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Dachau:Verliebt in ein Lokal

Neue Wirtin

Restaurantfachfrau Claudia Augustin.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Claudia Augustin übernimmt das Café Zauner in der Altstadt

Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick, als Claudia Augustin vergangenes Jahr zum ersten Mal durch die Dachauer Altstadt flanierte. Schließlich zog es sie ins Café Zauner. "Es war total schön", sagt sie. "Ich fand es irre." Womöglich hat sich die 47-Jährige damals schon ausgemalt, wie es wohl wäre, das versteckte Lokal in der malerischen Altstadt selbst zu betreiben. Es ist so gekommen. Als Augustin bei leiser Lounge-Musik über ihren ersten Altstadt-Besuch erzählt, sitzt sie wieder im Café Zauner. Es heißt jetzt "Zaunkönig". Und Augustin ist die neue Pächterin.

Vom 7. Januar an öffnet sie das Café wieder von Mittwoch bis Sonntag. Ihre Vorgängerin Antje Zauner hatte das Lokal, das hinter einem Eisentor ruhig in einem Hinterhof liegt, vor zwei Jahren mit ihrem Ehemann eröffnet. Es lief gut, bei den Dachauern wurde das Zauner schnell zu einem beliebten Ort, um sich eine Auszeit zu gönnen. Im Oktober mussten die Zauners ihr Geschäft dann aus familiären Gründen schließen. Es begann die Suche nach neuen Pächtern. "Café zu vermieten", so hieß es auf einem Schild.

Claudia Augustin erfuhr über eine Freundin davon. Sie kommt nicht aus dem Landkreis, hat aber im Dachauer Ortsteil Pellheim zwei Pferde stehen. Wenige Tage später stellte sie sich mit Lebenslauf und allem drum und dran bei den Zauners vor. Die wünschten sich möglichst einen Nachfolger mit Gastronomieerfahrung. Augustin konnte sie überzeugen. Als gelernte Restaurantfachfrau wurde sie mit 23 Jahren Betriebsleiterin des Löwenbräukellers am Stiglmaierplatz. Später arbeitete sie am Chinesischen Turm, auf dem Münchner Sechs-Tage-Rennen, organisierte das Catering für den Marienhof und arbeitete zwei Jahre als Wiesn-Bedienung. Mit 28 packte sie dann "die Lust aufs Büroleben", wie sie sagt. Sie arbeitete in der Personalvermittlung und war zuletzt Teilhaberin einer Firma aus diesem Bereich.

Doch was wird sich nun verändern? An das bisher erfolgreiche Konzept will Augustin "anknüpfen". Was aber nicht heißen soll, dass sich nichts ändern wird. "Es soll schon klar sein, dass jemand Neues hier ist. Ich bin ja nicht die Antje." Rein optisch fällt auf, dass das Café etwas üppiger dekoriert ist. Auf den Tischen und Fensterbänken stehen goldene Kronen wie man sie vom Froschkönig kennt. Handbemalte Steine bilden den Zaunkönig samt Krone ab. Es liegen mehr Kissen herum. "Wir haben den Raum etwas wärmer gemacht", sagt Augustin. Die Spielecke, die besonders von jungen Müttern geschätzt wurde, ist jetzt eine Art Ruheraum. Statt in Weiß sind die Wände nun in Erdtönen gehalten. Vor einer goldenen Tapete des deutschen Kitsch-Designers Harald Glööckler, Markenzeichen Krone, steht eine flauschige weinrote Couch. Ansonsten bleibt das alte Mobiliar erhalten, ebenso wie die Bücherregale. "Die Leute sollen hier reinkommen und sich ausruhen können. Das ist mir wahnsinnig wichtig", sagt Augustin.

Inzwischen hat sie sich eine Wohnung nahe der Dachauer Altstadt genommen. Weil das Café künftig bereits um 9 Uhr öffnen wird, soll das Augenmerk verstärkt auf Frühstück gelegt werden. Mittags bietet Augustin eine "schnelle, frische Küche, aber keine 0815-Speisen " an, so sagt sie. Kaffee aus der ganzen Welt und in allen Variationen kommt von der Rösterei Dinzler am Irschenberg. Augustin hat sich drei Kaffeemühlen angeschafft, auch handgefilterter Kaffee soll auf der Karte stehen. Von Mittwoch bis Samstag öffnet zwischen 9 und 18 Uhr, sonntags bis 17 Uhr. Der "Zaunkönig", sagt Claudia Augustin, "soll sich ruhig und gut einlaufen."