Sicherheitsvorkehrungen in DachauAdvent hinter 30 Tonnen Beton

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Der Dachauer Christkindlmarkt, hier ein Bild vom vergangenen Jahr, verspricht stimmungsvolle Abende in entspannter Atmosphäre. Der Aufwand für die Vorbereitungen aber wird von Jahr zu Jahr größer.
Der Dachauer Christkindlmarkt, hier ein Bild vom vergangenen Jahr, verspricht stimmungsvolle Abende in entspannter Atmosphäre. Der Aufwand für die Vorbereitungen aber wird von Jahr zu Jahr größer. (Foto: Niels P. Jørgensen)
  • Der Dachauer Christkindlmarkt wird mit 30 Tonnen Beton, Pollern und mehr Sicherheitspersonal gegen Terroranschläge geschützt.
  • Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen kosten den Veranstalter zusätzlich rund 30 000 Euro in dieser Saison.
  • Die Standbetreiber lassen sich trotz Mehrkosten nicht die Vorfreude verderben, der Markt wird vom 21. November bis 23. Dezember geöffnet sein.
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Christkindlmärkte unterliegen auch in diesem Jahr wieder strengen Sicherheitsauflagen. In der Dachauer Altstadt sollen schwere Absperrungen und mehr Sicherheitspersonal die Besucher vor Anschlägen schützen. Die Betreiber rechnen mit Mehrkosten von 30 000 Euro.

Von Laura Geigenberger, Dachau

Grau und feucht ist es am Sonntag in der Dachauer Altstadt, und die halb-aufgebauten Hütten und Tische des Christkindlmarktes vor dem Rathaus wirken daher noch etwas trostlos. Am Freitag in zwei Wochen soll hier die diesjährige Adventszeit eingeläutet werden. Beim Rundgang um das Gelände an der Augsburger Straße fällt vor allem ein dicker Ring aus Beton auf, der sich einmal um den gesamten Zaun schlingt; außerdem die großen Poller vor dem Eingang. „Alles in allem, schätze ich mal, sind das 30 Tonnen Beton, die da jetzt rundum stehen“, sagt Christian Naumann, Vorsitzender des Dachauer Christkindlmarkt-Vereins und Inhaber der alljährlichen Weihnachtsbar. „Man muss schon mit dem Panzer kommen, dass man da durchfahren kann, überspitzt ausgedrückt.“

Die Sicherheitslage in Deutschland ist angesichts der hohen Terrorgefahr weiter angespannt. Nach mehreren Anschlägen und Gewalttaten auf öffentlichen Plätzen und Veranstaltungen in den vergangenen Jahren – etwa die Amokfahrten in München und Mannheim in diesem Frühjahr sowie im Dezember 2024 in Magdeburg – wurden bundesweit auch auf Weihnachtsmärkten die Sicherheitsauflagen erneut verschärft. Beton-Barrieren, mobile Sperren, Poller und Absperrgitter sollen verhindern, dass erneut Fahrzeuge in Menschenmengen rasen. Als Reaktion auf den Messerangriff bei einem Stadtfest in Solingen im August 2024 gilt ein strengeres Waffenverbot; die Präsenz von Polizei und Security-Personal wird vielerorts deutlich erhöht. Jeder Markt muss zudem ein behördlich abgestimmtes und aktualisiertes Sicherheitskonzept vorlegen.

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In Dachau ist das Konzept laut Christkindlmarkt-Organisator Christian Naumann an der sogenannten „Münchner Linie“ ausgerichtet – ein Sicherheitsstandard, der sich an den umfangreichen Maßnahmen des Oktoberfests orientiert. „Das bedeutet: Wir haben um den Zaun herum Fahrbahnteiler, von denen einer 1,2 Tonnen wiegt, und Betonpoller im Eingangsbereich“, zählt er auf. „Bei den Perchten und beim Engelszug müssen wir jetzt Autos quer hinstellen, wo die Kinder über die Straße gehen. Wir haben auch mehr Sicherheitspersonal, am Wochenende sogar bis zu sechs Leute.“ Der Ausgang sei breiter, für Flucht und Rettungswege mehr Platz geschaffen worden. Die acht Standbetreiber seien außerdem in die Notfallplanung eingebunden, müssten also im Ernstfall eigene Aufgaben übernehmen. Um all das zu koordinieren, habe er mit den Vorbereitungen bereits im Frühjahr begonnen, sagt Naumann. „Der Aufwand im Vorfeld war gewaltig.“

