Schwabhausen:"Es war eine sehr schwere Entscheidung"

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Die Tischtennis-Spielerinnen des TSV Schwabhausen, hier Sabine Winter am Ball, gehören zu den besten der Republik. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Ab der kommenden Spielzeit gibt es im TSV 1865 Dachau Bundesliga-Tischtennis. Die erfolgreiche Abteilung des TSV Schwabhausen wechselt nach 48 Jahren mit allen Mannschaften in die Große Kreisstadt. Auch ihren Trainer nehmen sie mit.

Von David Schmidhuber, Schwabhausen

Seit einigen Wochen ist klar, dass die Tischtennisabteilung des TSV Schwabhausen zur kommenden Saison zum TSV 1865 Dachau übertreten wird. "Es war eine sehr schwere Entscheidung, vor allem mental", sagt Abteilungsleiter Helmut Pfeil. Aber der Schritt sei notwendig gewesen, um den Tischtennisbereich in den kommenden Jahren weiterentwickeln zu können.

Helmut Pfeil ist seit 1976 Mitglied des Vereins, die Tischtennisabteilung wurde zirka ein halbes Jahr vorher gegründet. 35 Jahre ist er in drei Zeitabschnitten Abteilungsleiter gewesen, seit 2008 leitet er sie durchgehend. Der Verein und seine Tischtennisabteilung liegen ihm sehr am Herzen. "Langfristig Verbesserungen zu erzielen, auch in der Jugendarbeit, ist unser Ziel. Das ist in Schwabhausen aus unserer Sicht nicht mehr möglich."

Wolfgang Hörl, Bürgermeister der Gemeinde Schwabhausen, findet das sehr schade. "Insbesondere deshalb, weil wir bei der Sanierung der Heinrich-Loder-Halle alles rund um den Tischtennisbetrieb organisiert haben." Vor einem Jahr begannen die Arbeiten an der Halle, Ende des kommenden Jahres sollten sie abgeschlossen sein.

"Massive Probleme im Bestand."

"Weil wir das Tischtennis am Laufen halten wollten, wurden die Sanierungsarbeiten auf zwei Jahre gestreckt", erklärt Hörl. "Eigentlich wäre es auch in einem Jahr möglich gewesen." Es ist nicht der einzige Aspekt in Bezug auf die Heinrich-Loder-Halle, der in Schwabhausen viel diskutiert wurde und immer noch wird.

Da wäre etwa die Änderung im Ablauf der Bau- und Sanierungsvorhaben der Gemeinde. 2018 beschloss der Gemeinderat, zunächst einen Anbau an die Halle anzuschließen. Erst mit Fertigstellung des Anbaus sollte die Neusanierung beginnen. Doch im November 2020 wurde auf einer Gemeinderatssitzung festgelegt, den Plan umzudrehen und die Sanierung der Halle vorzuziehen. "Es gab massive Probleme im Bestand, dazu war es mitten in der Corona-Zeit. Daher war es wichtig, Planungssicherheit für die Gemeinde zu schaffen und zunächst die Halle zu sanieren", begründet Hörl die veränderte Reihenfolge der Vorhaben. Auch Pfeil kann die Entscheidung nachvollziehen. Aber er sagt auch: "Es war nicht im Sinne des Sports."

Helmut Pfeil, Abteilungsleiter der Schwabhausener Tischtennis-Abteilung, vor der Heinrich-Loderer-Halle. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Insgesamt haben sich durch die eingeschränkte Nutzung der Halle mit Beginn der Sanierung viele Schwierigkeiten für die Abteilung ergeben. "Doch darüber waren wir uns im Vorhinein im Klaren. Das war keine Überraschung und wurde in enger Abstimmung mit der Gemeinde abgesprochen und geklärt", unterstreicht Pfeil. Vor allem während der Zeit der Hallensanierung sei die Kommunikation mit der Gemeinde hervorragend gewesen. Trotzdem, die vergangenen Monate sind für die Tischtennis-Abteilung eine große Herausforderung gewesen. Von Juni bis Mitte September war die Halle wegen der Sanierungsmaßnahmen komplett gesperrt, der Verein musste mit Spiel- und Trainingsbetrieb in eine Halle in Dachau ausweichen.

Aufwändige Vorbereitungen bei Punktspielen

Vor allem der Aufwand bei Punktspielen wie denen der 1. Mannschaft der Frauen, die in der 1. Bundesliga spielt, ist kaum zu stemmen. "Früher haben wir zu dritt in zwei Stunden aufgebaut. Jetzt brauchen wir dreimal so viele Leute und das Doppelte der Zeit", erklärt Pfeil. Durch die vielen ehrenamtlichen Helfer im Verein sei das aktuell möglich, aber man stoße an seine Grenzen.

