Es ist natürlich auch geschimpft worden über den Verein Dachauer Moos in den 30 Jahren seines Bestehens. Die politische Gruppierung Bündnis für Dachau zum Beispiel hat ihm vorgeworfen, stets für den Schutz des Mooses zu sprechen, aber nicht wirklich etwas voranzubringen.
Tatsächlich waren es auch keine engagierten Moorschützer, die den Verein 1995 gegründet haben, sondern neun Gemeinden und Städte, von der Landeshauptstadt, Gröbenzell und Bergkirchen über Dachau, Haim- und Hebertshausen bis Ober- und Unterschleißheim, dazu zwei Landkreise, Dachau und München. Doch die Zielrichtung war klar: die Reste des östlichen Dachauer Mooses und ihre typischen Pflanzen und Tiere vor dem Verschwinden zu bewahren. Treibende politische Kraft war der damalige Karlsfelder Bürgermeister Fritz Nustede (SPD).
30 Jahre später schaut der Geschäftsführer des Vereins, Robert Rossa, auf einen Stapel von Faltblättern, Studien und Veröffentlichungen, und, als Glanzlicht, das Buch „Das Dachauer Moos – Landschaft im Wandel“. Dazu gibt es eine Umweltbildung, an der im vergangenen Jahr 2000 Kinder und Jugendliche teilgenommen haben, so viele wie nie.
Die Angebote für Schulklassen, wie Brot backen und Wasserinsekten beobachten, sind stets ausgebucht, Erwachsene buchen Radtouren und Wanderungen. Seit 2003 gibt es zudem ein Umwelthaus auf dem städtischen Gut Obergrashof auf Karlsfelder Flur. Gefragt nach dem größten Erfolg des Vereins antwortet Robert Rossa ohne Zögern: „Wir haben das Dachauer Moos ins Bewusstsein der Menschen gebracht.“

Dass es mit der Wiedervernässung im Moos nicht vorangeht, begründet Rossa mit der ungünstigen Ausgangslage: „Das Dachauer Moos bietet mit seinen Gegebenheiten wie dichte Besiedlung, tiefer Grundwasserstand, tiefer Torf, wenig Möglichkeiten, das wiederzuvernässen. Ich glaube, dass das mittlerweile auch die Kritiker begriffen haben.“
Aktuell warte man immer noch auf ein hydrogeologisches Gutachten, das im Auftrag der Regierung von Oberbayern untersucht, wo sich Maßnahmen noch lohnen. Damit ist aber die Flächenfrage nicht gelöst. Viele betroffene Landwirte winken mit Hinweis auf ihre wirtschaftliche Existenz ab. Für Rossa gibt es deshalb nur eine Lösung: Staatliche Grundbesitzer, Staatsforst und Staatsgüter, sollen mit gutem Beispiel vorangehen.

Dafür gibt es Erfolge beim Artenschutz. Eine Reihe von Biotopen wurde angelegt, aktuell läuft über mehrere Jahre ein Modellprojekt zur Renaturierung des Kalterbaches. Fünf Anliegerkommunen und zwei Landkreise sind daran beteiligt. „Noch nie wurde in Bayern ein Gewässer dritter Ordnung über mehrere kommunale Grenzen hinweg entwickelt“, betont Rossa stolz. Für ein Drittel des Bachlaufs sind schon Planungen zur Genehmigung eingereicht. Der Geschäftsführer ist überzeugt: Ohne den interkommunalen Ansatz des Vereins wäre das nicht so glattgegangen.
Trotzdem plagen Robert Rossa Sorgen, Geldsorgen. In diesem Jahr konnte das Bildungsprogramm nur dank eines Zuschusses aus dem Umweltministerium aufrechterhalten werden, und dank einer Spende der Sparkassenstiftung Dachau, die den Ausfall der Baywa-Stiftung ausglich. Gibt es die staatliche Förderung kommendes Jahr nicht, „weiß ich nicht, was wir tun“, sagt Rossa. Die Mitgliedskommunen um höhere Beiträge zu bitten, wagt er nicht. Die hätten schon genug zu zahlen.

