Bayernweit ist der Bestand an Sozialwohnungen rückläufig, in Dachau nicht. Dort steigt die Anzahl. Und die ist bei 1323 städtischen Wohnungen mit vergünstigten Mieten angesichts der 48 000 Einwohnerinnen und Einwohner ohnehin bereits ansehnlich. Gerade ist die Stadt dabei, mit Ach und Krach und erstmals auch durch Kreditaufnahme einen Haushalt für das kommende Jahr zu erstellen, auf den sozialen Wohnungsbau wirkt sich die klamme Finanzlage aber nicht aus.
Vielmehr setzt die städtische Wohnbaugesellschaft Stadtbau Dachau aktuell sogar das größte Einzelprojekt ihrer Geschichte um. Gut 32 Millionen Euro investiert sie in eine Anlage mit 61 Sozialwohnungen am Otto-Kohlhofer-Weg in Dachau Ost. Möglich gemacht wurde das durch die einkommensorientierte Förderung (EOF) des Freistaats, gesichert in einer Zeit, als der Fördertopf noch nicht versiegt war.

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Gefragt nach dem Rezept, mit dem es Dachau schafft, seinen Bestand zu erhöhen, antwortet Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) bescheiden: „Das haben sehr kluge Vorgänger und Stadträte entschieden und eine Wohnbaugesellschaft initiiert.“ 1961 ist die Stadtbau gegründet worden, schon damals mit dem Ziel, günstigen Wohnraum für schwächere Einkommensgruppen zu schaffen.
Seither verwirkliche die Gesellschaft zwar eher kleine Projekte, dafür aber kontinuierlich, so Hartmann. Wirtschaftlich ist sie vom städtischen Haushalt unabhängig. Die Stadt schießt kein Geld in den Betrieb der Stadtbau, diese muss aber auch keinen Gewinn an die Stadt abführen. Was die Wohnbaugesellschaft aber wirklich wertvoll mache, betont der OB, sei, dass sie die Mieten auch nach dem Auslaufen der Sozialbindung nicht wesentlich erhöhe und dauerhaft deutlich unter Marktniveau bleibe.
Bei der Stadtbau antwortet Christoph Kühbeck, Assistent der Geschäftsführung, auf die Frage nach dem Rezept: „Wir planen unsere Neubauprojekte sehr lange im Voraus.“ So könne man auch bei der Regierung Projekte früh anmelden und sich die Förderung sichern. „Ohne die vergünstigten Darlehen des Freistaats wären unsere Bauprojekte nicht realisierbar“, betont Kühbeck.
Für die aktuellen Baukosten von 32,1 Millionen Euro gab es ein Förderdarlehen über 18,2 Millionen und einen Zuschuss in Höhe von 4,5 Millionen. Was massiv Kosten spare, betont Kühbeck, sei die Tatsache, dass die Stadt die Baugrundstücke stets in Erbpacht überlasse. Das, betont auch OB Hartmann, sei eben der Beitrag der Stadt bei der Schaffung günstigen Wohnraums. Und er fügt sinnierend an: „An die 1400 Wohnungen, viele in gutem Zustand. Wenn man sich vorstellt, was die Stadtgesellschaft da für ein Vermögen hat.“
Die Warteliste ist trotzdem lang
Während seiner Amtszeit von 2014 bis heute seien 66 Wohnungen in vier Objekten dazu gekommen, führt der OB aus, mit einem Investitionsvolumen von 18,3 Millionen Euro. Gleichzeitig seien aber im selben Zeitraum 35 Millionen Euro in die Sanierung bestehender Gebäude geflossen. Das zeige, wie nachhaltig die Stadtbau wirtschafte. Modernisierte Wohnungen nämlich freuen nicht nur die Mieter, sie sparen auch Unterhaltskosten.
Doch so sehr sich Dachau auch bemüht. Der Nachfrage wird der soziale Wohnungsbau nicht gerecht. Aktuell stehen laut OB Hartmann 449 Haushalte, vom Single bis zur mehrköpfigen Familie, auf der Warteliste für vergünstigte Wohnungen, mit unterschiedlichen Dringlichkeiten.
Auch zweiter Bürgermeister Kai Kühnel, Stadtrat des Bündnisses für Dachau und beständiger Mahner für den Bau günstiger Wohnungen, geht von einem eigentlich höheren Bedarf aus. In Deutschland gelte grob, dass rein vom Einkommen betrachtet 20 bis 30 Prozent der Haushalte Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten, sagt er. „Das ergibt für Dachau mit rund 48 500 Einwohnern, also circa 22 000 bis 23 000 Haushalten, etwa 4500 bis 4600 Sozialwohnungen.“ Das Auslaufen von Sozialbindungen, es gebe in Dachau ja nicht nur die Stadtbau, werde das Problem verschärfen, prophezeit Kühnel.
Die neuen Wohnungen sollen 2027 bezogen werden
Im vergangenen April wurde mit einem symbolischen Spatenstich der Bau der 61 neuen Wohnungen in Dachau Ost begonnen, jetzt stehen die vier vierstöckigen Gebäude bereits im Rohbau da. Alles liegt im Zeitplan, Bezugstermin wird im Laufe des Jahres 2027 sein. Zum Projekt gehören auch eine große gemeinsame Tiefgarage mit 146 Stellplätzen, Photovoltaikanlagen auf den Dächern und eine Ladestation für E-Autos.
Alle Wohnungen sind barrierefrei, und es gibt auch Single-Apartments für kleinere Haushalte. Die Mieten sollen je nach Einkommen zwischen sieben und zehn Euro pro Quadratmeter betragen.
Und die nächsten Projekte sind schon in Planung: Die fünf Gebäude der Wohnanlagen an Fünfkirchner Straße und Würmstraße mit zusammen 136 Wohnungen aus dem Jahr 1963 werden sukzessive durch neue, ein Stockwerk höhere Gebäude ersetzt. Statt drei Geschossen gibt es dann vier. Insgesamt entstehen so in vier Bauabschnitten 112 neue Wohnungen.

