Tipps für heiße TageWo sich die Sommerhitze in der Stadt gut aushalten lässt

Lesezeit: 3 Min.

Auch Trinken ist bei der Hitze wichtig. Ein Hund erfrischt sich im Brunnen am Ernst-Reuter-Platz (Archivfoto).
Auch Trinken ist bei der Hitze wichtig. Ein Hund erfrischt sich im Brunnen am Ernst-Reuter-Platz (Archivfoto). Niels P. Joergensen
  • Die Stadt Dachau hat eine Online-Karte mit kühlenden Orten erstellt, die bei Sommerhitze Abkühlung versprechen.
  • Ein Praxistest bei 33 Grad zeigt, dass Brunnen, schattige Biergärten, der Stadtfriedhof und der Moorbadpark tatsächlich Erfrischung bieten.
  • Besonders der Stadtfriedhof mit seinen hohen Bäumen und der Holzgartenkanal zum Wassertreten erweisen sich als effektive Kühlungsorte.
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Die Stadt Dachau zeigt auf einer Online-Karte Orte, die an heißen Tagen Abkühlung versprechen. Ein Praxistest – vom Spielplatz bis zum Friedhof bei 33 Grad.

Von Gregor Schiegl, Dachau

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Auf einer Bank in einem schattigen Winkel hat sich ein Passant mit Strohhut niedergelassen, an der Leine einen kleinen Mischlingshund. Die rosa Zunge des Vierbeiners flattert, so hechelt er. Mehr als 30 Grad zeigt das Thermometer, und es ist noch nicht mal Mittag. Die Sonne flutet jetzt die Gassen mit ihrer Glut, das Pflaster und die Häuserwände strahlen zusätzliche Wärme ab: Ober- und Unterhitze auf voller Garstufe. Es ist Sommer in der Stadt.

Das war mal ein Versprechen. Jetzt sind überall die Fenster verrammelt, die Straßen menschenleer. Da kommt eine Online-Karte der Stadt Dachau gerade recht, die „kühlende Orte“ verzeichnet, vom Kinderspielplatz bis zum Friedhof. Aber wie gut lässt es sich dort wirklich aushalten bei 33 Grad im Schatten? Die SZ hat es ausprobiert.

Kraisy-Brunnen

Einmal die erhitzten Arme reinhängen: Der Kraisy-Brunnen an der Konrad-Adenauer-Straße ist dafür wie gemacht.
Einmal die erhitzten Arme reinhängen: Der Kraisy-Brunnen an der Konrad-Adenauer-Straße ist dafür wie gemacht. Gregor Schiegl

So, jetzt eine kleine Erfrischung am Kraisy-Brunnen, gleich zur Linken, nachdem man die gut 100 Stufen in die Dachauer Altstadt hinaufgestiegen ist. Die Arme bis zu den Schultern eintauchen – oh ja, das tut gut. Das geht auch prima, ohne Verrenkungen. Als hätte man das steinerne achteckige Bassin 1810 extra für diesen Zweck aufgestellt. 1956 musste der Brunnen restauriert werden – ein Bus hatte ihn gerammt.

Trotz der schon mehr als einer Woche anhaltenden Hitzewelle ist das Wasser frisch und angenehm kühl, aber nicht eisig. Etwa so, wie wenn man daheim den Wasserhahn kalt aufdreht. Eine leichte Brise sorgt auf den nächsten Metern für angenehme Kühlung auf der Haut. Allerdings nur auf den nächsten 100 Metern, dann ist das Wasser verdampft, und die Schweißdrüsen müssen wieder übernehmen. Oder man wiederholt die Prozedur am nächsten Brunnen. In der Altstadt gibt es noch zwei weitere zur äußeren Kühlung. Am Unteren Markt ist seit diesem Jahr auch ein Trinkwasserbrunnen installiert. Aber der liegt bekanntlich nicht auf dem Altstadtberg, sondern darunter.

