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Anruf-Sammeltaxi-System:Streit ums Taxi

Die Stadtwerke haben das nicht immer funktionierende Anruf-Sammel-System an den Isarfunk München übergeben. Als Callcenter vermittelt er die Aufträge an ein kleines Fahrerteam in Dachau, die anderen fühlen sich hintergangen.

Dachau Das neue Konzept für das Anruf-Sammeltaxi-System (Ast) in der Stadt Dachau hat einen Konflikt unter Taxiunternehmern ausgelöst. Der Grund: Vertragspartner der Stadtwerke ist nicht mehr die Taxivereinigung Dachau, sondern das Taxiteam Dachau GbR zusammen mit Isarfunk München, einem Dienstleister, der als Callcenter die Ast-Aufträge vermittelt. In der Vergangenheit hatten die Stadtwerke selbst die Aufträge vermittelt, was aber nicht immer gelungen ist. Vor allem nicht nachts. Statt eines 24-Stunden-Angebots ist das Anruf-Sammeltaxi seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember nur noch von 5 Uhr morgens bis 0.40 Uhr verfügbar. Mit dem neuen Konzept sollen zum einen Kosten gesenkt und das Angebot auch für die Zukunft sichergestellt werden, wie der technische Werkleiter Gerald Nübel bereits im vergangenen Sommer angekündigt hatte.

Seit 1997 bereits gibt es in Dachau das Angebot eines Anruf-Sammeltaxis, mit dem vor allem jene Ortsteile bedient werden sollen, die nicht ans städtische Busnetz angebunden sind. Die Taxis haben feste Haltestellen und einen Fahrplan, der allerdings nur bei Bedarf bedient wird. Wer mitfahren will, muss spätestens 30 Minuten vorher anrufen. Waren die Fahrpreise zwischen 1,80 und 3,40 Euro früher streckenabhängig, so ist seit dem Fahrplanwechsel ein einheitlicher Pauschalpreis von drei Euro zu berappen.

Alexandros Brachos, Vorsitzender der Taxivereinigung, kritisiert das neue Ast-System.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Reibungslos ist das Ast-System jedoch von Anfang an nicht gelaufen: Das Autohaus Rapp, das zu Beginn die Vermittlung der Fahrten übernommen hatte, warf schon nach wenigen Jahren das Handtuch, wie Helmut Fricke-Radvanyi von der Taxiteam GbR berichtet. Daraufhin übernahmen die Stadtwerke die Aufgabe selbst. Das sollte die 24 Stunden am Tag besetzte Störungsstelle nebenbei mit erledigen, was allerdings oft recht schwierig war. Manchmal, so Fricke Radvanyi, der von 2013 bis Februar 2014 auch Vorsitzender der Taxivereinigung war, seien fünf, sechs Anrufe notwendig gewesen, um einen Ast-Auftrag loszuwerden.

Auch Alexandros Brachos, Vorgänger und Nachfolger von Fricke-Radvanyi an der Spitze der Taxivereinigung, räumt diese Probleme ein, die es nachts und vor allem in der Volksfestzeit und im Fasching mit Ast geben habe. Beim Volksfest habe man die Nachfrage nach Ast-Fahrten nicht decken können, sagen beide Taxler übereinstimmend - oft aus finanziellen Gründen auch nicht wollen, so Fricke-Radvanyi, der einigen Kollegen vorwirft, das Anruf-Sammeltaxi nicht so wichtig genommen zu haben, wie es notwendig wäre.

Der ehemalige Vorsitzende der Taxivereinigung, Helmut Fricke-Radvanyi, begrüßt das neue Ast-System.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Und die Probleme nachts? "Ein Taxifahrer bleibt draußen, wenn Geschäft ist", sagt Brachos. Doch nachts sei wenig los. Wenn dann Leute angerufen hätten und eine Ast-Fahrt wollten, und es sei kein Taxi gekommen, "dann gab's Beschwerden". Deshalb ist Brachos genauso wie sein Kontrahent Fricke-Radvanyi froh, dass die frühen Morgenstunden aus dem Ast-Konzept gestrichen wurden.

