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Nahverkehr:Teure Übergangslösung: Zwölf neue Erdgasbusse für die Stadt

Dieselbusse haben langfristig keine Zukunft mehr. Deshalb wollten einige Stadträte keinen neuen mehr kaufen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Zwölf Erdgasbusse sollen die Flotte der Stadtwerke verstärken. Die Fahrzeuge stoßen weniger Stickoxide aus. Die CSU warnt, es werde auf die falsche Technik gesetzt.

Diesel oder Erdgas: Die Entscheidung über die Antriebstechnologie der neuen städtischen Busse war im Werkausschuss des Stadtrats heftig umstritten. SPD, Bündnis für Dachau, Grüne und ÜB plädierten engagiert dafür, trotz höherer Kosten sofort den aktuell umweltfreundlicheren Erdgasantrieb zu wählen. Die konservative Seite mit CSU, FDP und Freien Wählern wollte lieber noch einmal Dieselfahrzeuge kaufen und dafür bei der nächsten Anschaffungswelle 2023 völlig emissionsfreie Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzelle oder Batterie erwerben. In einer Kampfabstimmung setzten sich die Erdgas-Befürworter, denen sich auch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) anschloss, mit einer Stimme durch.

"Lassen Sie uns etwas für die Umwelt tun", sagte Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD). Die städtische Busflotte wird von 2020 an also um zwölf Erdgas-Fahrzeuge aufgestockt und am Betriebshof eine Erdgas-Tankstelle errichtet. Zu den acht Millionen Euro, die bisher für die Erweiterung des Fuhrparks und eine neue Betriebshalle kalkuliert waren, kommen mit dieser Entscheidung nun jährlich 222 000 Euro obendrauf. Für diese Mehrkosten, die der städtische Verkehrsbetrieb nicht erwirtschaften kann, soll die Stadt aufkommen, entschieden die Stadträte im Ausschuss.

Nur eine Übergangstechnologie

Ein bisschen kam die Entscheidung dem Blick in eine Glaskugel gleich. Denn niemand im Werkausschuss zweifelte daran, dass der Diesel langfristig keine Zukunft hat und auch der Erdgasantrieb eine Übergangstechnologie darstellt. Doch wann wirklich emissionsfreie Elektrobusse - egal ob mit Brennstoffzelle oder Akku - alltagstauglich für den Linienverkehr auf dem Markt sein werden, darüber lässt sich nur spekulieren. Gleichzeitig wurde von der EU eine Clean Vehicle Device (CVD) verabschiedet, die in nationales Recht noch umgesetzt werden muss, dann aber bei Neuanschaffungen von Bussen strikte Vorgaben macht. Es müssen definitiv mehr "saubere" Fahrzeuge angeschafft werden. Dazu zählen Erdgas- wie Elektrofahrzeuge. Ein Mindestanteil an Elektrofahrzeugen wird zum Muss. Die Strategie, jetzt und auch 2023 Erdgasbusse zu kaufen, geht also vermutlich nicht auf.

Dennoch sollten die Stadtwerke jetzt auf Erdgas setzen, so die Befürworter. Die Kohlendioxid-Einsparung sei zwar gegenüber Diesel gering - jedoch werde zumindest kein Feinstaub freigesetzt. Auch der Ausstoß von Lärm und Stickoxiden werde deutlich reduziert. Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau) erwartet "signifikante Auswirkungen auf die Luftqualität". Auch Rainer Rösch (ÜB) plädierte dafür, "mit gutem Beispiel voranzugehen, das Geld ist gut angelegt." Allein, dass die Busse leiser laufen, "ist nicht unerheblich in der Stadt", sagte Thomas Kreß (Grüne). Doch mit dieser Entscheidung habe man später rückblickend vielleicht "aufs falsche Pferd gesetzt", fürchtet Wolfgang Reichelt (CSU).

"Das Geld ist nicht da"

"Unser Ziel muss sein, ab 2023 Brennstoffzellen-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen", betonte Peter Strauch (CSU). Doch OB Hartmann ist skeptisch. Emissionsfreie Fahrzeuge würden wohl nicht so schnell zur Verfügung stehen, "jedenfalls nicht so, wie wir sie für den Linienverkehr brauchen." Erdgas-Busse seien aber nicht schadstoffarm, widersprach Strauch.

Verkehrsreferent Koch plädierte dafür, als Übergangstechnologie auf Erdgas zu setzen. Und dann von 2023 an bei jeder Anschaffungswelle neu entscheiden. Wenn allerdings mit der europäischen Clean Vehicle Device Elektrofahrzeuge Vorschrift werden, gelte es Elektroladestationen zu installieren, sagte Stadtwerkechef Robert Haimerl. Am Ende würden zwei Infrastrukturen parallel notwendig, für Erdgas und für Elektrofahrzeuge. Die Mehrkosten, um jetzt Erdgasbusse auf die Straße zu bringen, könnten die Stadtwerke jedenfalls nicht schultern. "Das Geld ist nicht da." Nach einer kurzen Sitzungspause votierte schließlich dennoch eine knappe Mehrheit für Erdgas-Busse. Die Mehrkosten soll die Stadt tragen.