Das Leben von Julian R. (Name von der Redaktion geändert) glich über Jahre einem Ringen mit unsichtbaren Geistern. Depressionen und Angststörungen entrissen dem heute 40-Jährigen die Kontrolle über das eigene Leben. Der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben gelingt ihm schrittweise, auch dank eines Projekts der Dachauer Caritas. SZ Gute Werke unterstützt das Projekt, das Menschen mit psychischen Erkrankungen ein sicherer Zufluchtsort in Dachau geworden ist, bei der Anschaffung von Arbeitskleidung.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten betreibt die Caritas den Gebrauchtwarenmarkt „Die Halle“ in Dachau-Ost. Dieser ist Teil des Arbeitstrainingsprojekts für Menschen mit psychischen Erkrankungen und bietet stundenweise betreute Beschäftigungsmöglichkeiten an. „Er ist mittlerweile eine Institution hier“, erzählt Anna Schüll, Sozialpädagogin der Dachauer Caritas und Leiterin des Gebrauchtwarenmarkts. Bürger können gebrauchte, gut erhaltene Gegenstände spenden und das Team aus Erkrankten und Mitarbeitern der Caritas prüft die Spenden und bietet sie in den jeweiligen Abteilungen zum Verkauf an.
Das Angebot verfolgt ein großes Ziel: Menschen aus der krankheitsbedingten Isolation herauszuführen und ihnen eine verlässliche Tagesstruktur zu geben. Vielen fehle bereits die Kraft, morgens aufzustehen, erzählt Schüll. Andere könnten aus Angst kaum die eigene Wohnung verlassen oder seien nach traumatischen Erfahrungen kaum fähig, sich mit Fremden in einem Raum aufzuhalten.
Gerade deshalb ist die Niedrigschwelligkeit des Angebots entscheidend. Während psychotherapeutische Maßnahmen oft mit immens langen Wartezeiten verbunden sind, finden Hilfesuchende in der Halle schnell Unterstützung. Etwa 30 Menschen suchen monatlich die Halle auf. Sie packen mit an, sortieren die Waren, dekorieren die Stände oder verkaufen Kaffee und Kuchen im kleinen hauseigenen Café. „Jeder darf dort mitwirken, wo er sich wohl und sicher fühlt“, erklärt Schüller.
Durch die Arbeit wächst das Selbstvertrauen
Auch Julian R. fand hier einen ersten Halt. Zunächst arbeitete er nur wenige Stunden pro Woche. Doch mit jeder Woche wuchs sein Selbstvertrauen; die Aufgaben wurden vielfältiger: Verkauf, Möbelfahrten, das Ein- und Umräumen in den Abteilungen. Das Projekt wurde für ihn zu einer tragenden Säule der Stabilisierung.
Ein Erfolg, den Schüll und ihr Team täglich im Kleinen und im Großen sehen: Menschen erscheinen regelmäßig und zuverlässig, öffnen sich, bringen eigene Ideen mit ein. „Wir sind da, bevor Schwierigkeiten überhandnehmen“, sagt Schüll. „Und wir begleiten die Menschen oft über Jahre.“

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Das Projekt zeigt auch, wie Inklusion funktioniert: Jeden Mittwoch um zehn Uhr öffnet die Halle ihre Türen für Besucher. Darunter sind viele treue Stammkunden. Beziehungen wurden auf- und Berührungsängste abgebaut.
Das Team benötigt nun für die Arbeit im Lager, für Möbellieferungen und Fahrten zum Wertstoffhof funktionale Arbeitskleidung und Arbeitsschuhe. SZ Gute Werke will helfen, damit mehr Menschen wie Julian R. ihren Weg zurück ins Leben finden.
Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind im SZ Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1.OG., Marienplatz 11, möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Banküberweisung an:
SZ Gute Werke e.V. HypoVereinsbank IBAN: DE04 7002 0270 0000 0822 28 BIC: HYVEDEMMXXX Sicher online spenden können Leserinnen und Leser im Internet unter www.sz-gute-werke.de.