Fricke-Radvanyi sagt, er habe sich gleich nach seinem Amtsantritt als Vorsitzender der Taxivereinigung für eine Neuorganisation des Ast-Systems stark gemacht. Doch sei seine Idee, mit einem Schichtplan eine höhere Zuverlässigkeit zu erreichen, in einer Versammlung abgelehnt worden. Lediglich auf freiwilliger Basis sollte das laufen. Doch als er dafür eine Versammlung einberufen habe, seien nur drei Kollegen gekommen. Deshalb habe er den Vorsitz niedergelegt und an einem eigenen Konzept ohne Taxivereinigung gearbeitet. Stattdessen habe er mit Kollegen das Taxiteam gegründet und den Kontakt zwischen Stadtwerken und Isarfunk vermittelt. "Jetzt fahren wir im Schichtbetrieb - fünfmal je vier Stunden. Einer ist dann für den Ast-Betrieb verantwortlich, der in seiner Schicht immer Vorrang hat", sagt Fricke-Radvanyi. Der Wermutstropfen in seinen Augen ist der Pauschalbetrag von drei Euro, den er für zu hoch hält.

Im Großen und Ganzen habe das alte System 17 Jahre lang funktioniert, sagt hingegen Brachos. Es habe bei 1000 Ast-Fahrten im Monat drei bis vier Fehlfahrten gegeben. "Das passiert im normalen Geschäft auch", sagt Brachos, der den Stadtwerken vorwirft, ihn vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben, als er im Oktober informiert wurde, dass das Ast zum Fahrplanwechsel neu aufgestellt werden solle. "Das Konzept mit Isarfunk war zu 99 Prozent festgeklopft." Er wirft Fricke-Radvanyi zudem vor, der Münchner Gesellschaft die Tür nach Dachau geöffnet zu haben: "Isarfunk ist nun im Spiel."

So funktioniert’s

Das Anruf-Sammeltaxi (Ast) verkehrt täglich bei Bedarf zwischen 5 und 0.40 Uhr und zwar alle 40 Minuten. Es muss 30 Minuten vorher unter der Telefonnummer 08131/32 11 11 an einer der gekennzeichneten Ast-Haltestellen bestellt werden. Beim Anmelden müssen die Passagiere Abfahrtsstelle, Ziel, Name und Anzahl der Personen nennen. Der Fahrgast wird dann bis vor seine Haustüre gefahren. Der Preis beträgt drei Euro per Person. Das Stadtgebiet ist in vier Ast-Bedienungszonen unterteilt: Innenstadt, Zone 1, die vom ASV-Gelände bis zum Waldfriedhof und vom Ernst-Reuter-Platz bis Mitterndorf reicht und die Stadtteile Etzenhausen, Udlding, Augustenfeld und Himmelreich umfasst. In Zone 2 liegen Dachau-Ost samt Gewerbegebiet sowie Steinkirchen, Webling und Eisingertshofen. Zone 4 sind die Dörfer Lohfeld, Pullhausen, Pellheim, Assenhausen, Viehhausen sowie Obergrashof. Detaillierte Informationen mit der Lage der Ast-Haltestellen im Internet unter www.stadtwerke-dachau.de/verkehr/anrufsammeltaxi.html.w.g.

Allerdings gelten die Ast-Verträge der Stadtwerke mit der Taxiteam GbR und Isar zunächst nur für ein Jahr. Und Brachos ist überzeugt, dass dann die Karten neu gemischt werden: "Wir haben es mit 35 Autos nicht geschafft, da wird es mit sechs erst recht schwer." Doch umgekehrt erklärt Fricke-Radvanyi, dass das Anruf-Sammeltaxi jetzt mit sechs Fahrzeugen und acht Fahrern dank des Schichtplans besser funktioniert "als mit 35 Fahrern, von denen ein Teil nicht mitmacht".