Am Wasserturm

Es müssen nicht immer Kastanien sein: Der Biergarten am Wasserturm liegt im Schatten großer Buchen.
Es müssen nicht immer Kastanien sein: Der Biergarten am Wasserturm liegt im Schatten großer Buchen. Gregor Schiegl

Man muss erst einige Meter Steigung bewältigen, und das in der heißen Altstadt, bis man am Dachauer Wasserturm ankommt. Im Schatten hoher Buchen fühlen sich 33 Grad gar nicht mehr so extrem an. Und der Aufenthalt könnte noch angenehmer sein, wäre es schon 16 Uhr. Dann macht der kleine Biergarten auf, begleitet vom schmetternden Gesang der Buchfinken und Mönchsgrasmücken in den Zweigen. Klimatisch ebenso angenehm, weil genauso beschattet von Bäumen, ist der Spielplatz nebenan. Von Ferne hört man die Kinder aus der Klosterschule lärmen. Für manche ist der Unterricht jetzt schon vorbei: Drei Buben hängen am Spielplatz herum. Träges Hin und Her auf der Schaukel. Nicht nur beim Sport muss man sich jetzt zurückhalten, auch beim Spielen.

Stadtfriedhof

Man sollte viel öfter auf Friedhöfe gehen – vor allem im Hochsommer.
Man sollte viel öfter auf Friedhöfe gehen – vor allem im Hochsommer. Gregor Schiegl

Der Friedhof an der Gottesackerstraße ist von hohen Mauern umgeben, eine grüne Insel inmitten der Stadt. Die Bäume sorgen für großflächigen Schatten. Nur ein paar Sonnensprenkel schaffen es durch das Laub der Kronen. Das ist herrlich. Hier drin ist es gefühlt gleich um einige Grade kühler. Man hört leises Bienensummen aus den Baumwipfeln – bis ein Passagierflugzeug über den Himmel donnert. Die Hanglage hat den angenehmen Nebeneffekt, dass der leichte Wind – an diesem Tag hat er Stärke zwei bis drei auf der Beaufort-Skala – auch wehen kann. So kommt zum Schatten auch noch eine Windkühlung. Gerade wenn man verschwitzt ist, ist das sehr angenehm. Ein absolut unterschätzter Ort.

Moorbadpark

Beim Wassertreten im Holgartenkanal bekommt man schnell kalte Füße.
Beim Wassertreten im Holgartenkanal bekommt man schnell kalte Füße. Gregor Schiegl

Alte Bäume, exotische Sträucher, Kiesflächen zum Boule-Spielen, aber auch viel Rasen – das ist der Moorbadpark. Er ist Treffpunkt, Spielwiese und vor allem abends, wenn die Sonne bereits gesunken ist, eine richtige Kühlkammer. Mittags ist davon allerdings wenig zu merken. Die Sonne steht senkrecht, wenn man nicht unter einem der Bäume sitzt, wird es schnell heiß. Und der Rasen kann selbst abends nicht mehr so gut kühlen wie sonst. Das Gras ist verdorrt, einige Flächen wird die Stadtgärtnerei vermutlich neu ansäen müssen.

Am Rand des Moorbadparks fließt der Holzgartenkanal, ein Überbleibsel eines gewaltigen barocken Kanalsystems aus dem 17. Jahrhundert, gespeist von der Amper. Derzeit ist es eher ein Bächlein, aber immer noch fast knietief. Über Betonstufen kann man hier ins Wasser steigen zum „Wassertreten“. Die heißen Füße werden dabei ordentlich kalt. Was bei den Mädchen, die sich hier offenbar zum ersten Mal ins Nasse wagen, für Schnappatmung sorgt.

Und dann für aufgeregte Gespräche. Das hätten sie jetzt nicht erwartet. Danach wieder in die Schuhe zu schlüpfen, ist sehr angenehm. Kalte Zehen bei 33 Grad – großartig! Wenn man weiß, wo man hin muss, ist der Sommer in Dachau gar nicht so schlecht.

Die Karte mit Filterfunktion nach verschiedenen Arten von Orten ist auf der Seite der Stadt Dachau unter www.dachau.de/kuehlende-orte zu finden.

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