Dachauer MD-GeländeIdeenfabrik statt Industriemuseum

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Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz hat das städtische Bauamt eine Simulation erstellt, die zeigt, wie die „Ideenfabrik“ am Fuße der Altstadt aussehen könnte.
Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz hat das städtische Bauamt eine Simulation erstellt, die zeigt, wie die „Ideenfabrik“ am Fuße der Altstadt aussehen könnte. Rendering: Stadt Dachau
  • Nach dem gescheiterten Museumsforum plant Dachau eine „Ideenfabrik" in der ehemaligen MD-Papierfabrik mit Stadtbücherei, Jugendkulturzentrum und Kulturräumen.
  • Das 38,7 Millionen Euro teure Projekt soll mit bis zu 80 Prozent Städtebauförderung finanziert werden, sodass die Stadt etwa 13 Millionen Euro selbst zahlen müsste.
  • Die CSU zeigt große Skepsis wegen der hohen Kosten, während SPD und andere Parteien das Projekt mit großer Mehrheit unterstützen.
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Nachdem die Pläne für ein Industriemuseum gescheitert sind, nimmt die Stadt ein neues Millionenprojekt in Angriff: ein multifunktionales Bildungs-, Jugend- und Kulturzentrum in der ehemaligen Papierfabrik.

Von Gregor Schiegl, Dachau

Als Jahrhundertprojekt war es angekündigt, das Dachauer Museumsforum. In den denkmalgeschützten Hallen der ehemaligen MD-Papierfabrik am Fuße der Altstadt sollten Gemäldegalerie, Neue Galerie und Bezirksmuseum mit einem in Oberbayern einzigartigen Industriemuseum kombiniert werden. Doch mit dem Rückzug des Bezirks Oberbayern ist die Finanzierung des Projekts im vergangenen Jahr zusammengebrochen. Die Stadt stand vor einem Scherbenhaufen.

Nun präsentiert die Rathausverwaltung ein alternatives Großprojekt: eine „Ideenfabrik“. Sie soll eine Vielzahl von Nutzungen miteinander verbinden, von Jugend über Bildung und Kultur bis hin zu Gastronomie. „Das ist eine Chance, die man nutzen sollte“, warb Oberbürgermeister Florian Hartmann, SPD, bei einer gemeinsamen Sitzung von Sozial-, Kultur- und Bauausschuss.

Herzstück der „Ideenfabrik“ soll die Stadtbücherei werden. Derzeit ist sie in einem Gebäude am Max-Mannheimer-Platz untergebracht. Nutzerbefragungen belegen die hohe Wertschätzung der Dachauer für ihre Stadtbücherei. Bemängelt wird aber immer wieder, dass auf den knapp 1000 Quadratmetern Leseecken und Rückzugsräume fehlen, wie sie in modernen Bibliotheken mittlerweile Standard sind. Hinzu kommt: Der Bau ist sanierungsbedürftig – eine Notinstandsetzung würde drei bis fünf Millionen Euro verschlingen.

Für Oberbürgermeister Hartmann kommt die „Ideenfabrik“ da wie gerufen: In den alten Fabrikhallen stehen mehr als 3000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, fast 1800 davon könnte künftig die Bücherei belegen. Und statt das marode aktuelle Gebäude teuer instand zu setzen, könnte die Stadt es verkaufen und das Geld gleich in eine moderne, erweiterte Stadtbücherei investieren.

Die Bücherei als städtisches Wohnzimmer im Viertel

Den denkmalgeschützten Gebäuderiegel an der Thoma-Straße sich selbst zu überlassen, ist keine Option. „Aus städtebaulicher Sicht ist dieser Standort entscheidend“, erklärte Hartmann. Denn er verbindet die Altstadt mit dem geplanten Mühlbachviertel. Dies war auch ein zentraler Grund, warum die Stadt hier ursprünglich das Dachauer Museumsforum ansiedeln wollte: „Dieser Ort soll lebendig sein.“

Mit ihren 100 000 Besuchern pro Jahr – künftig vielleicht sogar bis zu 150 000, würde die Stadtbücherei diese Aufgabe erfüllen. Einige Bereiche der Bibliothek könnten sogar rund um die Uhr zugänglich gemacht werden, „Open Library“ nennt sich dieses Konzept. Geplant sind zudem eine Lesecafé, Kreativräume und medienpädagogische Werkstätten.

Für das Jugendkulturzentrum kämpfen sie seit 20 Jahren

Auch die bereits seit mehr als 20 Jahren bestehende Forderung nach einem Dachauer Jugendkulturzentrum könnte sich im Rahmen der Ideenwerkstatt nun erfüllen. Geplant sind Räume für Kunstprojekte, Bandübungsräume, ein Tonstudio, in dem man auch Podcasts aufnehmen kann und – ganz wichtig – ein Veranstaltungssaal mittlerer Größe. Den fordern Kreative und Kulturvereine in der Stadt schon lange.