Besser werden könnte es ab Februar, wenn die neuen Geräteräume fertiggestellt sein sollen. Das bedeutet, dass Tischtennisplatten und weiteres Equipment wieder in der Halle gelagert werden können. Aktuell sind diese nebenan in Containern untergebracht und müssen von dort ins Halleninnere befördert werden.

Bis zum 1. Juni wird die Tischtennisabteilung des TSV Schwabhausen noch in der Heinrich-Loder-Halle spielen. Bis Ende Juni soll wieder in einer Ausweichhalle gespielt werden, denn die Schwabhausener Halle wird vom 1. Juni bis Ende November für die Sanierungsarbeiten komplett geschlossen sein.

Hoffnung auf mehr Zuschauer

Der Übertritt zum TSV 1865 Dachau steht zur neuen Saison 2023/24 am 1. Juli an. "Die rechtlichen Voraussetzungen für den Übertritt mit allen Mannschaften und auch allen Ligen haben wir über den Hauptverein des TSV Schwabhausen geschaffen, darüber sind wir sehr froh", sagt Pfeil. Geklärt müssen nun noch die Spielberechtigungen der Spielerinnen und Spieler. Nach dem Saisonende wird die Abteilung aus dem Bayerischen Tischtennisverband austreten und nach Dachau umsiedeln.

Pfeil erhofft sich vom Standortwechsel und der Zusammenarbeit einiges: "Unter anderem längere Hallenzeiten, eine größere Halle und mehr Unterstützung durch die Stadt Dachau." In der Großen Kreisstadt gebe es einfach andere Möglichkeiten. Auch in Bezug auf die Zuschauerzahlen wünscht er sich einen Zuwachs. Waren vor der Corona-Pandemie im Schnitt 130 Besucher bei Spielen der Bundesliga-Mannschaft der Frauen um Nationalspielerin Sabine Winter zu verzeichnen, ist die Zahl seitdem auf knapp 60 gesunken.

Auch Trainer Alexander Yahmed wechselt nach Dachau

Die Tischtennisabteilung des TSV 1865 Dachau sieht dem Übertritt Schwabhausens mit Freude entgegen. "Es ist schon sehr attraktiv, Bundesliga-Tischtennis nach Dachau holen zu können. Dementsprechend hoffen wir, dass wir viele Zuschauer in die Halle bringen werden", erklärt Winfried Höser, Abteilungsleiter Tischtennis beim TSV 1865 Dachau. Zudem sei man aktuell mit der Jugendarbeit nicht auf zufriedenstellendem Niveau, hier erwartet sich der Verein eine Verbesserung. Das hat auch mit dem hauptamtlichen Trainer Alexander Yahmed zu tun, den die Schwabhausener Abteilung mit nach Dachau bringen wird.

Dass durch den Zusammenschluss größere Hallenkapazitäten notwendig werden, ist dem Verein bewusst. "Deswegen haben wir schon auf politischer Ebene den Wunsch hinterlegt, mehr Auslastungszeiten zu bekommen", sagt Hösel. Auch Ruth Ehrlich setzt Hoffnungen auf den Übertritt. Die 36-Jährige hat in der Jugend in Dachau gespielt und ist zurzeit vor allem für die Ausrichtungen von Turnieren verantwortlich. "Gerade aus Damen-Sicht ist es sehr schön, da wir im Moment kein Frauen-Team in Dachau haben." Damit habe man als Verein mehr Anziehungskraft für junge Mädchen und Frauen und noch dazu sehr gute Mannschaften, die in der 1. und 3. Bundesliga vertreten sind.

Was bleibt, sind viele schöne Erinnerungen

Eine, die in einer dieser Mannschaften spielt, ist Christina Feierabend, auch wenn sie im Moment nicht so aktiv ist wie früher. Sie sagt: "Für mich ist es immer noch nicht greifbar, dass wir nicht mehr in Schwabhausen spielen werden. Es sind einfach viele Erinnerungen, die ich mit dem Ort verbinde. Aber langfristig war es für die Abteilung der notwendige Schritt."

Helmut Pfeil weiß, dass noch einiges an Arbeit auf die Abteilung zukommt. Ein wichtiger Punkt ist der Breitensport im Bereich Tischtennis in Schwabhausen. "Den möchten wir unbedingt in Schwabhausen weiterhin möglich machen. Ich würde dabei auch gerne helfen und wenn gewünscht auch als Abteilungsleiter weitermachen." Bisher steht noch nicht fest, wie es mit dem Schwabhausener Breitensport weitergehen soll. Im Frühjahr sind Gespräche mit dem TSV 1865 Dachau geplant.

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