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Dachau:Stockende Verkehrswende

Kreuzung

Stau, Lärm, Luftverschmutzung: Feierabendverkehr in Dachau.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Pläne gegen Stau gibt es genug, es hakt bei der Umsetzung

Kurz vor Jahresende hat Karlsfeld ein Signal gesendet, wie zumindest der innerörtliche Verkehr weniger werden könnte. Die zweitgrößte Kommune im Landkreis, die am stärksten von allen vom Autoverkehr von Staus, Lärm und Luftverschmutzung betroffen ist, hat die Planung für ein Radverkehrskonzept in Auftrag gegeben. Ob sich das ambitionierte Vorhaben realisieren lässt, hängt von der Finanzierung ab. Und da hakt es, wie bei vielen Projekten - nicht nur, was den Verkehr betrifft, und nicht nur in Karlsfeld.

Ohne stärkere finanzielle Unterstützung durch Bund und Freistaat ist eine Verkehrswende im Landkreis nicht zu schaffen. Doch die ist dringend erforderlich: Zum einen sagen alle Prognosen Dachau den größten Bevölkerungszuwachs aller Landkreise im Raum München voraus, zum anderen können die notwendigen Zielmarken beim Klimaschutz nur erreicht werden, wenn der motorisierte Individualverkehr drastisch eingebremst wird. Und das ist erst umsetzbar, wenn alle Alternativen zum Auto massiv ausgebaut werden.

Bisher fließt bundesweit im Verkehrssektor immer noch das meiste Geld in den Ausbau des Straßennetzes. Dabei zeigte in diesem Jahr ein Gutachten, das der Landkreis in Auftrag gegeben hat, dass ein weiterer Straßenausbau wenig Effekte hat. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis: Umfahrungen entlasten lediglich den Ortskern von Gemeinden, eine großflächige Verkehrsverlagerung bringen sie nicht. Sie haben auch keine positiven Auswirkungen auf den Verkehr, der durch Dachau und Karlsfeld fließt. Kein Wunder also, dass die Stadt Dachau den Ergebnissen der Untersuchung ablehnend gegenübersteht.

Nun ist es nicht so, dass die Kommunalpolitiker im Landkreis allein den Autoverkehr im Blick hätten. In Zusammenarbeit mit Nachbarlandkreisen sind beispielsweise zwei neue Ringbuslinien geplant: Von Fürstenfeldbruck über Olching nach Dachau und von Dachau über Oberschleißheim bis nach Garching. Zudem soll es zum Jahresfahrplanwechsel 2020 zwei neue Busverbindungen zwischen Petershausen und Lohhof sowie von Markt Indersdorf nach Unterschleißheim geben. In Dachau wird im kommenden Jahr ein Zehn-Minuten-Takt bei den städtischen Buslinien eingeführt. Das ist nicht ganz einfach, denn das bringt erhebliche Mehrkosten mit sich.

Außerdem packt die Stadt eine Pionieraufgabe an. Mit der Planung einer Seilbahntrasse vom Dachauer Bahnhof in den Münchner Stadtteil Moosach mit Halt in Karlsfeld beginnt sie das erste Projekt einer urbanen Seilbahn im Verbund des öffentlichen Nahverkehrs in Bayern. Nach dem Gutachten eines Expertenbüros könnten etwa 1300 Pendler auf die Seilbahn umsteigen. Während die zweite Stammstrecke der S-Bahn noch bis 2026 oder gar 2028 auf sich warten lässt - wenn alles gut geht und keine weiteren Verzögerungen des Endlosvorhabens eintreten -, ist der Ausbau des Eisenbahn-Nordrings von Karlsfeld zum BMW-Forschungszentrum nach Expertenmeinung "in greifbare Nähe gerückt". Er soll 2025 fertig sein.

© SZ vom 27.12.2019

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