Hält vieles für sinnvoll, manches aber auch für übertrieben: Organisator Christian Naumann.
Hält vieles für sinnvoll, manches aber auch für übertrieben: Organisator Christian Naumann. (Foto: Niels P. Jørgensen)

3250 Weihnachtsmärkte und rund 170 Millionen Gäste jährlich zählt der Deutsche Schaustellerbund. Die umfassende Ausarbeitung von Sicherheitskonzepten für derartige Veranstaltungen begann, nachdem am 19. Dezember 2016 erstmals ein islamistischer Terrorist mit einem schwerbeladenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche fuhr. Er tötete 13 Menschen, mehr als hundert weitere wurden verletzt. Bis dahin hatten sich die Schutzmaßnahmen rund um die Buden in der Adventszeit vor allem präventiv gegen Taschendiebstahl und allgemeine Ordnungsstörungen gerichtet.

Christian Naumann ist seit 1986 auf dem Dachauer Christkindlmarkt zugegen und hat den Wandel in den vergangenen Jahrzehnten miterlebt, zunächst als Mitarbeiter und Schausteller, später als Veranstalter. „Die Planung ist mit jedem Jahr aufwendiger geworden“, sagt er. Den immer strengeren Terrorschutz-Auflagen begegnet Naumann mit gemischten Gefühlen. Einiges hält er nach eigenen Worten „sehr sinnvoll“, anderes für „maßlos übertrieben“.

Die Poller standen auch schon auf dem Volksfest

Als einziger kaum betroffen von den Auflagen ist der Künstlermarkt auf der Rathausterrasse, der nur am Wochenende stattfindet. „Wir mussten eh schon immer einen Feuerlöscher in der Hütte haben, und jetzt brauchen wir noch eine Sicherheitsweste, um den Platz räumen zu können, wenn etwas ist“, erzählt Kunststandbetreiberin Stephanie Böhmer.

Der Christkindlmarkt-Verein muss dagegen laut Christian Naumann in dieser Saison rund 30 000 Euro zusätzlich für die Sicherheitsvorkehrungen tragen; Mehrkosten, die auf die Budeninhaber und somit letztendlich auch auf die Konsumenten zurückfielen. Die Stadt Dachau stellt ihm zufolge die mobilen Betonpoller am Eingang zur Verfügung. „Die standen dieses Jahr auch schon auf dem Volksfest und haben über 20 000 Euro Miete für die zehn Tage gekostet“, weiß Naumann. „Ohne die gute Zusammenarbeit hätten wir es nicht stemmen können.“

Am 21. November wird der Dachauer Christkindlmarkt seine Tore öffnen, und zwar bis zum 23. Dezember. Dass sich die Besucherinnen und Besucher von den potenziellen Gefahren die vorweihnachtliche Laune verderben lassen, glaubt der langjährige Organisator nicht. „Veränderungen mag der Mensch nicht so, das ist bei uns nicht anders. Aber jetzt haben wir ein paar Sachen verändert und die sind, finde ich, schon gut.“ Zumal die baulichen Maßnahmen nur von außen zu sehen seien.

„Das ist ein sehr schöner Markt, den wir da jedes Jahr auf die Beine stellen“, sagt auch Martin Ries, der an seinem Stand Krippen- und Holzartikel verkauft. Als Schausteller treffe ihn die finanzielle Mehrbelastung zwar sehr. „Auf der anderen Seite steht keiner am Weihnachtsmarkt rein des Geldes wegen, sondern wir machen das alle mit Herzblut.“ Er persönlich wolle sich die Vorfreude auf die Adventszeit von „ein paar Betonpfeilern“ nicht kaputtmachen lassen. „Und natürlich soll auch jeder unserer Gäste ein sicheres Gefühl haben, in entspannter Atmosphäre und mit Weihnachtsstimmung, und nicht Angst haben müssen“, so Ries. „Ich glaube, dem haben wir jetzt mehr als genug Rechnung getragen.“

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