Ausgelegt ist der Saal nach dem vorläufigen Entwurf für etwa 200 Besucher. Das stößt bei dem ehemaligen Vorstand der Initiative Jugendkulturzentrum Markus Erhorn von den Freien Wählern auf Kritik. „Eine Kernforderung war immer eine Multifunktionshalle, die größer ist als das Ludwig-Thoma-Haus“ mit seinen knapp 400 Sitzplätzen, sagte er. Benötigt werde ein Saal für 500 Personen. Diese Forderung hat auch der Kreisjugendring in einem Schreiben an die Stadt noch einmal untermauert.

Der OB hält diese Dimensionen allerdings für viel zu groß: Mit Funktions- und Nebenräumen würde das Jugendkulturzentrum das komplette Erdgeschoss in Anspruch nehmen. Nach Einschätzung von Kulturamtsleiter Tobias Schneider wäre ein Veranstaltungssaal dieser Größe auch nicht wirtschaftlich: „Sie können das bespielen, wie Sie wollen, am Ende wird es immer defizitär bleiben.“

Der Stadtbücherei am Max-Mannheimer Platz fehlt Platz. Und nun müsste das moderne Betongebäude auch noch saniert werden.
Der Stadtbücherei am Max-Mannheimer Platz fehlt Platz. Und nun müsste das moderne Betongebäude auch noch saniert werden. Niels P. Jørgensen
Eine Simulation des Innenbereichs um den freigelegten Mühlbach. Die graue Fläche umreist eine mögliches Areal für einen Neubau der Gemäldegalerie.
Eine Simulation des Innenbereichs um den freigelegten Mühlbach. Die graue Fläche umreist eine mögliches Areal für einen Neubau der Gemäldegalerie. Stadt Dachau (Simulation)

Von den alten Plänen für ein Dachauer Museumsforum ist im neuen Konzept wenig geblieben. Lediglich die Option auf einen separaten Neubau findet sich darin, den die Gemäldegalerie beziehen könnte. Das Bezirksmuseum bliebe in der Altstadt, von der Neuen Galerie ist in der Beschlussvorlage gar nicht mehr die Rede. Der Zweckverband Dachauer Galerien hatte den Betrieb seiner Einrichtung für zeitgenössische Kunst aus Geldmangel vor einem halben Jahr einstellen müssen. Womöglich für immer.

Während das Museumsforum ein ganzheitlicher Ansatz war, um Themen der Dachauer Museen zeitgemäßer zu präsentieren, würde der Umzug der Gemäldegalerie vor allem der Schadensbegrenzung dienen: Am alten Standort haben Licht, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen bereits einige Kunstwerke in Mitleidenschaft gezogen. Ein Neubau würde hohe Mietkosten sparen und bessere konservatorische Bedingungen bieten.

Große Skepsis bei der CSU

Die Gesamtkosten für ihre „Ideenfabrik“ schätzt die Stadt auf 38,7 Millionen Euro, ähnlich viel wie für das ursprünglich geplante Museumsforum. „Das ist natürlich ein Batzen Geld“, räumte der Oberbürgermeister ein. Eine solche Summe könne die Stadt niemals stemmen. Allerdings seien die Fördermöglichkeiten diesmal sehr viel besser als beim Museumsforum. Dachau könne mit bis zu 80 Prozent Städtebauförderung rechnen, sodass die Eigenbeteiligung auf etwa 13 Millionen Euro sinken würde.

Nach Vorgesprächen mit der Regierung von Oberbayern zeigte der OB sich zuversichtlich. Deren Vertreter seien von der Idee „sehr angetan“ gewesen, nach seinem Eindruck sogar „begeistert“. Eine jahrelange, millionenschwere Förderung für den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes halte er daher nicht für unrealistisch. Auch die Vonovia-Tochter Buwog, der die Hallen derzeit noch gehören, stehe dem Konzept positiv gegenüber.

„Das ist ein großer Gewinn für die Stadt und eine Chance für das Quartier“, schwärmte Anke Drexler, SPD.  Bei der CSU stießen die Pläne hingegen auf große Skepsis. „Um die Finanzen kommen wir nicht herum“, sagte Stadtrat Florian Schiller. Selbst mit großzügiger Städtebauförderung blieben noch 13 Millionen Euro, die die Stadt aufbringen müsse. „Mir fehlt die Fantasie, wo die herkommen sollen.“

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Tatsächlich sind noch viele Fragen offen, das räumte auch der Oberbürgermeister ein. „Wir stehen heute noch ganz am Anfang.“ Familien, Bau- und Kulturausschuss votierten mit großer Mehrheit dafür, die Pläne weiterzuverfolgen. Ablehnung gab es in den Ausschüssen allein von der Bank der Christsozialen.

Als nächsten Schritt soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Erst wenn eine Entwurfsplanung vorliegt, wird sich zeigen, wie hoch die tatsächliche Förderung seitens der Regierung ausfällt. Ein Scheitern des Projekts kann auch Hartmann nicht ausschließen. „Aber wenn wir es nicht versuchen, werden wir nie erfahren, ob es geklappt hätte.“

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