist für die Schausteller eine Rückkehr in die alte Normalität. Der Betrieb darf seit der Pandemie erstmals wieder uneingeschränkt anlaufen. "2020 war für uns eine Katastrophe", erzählt die Schaustellerin Ursula "Uschi" Krems vom Stand "Die kleine Backstube". Seit 48 Jahren verkauft sie beim Dachauer Volksfest in einem Stand selbstgemachte süße Waffeln und Krapfen. Ähnlich wie ihre Kollegen zieht sie von Volksfest zu Volksfest quer durch Deutschland. Letztes Jahr war der Betrieb eingeschränkt wieder möglich. "Vor circa 50 Jahren sprachen noch alle Urbairisch und ich Urpfälzisch, leicht war die Verständigung nicht", sagt Uschi und lacht. "Dachau ist eines meiner liebsten Volksfeste". Sprachprobleme gebe es heute natürlich keine.

Marvin Dreßen, im schwarzen Polo-T-Shirt, hält seine einjährige Tochter Abigail im rechten Arm, als die Menschentraube um den Bürgermeister vor ihm haltmacht. Seit vierter Generation sei er Schausteller. Auf technische Feinheiten seines Fahrgeschäfts, den "Polyp", geht er im Detail ein, erzählt vom neuen Tintenfisch-Kopf in der Mitte der drehfreudige Anlage, aus dem bewegliche Arme ragen. An den Enden dieser "Tentakeln" sind die Sitze befestigt. Nichts für schwache Nerven.

Der Bürgermeister setzt sich im Zelt des Franziskaner-Gartens an einen Biertisch. Eine Kellnerin im Trachtengewand serviert Biere, Würste und Brezen folgen. Dem Dachauer Volksfest steht nichts mehr im Wege. Am Samstag geht es offiziell los.

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