Süddeutsche Zeitung

Caspar, Melchior und Balthasar:Die kleinen Könige sind wieder da

Sternsinger aus den Pfarreien zogen im Landkreis Dachau von Haus zu Haus, um für Kinder in Not zu sammeln. Sie schafften es nicht, jeden zu besuchen.

In den Straßen des Landkreises kann man dieser Tage königlichen Herrschaften über den Weg laufen: Nach alter Tradition ziehen derzeit Kinder und Jugendliche als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus. Feierlich ausgesendet wurden die Sternsinger aus den Pfarrverbänden bei den Neujahrsgottesdiensten. Bis Sonntag, 5. Januar, erklingt dann wie jedes Jahr der Sternsingersegen, und der Schriftzug "20*C+M+B+20" ziert die Türen der besuchten Häuser.

Dass die Buchstaben für die lateinische Formel "Christus mansionem benedicat" ("Christus segne dieses Haus") steht, wissen viele. Aber was hat der Stern zu bedeuten? Die Sternsinger verraten es: Er symbolisiert den Stern von Bethlehem, der den Heiligen Drei Königen Caspar, Melchior und Balthasar den Weg nach Jerusalem wies.

"Die Kinder sind mit Begeisterung dabei"

Die mit dem Dreikönigssingen verbundene Spendensammlung läuft in diesem Jahr unter dem Motto "Frieden! Im Libanon und weltweit". Das lange von Bürgerkrieg gebeutelte Land mit seinen zahlreichen syrischen Flüchtlingen steht im Mittelpunkt der Aktion. Es gibt aber auch viele andere Projekte weltweit, die seit Jahren regelmäßig unterstützt werden, beispielsweise, um Mädchen in Indien einen Zugang zu Schulbildung zu ermöglichen und dadurch ihre Zukunftsperspektiven deutlich zu verbessern. Generell kommen die Spenden vor allem Kindern zugute. Die Initiativen seien jedoch sehr vielfältig, erzählt Oberministrant Andreas Kopf. Er leitet die Sternsingeraktion der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Dachau und betreut dabei etwa 25 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und zweiundzwanzig Jahren.

"Die Kinder sind mit Begeisterung dabei", freut er sich. Viele beteiligten sich jahrelang, immer wieder kämen auch jüngere Geschwister hinzu. Zudem sorge das tolle Engagement der Eltern und anderer Mitglieder der Pfarrei dafür, dass die Aktion seit Jahren immer wieder ein großer Erfolg ist - sei es, indem sie die Sternsinger begleiten oder ihnen ein warmes Mittagessen bereitstellen.

Eine erfreuliche Entwicklung, denn der seit dem 16. Jahrhundert belegte Brauch war ab dem Ende des vorletzten Jahrhunderts für lange Zeit in Vergessenheit geraten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Sternsingen wiederbelebt, und seit 2015 gehört es sogar zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe.

Dennoch plagen viele Gemeinden Nachwuchssorgen. Stefan Braun vom Dachauer Pfarrverband Sankt Jakob beobachtet, dass beispielsweise in seiner Heimat Grafrath die Beteiligung von Jahr zu Jahr abnimmt. In Dachau sei dies aber glücklicherweise nicht der Fall, und der Auftakt am Donnerstag sei auch bereits recht erfolgreich gewesen. Auch Andreas Kopf hat, wie er sagt, "nie Probleme, genügend Sternsinger zu bekommen". Das hat freilich auch mit dem großen ehrenamtlichen Engagement der Pfarreimitglieder zu tun, die sich nicht nur dieser Tage um die Sternsinger kümmern, sondern sich schon im Vorfeld viel Mühe geben, die Kinder für die Aktion zu begeistern und ihnen deren Sinn und Hintergründe nahezubringen. Solche Vorbereitungstreffen inklusive kleiner Filmvorführungen finden schon Monate im voraus statt.

Die Sternsinger können nicht überall vorbeischauen

Pfarrer Michael Bartmann vom Pfarrverband Röhrmoos-Hebertshausen ist sehr stolz auf die tolle Organisation des Sternsingens durch die Oberministranten und die Unterstützung aus den Familien und Gemeinden. Er freut sich auch darüber, dass sich immer jemand dazu bereit erkläre, die Kinder und Jugendlichen zu begleiten. Insbesondere für die kleineren "Könige" ist das natürlich sehr wichtig.

Andreas Kopf bestätigt, dass die Resonanz aus der Bevölkerung positiv sei, auch wenn es immer wieder Einzelne gebe, die mit dem Sternsingerbrauch nichts anzufangen wüssten. "Es gibt Leute, die sagen, wir geben nichts", ergänzt Stefan Braun. Er führt dies auch teilweise auf betrügerische "falsche Sternsinger" zurück, die den alten Brauch zum Betteln missbrauchen. Derartige Meldungen gibt es vereinzelt leider immer wieder. Braun rät daher, sich im Zweifelsfall einen offiziellen Ausweis zeigen zu lassen. Dieser wird von den Pfarrverbänden ausgestellt und sollte von jeder Sternsingergruppe oder deren erwachsenem Begleiter mitgeführt werden. So lässt sich nachvollziehen, ob die Besucher wirklich von der örtlichen Pfarrei ausgesandt wurden oder auf eigene Rechnung arbeiten.

Trotz aller Motivation der vielen "Könige" und ihres "Gefolges" gibt es im Landkreis so viele Haustüren, dass nicht jedem jährlich ein Weihnachtssegen zuteil werden kann. Wenn man sichergehen möchte, dass der hohe Besuch persönlich bei einem vorbeischaut, besteht in vielen Pfarreien die Möglichkeit, sich im voraus fürs Dreikönigssingen anzumelden.

Alle über die Weihnachtsferien Verreisten, die trotzdem für die Aktion spenden möchten, können dies natürlich auch direkt in den Pfarrbüros oder in den Gottesdiensten zu Heilig Drei König am 6. Januar tun.

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SZ vom 04.01.2020
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