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Boxen:Unsauberer Kampf, fairer Sieger

Boxen Dachau ASV Halle Boxnacht WBA Weltmeisterkampf Schwergewicht Alexander Petkovic (weiß) gegen Raymond Ochieng Foto: Heigl

(Foto: Toni Heigl)

Der Dachauer Lokalmatador Alexander Petkovic gewinnt gegen Raymond Ochieng nach Punkten. Weil er das nicht ganz gerecht findet, bietet er seinem Gegner eine Revanche an.

Runde 10. Der Ringrichter hat den Kampf gerade abgebrochen, da streckt Raymond Ochieng, Kampfname King Kong, siegessicher seinen rechten Arm nach oben. Viele der 600 Zuschauer verlassen enttäuscht die ausverkaufte Halle. Sie denken, ihr Lokalmatador Alexander Petkovic hat den WBA-Schwergewichts-Titelkampf verloren. Wenige Minuten später dann ertönt über Lautsprecher das Urteil der Kampfrichter: Petkovic hat den Kampf doch gewonnen. Einstimmig.

Kurz nach dem Urteilsspruch richtet der Sieger über Mikrofon sein Wort an die Zuschauer und seinen Gegner: "Ich bin ein Kämpfer. Ich bin ein Sportler. Wenn du willst Raymond, biete ich dir eine Revanche an."

Was war passiert: Die beiden Boxer hatte sich über fast zehn Runden einen wilden offenen Schlagabtausch geliefert, die einzige Frage lautete: Wann landet einer der beiden den entscheidenden Knock-Out? In Runde 10 kommt es schließlich zu jener Szene, die auch im Publikum für Verwirrung sorgt. Petkovic geht nach einem unabsichtlichen Kopfstoß seines Gegners zu Boden. Er trägt an seiner linken Augenbraue einen blutenden Cut davon. Schließlich ist die Verletzung so gravierend, dass Ringrichter Ingo Barrabas den Kampf abbricht. Viele der Zuschauer und auch der US-Amerikaner Ochieng denken, Petkovic hätte den Kampf durch technisches k.o. verloren. Doch dann tritt ein Vertreter der World Boxing Association (WBA) in den Ring. Er erklärt, dass nach den Regeln der WBA bei einem vorzeitigen Kampfabbruch, der durch einen nicht vorsätzlichen Kopfstoß herbeigeführt wurde, die bis dahin gekämpften Runden nach Punkten ausgezählt werden.

Vor der Urteilsverkündung liegt die Spannung förmlich in der Luft. Kaum einer in der Halle ist sicher, ob es für Petkovic zum Punktsieg reichen wird. Sein Herausforderer, ein 109 Kilo schwerer und mehr als zwei Meter großer Hüne, hatte in den ersten drei Runden klare Vorteile; in Runde vier setzt er Petkovic mit einem Lebertreffer so zu, dass er in die Knie geht und angezählt wird. Auch in den folgenden Runden landet der unorthodox, wild drauflos boxende US-Amerikaner mehrere Wirkungstreffer, die Petkovic auf die Bretter befördern. Doch der 34-Jährige steht - vom lautstarken Dachauer Publikum angetrieben - immer wieder auf. Gegner Ochieng bekommt indes für zwei unsaubere Aktionen, darunter ein Tiefschlag, zwei Punktabzüge. Schließlich lautet das einstimmige, relativ klare Urteil der Kampfrichter: Petkovic hat gewonnen.

So nimmt der hoch spannende, aber oftmals unsauber geführte Boxkampf ein unwürdiges Ende, mit dem auch Petkovic sichtlich unzufrieden ist. Der 34-Jährige hat zweifelsohne alles gegeben. Nach seinem schwachen Beginn kommt der Deutsche immer besser in den Kampf und landet mit dem Publikum im Rücken immer öfter klare Treffer, von denen einer Ochieng sogar zu Boden befördert. Er ist technisch der deutlich versiertere Boxer, sein Sieg ist nicht unverdient. Trotzdem hält es Petkovic sogar für nötig, sich beim Publikum für seine Leistung zu entschuldigen.

Sichtlich gezeichnet von den Treffern des Gegners eröffnet er diesem schließlich das Angebot auf eine Revanche. Das Publikum quittiert die sportlich faire Geste und die Leistung des Amerikaners mit Applaus.

Als Petkovic am Sonntag genauer untersucht wird, stellt der Arzt neben einer Gehirnerschütterung auch einen Hand- und Kieferbruch fest. Am Donnerstag soll der 34-Jährige operiert werden.

Durch seinen Sieg hat er nun das Recht auf einen Weltmeisterschaftskampf gegen den Russen Ruslan Chagaev. Vielleicht aber kommt es erst zu besagter Revanche. Raimond Ochieng alias King Kong sagt dem Publikum nach dem Kampf. "Ich bin hierher gekommen, um zu kämpfen. Wenn Petkovic das möchte, werde ich dasselbe noch mal tun."